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Bombenräumung in Hannover: 500 Johanniter unterstützen Evakuierung von 50.000 Menschen

Karoline Kowohl und Johan Weglage sind mit einem Lächeln im Einsatz unterwegs. (Foto: Kai Ole Petersen)
 
Die Entschärfer mit den Bomben. (Foto: Kai Ole Petersen)

56 Wunstorfer Johanniter sind am Einsatz beteiligt


Für etwa 50.000 Menschen in Hannover hieß es am Sonntag, den 7. Mai 2017 um 9 Uhr morgens: Wohnung oder Haus verlassen, sich irgendwie die Zeit vertreiben und hoffen, dass die Experten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen (KBD) erfolgreich und unbeschadet ihren Job machen würden. Es war die größte Bombenevakuierung in der Geschichte der Stadt. In der Evakuierungszone in den Stadtteilen Vahrenwald, List und Nordstadt lagen auch sieben Alten- und Pflegeheime und eine Klinik. Um dieses Mammutprojekt zu stemmen, waren allein 500 Johanniter mit mehr als 100 Transportfahrzeugen aus dem gesamten Landesverband Niedersachsen/Bremen angereist. Aus dem Ortsverband Wunstorf-Steinhuder Meer waren 56 Ehrenamtliche mit 16 Fahrzeugen am Einsatz beteiligt. Die Aufgabe der Wunstorfer: Führen eines Betreuungsabschnittes mit einem Einsatzleitwagen, Verpflegung von Betroffenen, Betreuung von Betroffenen in einer Unterkunft, Mitwirkung am Transport von liegenden und sitzenden Personen und die Leitung eines Transportabschnittes. Sie unterstützten bei wunderbarem Frühlingswetter mit weiteren Kräften und Fahrzeugen von THW, DLRG, Maltesern, DRK, ASB und privaten Rettungsdienstanbietern die Polizei und die Berufsfeuerwehr Hannover, die den Großeinsatz leitete. Die Stimmung war bei den Helfern wie auch bei den evakuierten Bürgern in den Betreuungsstellen gut.

Betreuung, Verpflegung und ein offenes Ohr für die Evakuierten

Für fünf Betreuungsstellen in Vahrenwald waren die Johanniter verantwortlich. Bereits die Tage zuvor bereiteten sich die Einsatzkräfte auf die große Aufgabe vor. Von Feldbetten, Tischen und Bänken über Konserven, Getränke, Besteck bis hin zu Tischdecken wurde alles für die Versorgung und Betreuung der Bevölkerung vorbereitet und bereits am Samstag vor der großen Bombenräumung in den zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten aufgebaut. An der IGS Büssingweg und der Herschelschule gaben die ehrenamtlichen Helfer aus dem Regionalverband Niedersachsen Mitte den Menschen aus den betroffenen Stadtteilen einen temporären Unterschlupf. In jeder dieser vier Schulen wurde eigens eine Sanitätsstation eingerichtet. Neben der medizinischen Versorgung und dem leiblichen Wohl kümmerten sich die Johanniter auch um die Sorgen und Ängste der Evakuierten. Um es den Kindern in den Unterkünften so angenehm wie möglich zu machen, waren unter anderem im Büssingweg auch Erzieher aus den Johanniter-Kindertagesstätten vor Ort und sorgten für Spiel, Spaß und ausreichend Unterhaltung. Abwechslung garantierte auch eine Hüpfburg an der IGS Vahrenheide-Sahlkamp. Diese Schule wurde gemeinschaftlich von den Johannitern aus gleich drei Regionalverbänden – Südniedersachsen, Harz-Heide und Bremen-Verden – betrieben. Als weitere Unterkunft diente die Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Niedersachsen/Bremen, die von Helfern aus dem Regionalverband Weser-Ems betreut wurde. Der Parkplatz der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. am Kabelkamp direkt hinter dem Veranstaltungszentrum Wasserturm diente als eines der beiden Transportzentren, wovon die zahlreichen Transportfahrzeuge ausströmten.


Eine der größten Evakuierungen in Deutschland

Es war eine der größten Evakuierungsaktionen in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg: Auf einem Baugrundstück im Stadtteil Vahrenwald vermuteten die Behörden zunächst an 13 und nach näheren Untersuchungen schließlich an fünf Stellen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Zwei der Verdachtspunkte entpuppten sich jedoch als Metallschrott, an drei verdächtigen Orten hatten Kampfmittelexperten allerdings bis zum Nachmittag zwei britische Fünf-Zentner-Bomben und eine Zehn-Zentner-Bombe gefunden. Bei einer dieser Fünf-Zentner-Bomben war der Zünder so stark beschädigt, dass der Blindgänger nicht manuell entschärft werden konnte und hier ein Wasserstrahlschneidgerät zum Einsatz kam. Gegen 18 Uhr hieß es für die betroffenen Bewohner schließlich: „Sicherheit aufgehoben“ – und somit zurück ins eigene Heim. Für die ehrenamtlichen Helfer bedeutete das Signal Abbau und alles zurück auf Anfang, damit Lehrer und Schüler am Montagmorgen ihre Klassenzimmer und weiteren Schulräume wieder so vorfinden, wie sie diese am Freitag verlassen hatten.

Das Ehrenamt bei den Johannitern ist vielfältig. In der Gemeinschaft anpacken, wo Hilfe gebraucht wird – ein gutes Gefühl. Die Johanniter sind immer auf der Suche nach neuen Helfern. Für Interessierte, die sich ehrenamtlich engagieren wollen und mehr über Möglichkeiten vor Ort erfahren möchten: www.helden-bitte-melden.de.
Weitere Informationen zum Thema Bevölkerungs- und Katastrophenschutz sowie die Rolle des Ehrenamts unter www.mission-bevölkerungsschutz.de.
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