Warum das Hufeisen als Glückbringer gilt und wie ein Wennigser Schmied den Teufel narrte. (Wanderung des Teufels auf dem Kansteinweg durch Wennigsen)

Feuerwehrplatz Mittelmühle Wennigsen
 
Mühlendammweg Wennigsen
Wennigsen (Deister): Wennigsen |

Symbole als Glücksbringer

Zum Jahreswechsel verschenken die Menschen allerlei Symbole als Glücksbringer.
Man hofft und wünscht sich, dass die Glücksbringer Unheil von der Person und dem Haus fernhält, dass man gesund bleibt und vor dem Bösen geschützt ist.
Die Symbole der Glücksbringer sind in den jeweiligen Kulturkreisen unterschiedlich. Im Calenberger Land sind Schweinchen, Marienkäfer, vierblättrige Kleeblätter, Schornsteinfeger und insbesondere Glückshufeisen bekannt.
Für jedes Glückssymbol gibt es eine eigene Deutung und Begründung wie es wohl entstanden ist. Alle unterschiedlichen Begründungen haben ihre Tradition und Berechtigung der Deutung.
Wichtig ist, man glaubt an seine Gesundheitswünsche, an sein Glück im Neuen Jahr und dass man vor dem Bösen geschützt ist.

Hufeisen als Glückbringer

Der Grund, warum gerade das Hufeisen ein Symbol für Glück ist und vor bösen Dämonen schützt findet möglicherweise seinen Ursprung in Wennigsen am Deister, so wurde es jedenfalls früher in den langen Winternächten von den Mägden, Bauern und Bürgern erzählt.

Die Geschichte:

Der Teufel -  verkleidet als Wandersmann in Wennigsen

In Wennigsen
gibt es seit 1751 den Mühlendammweg. Auf der einen Seite fließt der Mühlbach vom Deister kommend und auf der anderen Seite der Mühlenbetriebsgraben. Zusätzlich wurden diverse Stauteiche angelegt. Das Wasser des Mühlenbetriebsgrabens soll bis zu sieben Mühlen angetrieben haben. Der Damm zwischen den beiden Gewässern war schon immer ein beliebter Wanderweg durch die historische Mitte von Wennigsen hin zum Deister.

Auf diesem Weg kam einst ein sehr sonderbar gekleideter, Wandersmann daher.
Sein linker Fuß schmerzte, jeder Schritt tat weh. So konnte er nicht weiterwandern. Als er an der Mittelmühle von Wennigsen angekommen war, sah er eine alte Schmiede. Er hoffte, dass der Schmied ihm helfen könne, denn die Schmiedemeister kannten sich auch in der Versorgung von Pferdefüßen aus. Denn der seltsame Wanderer war kein anderer als der Teufel.

Die alte Schmiede von Wennigsen

Er klopfte an der Schmiede an, schilderte dem Schmied sein Problem und bat um
Hilfe. Der Schmied betrachtete die Füße und erkannte sofort, dass es sich bei dem als Wandersmann verkleideten Gesellen um den Teufel handelte. Er roch leicht nach Schwefel, hatte einen Menschen- und einen Pferdefuß und der Schmied konnte auch einen kleinen Schwanz erkennen.

Der Schmied antwortete dem seltsamen Wandersmann:

„Du bist der Teufel, ich darf Dir nicht helfen. Denn wenn ich mich mit Dir einlasse, bekomme ich Probleme mit der Kirche und dem Kloster. So mancher redliche Handwerker ist schon auf dem Scheiterhaufen gelandet, weil er sich angeblich mit dem Teufel eingelassen hat.“
Der Wandersmann bettelte weiter, er möge ihm doch helfen, sein Fuß schmerze so sehr und er habe noch einen weiten Weg bis Alfeld zu den sieben Bergen vor sich.
„Nun gut“, sagte der Schmied „ich fertige Dir für Deinen kranken Fuß ein Hufeisen an. Damit können die Pferde auch gut und ohne Probleme laufen, vielleicht schaffst Du dann den langen Weg“.

