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Die Sage vom Gockel an der Kirchenmauer von Wennigsen auf Deister-Süntel -Platt

Poppenburger Rose Wennigsen Wappen
 
Kloster Wennigsen
Wennigsen (Deister): Kloster Wennigsen | Die Sage vom Wennigser Gockel an der Kirchenmauer findet weiterhin großes Interesse.
An der Südseite der Kirche von Wennigsen wurde die Abbildung vom Gockel immer häufiger gesucht und gefunden.
In früheren Jahren, als man auch in Wennigsen noch überwiegend Plattdeutsch gesprochen hat, hat man sich sicherlich die Geschichte und Sage am Kamin oder auf der Tenne "plattdeutsch" erzählt.
Diese Geschichte soll in dieser Mundart festgehalten werden. Deshalb hat Frau Birgitt Wehrhahn Bad-Münder/ Eimbeckhausen die Geschichte im "Deister-Süntel Platt" niedergeschrieben.


Der Gockel an der Kirchenmauer

De Gockel anne Kerkenmüuer

Anne Söidsäiten vunne Wennigser Klöosterherken
findt man in einen Sandstäinquader ne Verfarbunge,
de üutsöiht wäi en
„Gockelhahn“.
Väile Betrachter det Sandstäins fraget seck säit Schahunnerten:
Wäi kummt de Gockel in nen Sandstäin?

Et gift nadürlich ne ganz infache Erklärunge.



Et hannelt seck ümme ne ganz normale,
awer upfällije Verfarbunge
in einen Deister-Sandstäinquader,
wäi hai nüu mal im Deister efunnen
un woll ser ümme 1500 Hunnert för
de Erwäiterunge de Klöosterkerken verwennet wurd.
Awer, ser infach is de Erkärunge nich.

De Gockelhahn is „Döibelswark“!

Häierter gift et de nahfoljende Sage vun nen
Gockelhahn anne Kerkenmüuer ter Wennigsen:

Dat Klöoster Wennigsen wurd nahwäislich
im 12 Schahunnert egrünnet.
De erste Urkunne gift et üut dem Schahr 1224.
Vörher hät et awer all ne lütsche Kerke
mir einen Wehrdurm,
im röomantäischen Stäil erbüuet, egirben.

Dat Klöoster Wennigsen kamm dör
Schenkungen, Arfschaften un Terköipen
im 13. un 14. Schahunnert ter Räiktüum.

En floräiernder Aflatthannel mir Anbetunge de
„swatten Madonna“ hät et terdem wäit öwer
de welfischen Lannesgrenzen hinüut bekannt emaket.
Wu et Kerken, Klöoster un gottesfürchtije Minschen gift, i
s de Döibel nich wäit.
Ührne is et elungen,
dör säine döibelischen Ünderwannerungen,
dat seck de Nonnen,
de Klöosterfrüuen un slürtlich
de ganze Konvent ternirmend weltlichen Gelüsten henegirben häbbet.
Dat ganze passäierte woll ser ümme de Midde det
15. Schahunnerts.
Obwöohl de Nonnen mehrfach ermahnet wurn,
moste sergor de Welfenherzog Wilhelm I
mir säinen Prior Busch
nah Wennigsen kurmen,
ümme de Nonnen wier up de Ordensrejeln det
heilijen Augustinus henterwäisen.
De Döibel moste untäitig tersaihn,
wäi ührne säine sicher eglöobeten Seelen,
wier enahmen wurn.

Hai swor up Rache.

De Satan wolle mir allen Middeln verhinnern,
dat de Kerke un dat Klöoster ter Wennigsen
wier en Hort vun gottesfürchtijen Minschen werd.


As dann,
man schrift woll dat Schahr 1520,
de Öobrichkeit beslaten hät,
de Kerke nah Söiden hen ter verbräiern,
ümme noch mehr Christen dorin Platz ter bäihen,
recket et dem Döibel.
Verkläiet as Steinmetz,
saböotäierte hai den Büu.
Hai lait nachts schümmer wier ganze Wänne tern Insturz bringen.
De Steinmetzmäster vermüutete ganz hille,
dat dat nich mir rechten Dingen tergaht.
Awer wer was de Unhold,
de ganz fröih morjens,
noch vör dem ersten Sunnenstarhl
säin Unheil edrierben hät?
Man lechte seck upper Lüuer,
awer gener an düssen Dagen passäierte nix.

Awer einet Dages,
de Sunnen was im Osten woll schust en Finger bräit upegahn,
krähte de röoe Gockel det Swäinehirten
ser kräftich un lüue,
dat alle Steinmetze,
de in ühren Büubüuden eslapen häbbet,
wach wurn
un ganz hille uppe Büustier elöopen sind.

De Steinmetze kirken in dat Gesichte einet Kollejen,
de bäi düssen Licht betrachtet,
ganz klor de Döibel was.


Säine Hörner un de lütsche Swanz
häbbet ührne verraen
un üuterdem hät et öok nochens nah Schwefel eroken.
Nüu was de Saböotör up frischer Tat erwischet wurn.

Bevör de Satan flüchten konne,
hät hai düssen röoen Gockel epacket
un ührne mir den Würen:
„Düu verdammter Gockel häst meck verraen“
girjen den Steinquader eslöidert,
dene hai sümst dachs tervör
an düsse Stier esettet harre.

De Wurf was ser gewaltich,
dat de Afdruck det Gockels
vandage noch ganz klor ter erkennen is.
Dat süidliche Säitenschipp vun de Wennigser Kerke konne,
nah de Flucht det Döibels,
öohne füddere Twischenfälle vollennet wern.

Wer nüu meint,
de Gockel is döote, de hät seck eirrt.
Ter besonneren Ereichnissen
schall hai vandage noch krähen
un de Minschen im Klöoster un in Wennigsen warnen, wenn Unheil dröohet.

Öberläifert is,
dat de Gockel im März 1626

„im 30 schährijen Kräich as Tilly´s Truppen kort vör Wennigsen stunnen“,
ser lüue ekrähet hät,
dat de Klöosterfrüuen
un en Deil de Wennigser Büuern
noch rechttäitich dör einen
ünderirdischen Gang in Richtung Lemmsche
un füdder nah Hannerwer
fläihen konnen.


De damalije Döomäina von Heimburg

schall düt Ereichnis in einen Bericht öberläifert häbben.
De Ingang det Stollens im Turm der Kerke
is ter Täit nich mehr tergänglich.
Man berichtet awer,
dat müutije Berchlöie bäi fröiheren Ümmebüuarban
im Klöoster (wahrschäinlich 1905-1909)
mehrere hunnert Meter füdder im Stollen würn
un dat düsse in Richtung Lemmsche egahn is.
Dat würe den Fluchtwech in Richtung Hannerwer bestäitijen.
De Afdruck det röoen Gockels anne Kerkenmüuer
ter Wennigsen
hät alle kräigerischen Ereichnisse öberdüuert.
Hai is füdderhen wäit hen sichtbor
un man könne ührne sergor as
„Schutzpatröon“ von Wennigsen betrachten.
Fröiher hät man in Wennigsen de
„Swatte Madonna“ besocht,
vandage socht man den „Gockelhahn“ anne Kerkenmüuer vom Klöoster Wennigsen.


Frei nah Winfied Gehrke (03.2019)
Int Deister- Süntel- Platt öbersettet von
Brigitte Wehrhahn,(21.10.2019)
Kleinkunst auf Plattdeutsch
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