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Kuchen, Kinderrechte und große Politik

 

Kultusminister Grant Hendrik Tonne besucht Johanniter-Kita „KinderZeit“

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne besuchte im Rahmen seiner Sommertour gestern die frisch ernannte Konsultationskita „KinderZeit“ der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. (JUH) in Wunstorf (Region Hannover). Fünf der „großen“ Kinder und Diana Dettke, Leiterin der Betriebskita, sowie Landtagsabgeordnete Wiebke Osigus, der Erste Stadtrat Carsten Piellusch und Hannes Wendler, JUH-Landesvorstand in Niedersachsen/Bremen, begleiteten den Minister auf dem Rundgang durch die Räumlichkeiten.

Bei selbstgebackenem Kuchen der Kita-Kinder war Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Nicht nur die ab August in Kraft tretende Beitragsfreiheit und die Neuausrichtung der Sprachförderung standen auf der Agenda, auch die Themen Fachkräftemangel und Qualitätsstandards wurden angesprochen. Carsten Piellusch äußerte sich besorgt zu der kurzen Umsetzungszeit der Veränderung. Hier seien die Kommunen stark gefordert.
Auf die Frage von Karin Schätzlein, Fachbereichsleiterin Bildung- und Erziehung bei der JUH im Landesverband Niedersachsen/Bremen, nach der dringend anstehenden Novellierung des Kindertagesstätten-Gesetzes konnte Minister Tonne noch keinen konkreten Zeitplan nennen.

Karin Schätzlein erklärte, wie wichtig die Verfügungszeit für pädagogische Mitarbeitende, mehr Leitungsfreistellung für die Leitungszeit und verlässliche Standards für Fachberatung seien. Dringend notwendig sei auch, nach dem quantitativen Ausbau von Krippen- und Kitaplätzen, flächendeckend in Niedersachsen die dritte Fachkraft in den Kindergartengruppen einzuführen, um die Qualität zu steigern: „Ein Konzept, das sich bei den Johannitern absolut bewährt hat“, sagt die Fachbereichsleiterin.

Bei der Personalfrage wurde die Möglichkeit des Quereinstiegs in die Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistenz diskutiert. Landesvorstand Hannes Wendler betonte, dass eine qualifizierte Anleitung der Auszubildenden in der Kita, auch ausreichend Ressourcen der pädagogischen Mitarbeitenden erfordere: „Wir sind bereit, den Quereinstieg zu ermöglichen – dies setzt aber voraus, dass genügend Verfügungszeit dafür gewährt wird. Wir als Träger sind bereit, zunächst die Praxisanleitung auch für Quereinsteiger anzubieten und selbst zu finanzieren. Aber natürlich wünschen wir uns, dass dieser unbedingt notwendige Bestandteil einer guten Ausbildung, vom Land auch anerkannt und schließlich die Kosten übernommen werden.“ Wie bereits der Niedersächsische Städtetag in seiner Erklärung vom 6. Juni fordern auch die Johanniter eine effektive Reform der Erzieherausbildung. Einrichtungsleiterin Diana Dettke beklagte die mittlerweile mangelnde Ausbildungsqualität. „Um die derzeitig hohe Abbrecherquote zu reduzieren, muss etwas getan werden! Sinnvoll wäre zum Beispiel, künftige Erzieher das erste halbe Jahr in der Kita verbringen zu lassen, bevor die theoretische Ausbildung beginnt.“

Wie leicht Anregungen oder Beschwerden umzusetzen sind – zumindest in der Kita, zeigten die Kinder beim Rundgang, nachdem sie im Atelier festgestellt hatten, dass die Bohrmaschine defekt ist. Diana Dettke wies die Kinder in dem Zuge auf den Beschwerdebriefkasten hin. Die Kinder können hier Ideen und Kritik aufmalen oder aufschreiben lassen. Minister Tonne war sehr interessiert und ließ sich das Prozedere schildern. Diana Dettke erzählte von den Anfängen der Idee, mit Kindern einen Beschwerdebriefkasten zu installieren. Grundlage sind die Kinderrechte, welche einen großen Stellenwert im Konzept der Johanniter-Kindertagesstätten haben. Das Erziehungskonzept sieht vor, dass die Kinder zu seelisch gesunden und starken Persönlichkeiten heranreifen und so später als Erwachsene in der Lage sind, Niederlagen und Rückschläge besser zu meistern und aus ihnen Kraft zu ziehen. Gleichzeitig fördere die bilinguale Erziehung in der Kita nicht nur die Sprachenwicklung, sondern ermutige die Kinder zur Entfaltung ihrer Individualität. Entspannung und Stressbewältigung – für Kinder wie Erzieher sind ein wichtiger Baustein des Konzepts. Resilienz und Gesundheitsförderung ist der Schwerpunkt der Kita „KinderZeit“. Dieses Konzept überzeugte das Land Niedersachsen. Als Konsultationskita können nun auch andere Fachkräfte oder Berufsschüler von den Erfahrungen der Wunstorfer Johanniter-Kita profitieren und sich dort Anregungen für die eigene Erziehungsarbeit holen. Die Kita ist dabei beratend tätig.

Konsultationskitas und Konsultationsverbünde sind Motor und Ideengeber für andere Einrichtungen. Im Auftrag des Kultusministeriums bieten sie in ihren Einrichtungen vor Ort Beratungs- und Hospitationsangebote zu ausgewählten Themenbereichen an. Sie unterstützen damit die Qualitätsentwicklung frühkindlicher Bildung in Niedersachsen.

Zum Abschluss des Besuchs zeigte sich der Kultusminister begeistert von der Kita „KinderZeit“ und dankte den Mitarbeitern und Kindern, die sich glücklich schätzen dürften, so eine herausragende Einrichtung besuchen zu können. Grant Hendrik Tonne möchte den Dialog mit den freien Trägern und Kommunen im August beim Forum Kita in Hannover fortsetzen.
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