Der Teufel willigt ein

Der Teufel willigte ein und fragte den Schmied nach dem Preis für das Hufeisen.
Der Schmied antwortet: „Ich will von Dir heute kein Geld, ich biete Dir aber einen Handel  an. Wenn Du auf Deinen Wanderungen an einem Hof oder Haus vorbeikommst, an dem ein Hufeisen hängt, lässt Du die Bewohner in Ruhe.“

Der Teufel überlegt kurz, er dachte bei sich, so viele Höfe und Häuser wird es wohl gar nicht geben, die ein Hufeisen am Haus angebracht haben. Dafür sind Hufeisen viel zu kostbar, als diese an die Eingangstüren zu hängen.

„Ich willige ein, Schmied“, antwortete der Teufel. „Hand drauf, du fertigst mir eiligst ein Hufeisen für meinen Fuß und ich lasse künftig alle Höfe und Häuser in Ruhe, die ein Hufeisen am Haus hängen haben“
Der Schmied passte dem Teufel das Hufeisen am Fuß an, dieser war sehr zufrieden und zog von dannen.

Der Schmied rief ihm noch nach: „Denke an unsere Abmachung...“

Als der Teufel nicht mehr zu sehen war, ließ der Wennigser Schmied eiligst auf sämtlichen Wanderwegen gen Alfeld verkünden, dass der Teufel unterwegs sei, in Wennigsen gesichtet wurde, aber die Höfe und Häuser verschonen würde, die ein Hufeisen am Haus oder über der Haustür angebracht haben.
Schnell suchten die Bauern und Bürger nach einem Hufeisen und nagelten es über die Eingangstür.

Das Deister-Leinebergland

Der Teufel selbst musste schon nach wenigen Meilen durch das Deister-Leinebergland erkennen, dass fast alle Höfe und Häuser Hufeisen an den Haustüren angebracht hatten. Er konnte bis Alfeld keine teuflische Beute machen und ärgerte sich, dass er mit dem Schmied aus Wennigsen diesen vermaledeiten Handel eingegangen ist.

Das Hufeisen gilt als Glücksbringer

So ist es bis heute geblieben. Das Hufeisen gilt in vielen Ländern als Glücksbringer, es schützt vor bösen Geistern, vor Unglücksfällen und natürlich vor dem Teufel.
Zum Jahreswechsel werden an gute Freunde und Familienmitgliedern Hufeisen als Glückbringer verschenkt.
Der Wennigser Schmied, aus der Alten Schmiede nahe der Mittelmühle, soll in der Folgezeit so viele Hufeisen geschmiedet haben, dass er ein angesehener und reicher Mann wurde.

Die Alte Schmiede in Wennigsen ist heute noch zu besichtigen und ein altes Hufeisen ist auch noch vorhanden.

Der Mühlendammweg ist Teil des Fernwanderweges

Der Mühlendammweg von Wennigsen ist ein Teil des Fernwanderweges von Hannover zu den sieben Bergen nach Alfeld.
Als Kansteinweg ist er durch ein weißes Dreieck auf schwarzem Grund gekennzeichnet.
Vielleicht findet man auf der Wanderung durch das Deister-Leinebergland immer noch Spuren vom Teufel??
(s. u.a. den Teufelsstein in Springe bei der Hallermundsquelle oder des Teufelsküche nahe Coppenbrügge - Ith)

Man achte auch auf die vielen Höfe und Häuser, die ein Hufeisen am Haus befestigt haben.
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3 Kommentare
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Uwe Roßberg aus Garbsen | 18.01.2022 | 09:23  
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Winfried Gehrke aus Wennigsen | 18.01.2022 | 22:48  
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Katja W. aus Langenhagen | 19.01.2022 | 17:08  
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