Anzeige

Mystische Orte - ...die Hollenkammer

Blick zur Hollenkammer
 
...dort oben sollen sie gehaust haben
Volkmarsen: Hollenkammer bei Lütersheim | Lütersheim ist ein Stadtteil von Volkmarsen, und Nachbargemeinde von Landau. 4 Kilometer durch das Wattertal und man ist da....

Erwähnt wurde Lütersheim ertsmals in einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1120 an den Abt des Klosters Corvey.

Zuerst wurde es im Jahre 1120 als Luidherssen, 1184 als Luitheressen und 1204 als Luitersen bezeichnet. 1774 heißt es Lützen (Lützen ist heute noch mundartlich gebräuchlich).
Danach erscheint im 17. Jh. der heutige Name Lütersheim.

1748 hatte Lütersheim bereits 37 Wohnhäuser.Im Laufe der Jahre vergrößerte sich das Reihendorf und wurde im Jahre 1972 Stadtteil von Volkmarsen.


Wandert unterhalb des Lütersheimer Sportplatzes vorbei in Richtung Volkmarsen, trifft man mitten im Wald auf die Reste einer ehemaligen Burg, der Ruine Oedelbeck.
Unterhalb dieser Ruine, versteckt im Wald, findet man große Felsengebilde, die sog. Hollenkammer. Um diese Felsengebilde haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Sagen gebildet.

Ein Bericht der "Kasseler Neuesten Nachrichten" aus dem Jahre 1926 erzählt folgendes:

Die Hollenkammer
Eine romantische Felsenhöhle

Abseits der gewöhnlichen Wanderwege liegt etwa 1 ½ Wegestunden von Volkmarsen entfernt auf waldeckischem Gebiete die Hollenkammer, ein merkwürdiges geologisches Gebilde, das durch Beschaffenheit und romantische Umgebung das lebhafte Interesse des Beschauers erweckt.

Eine von einem kleinen Bach durchrieselte Felsenschlucht, deren steil abfallenden Wände, ebenfalls wie das umliegende Gelände von zahlreichen zwischen Kiefern und Buschwerk gelagerten Felsblöcken übersät sind, die sich hier und da zu ganzen Klippen auftürmen, führt zu zwei sich gegenüberstehenden mächtigen Gesteinsobelisken. Für den Mineralogen sind diese verwitterten und zerklüfteten von gewaltigen parallel laufenden Eisenquadern durchsetzten Blöcke mit den darin nachweisbaren Oxydationsstufen, die der einfachen Landschaft ihr charakteristisches Gepräge geben, besonders beachtenswert.

Die rechte, etwa 15 m hohe Felswand birgt etwa in Stockwerkshöhe eine nach innen sich verengende etwa 5 Personen fassende Höhle, die eigentliche Hollenkammer.
Außer zwei regelrecht in den Felsen hinein gemeißelten Wandschränkchen befinden sich am Eingang der Höhle mehrere in verschiedenen Abständen angebrachte Vertiefungen, die anscheinend als Lager für Balken gedient haben und ein Anzeichen dafür bieten, das die Naturhöhle einst von Menschenhand einem praktischen Zweck nutzbar gemacht worden ist.
Jedoch überliefert die Geschichte keine Kunde über die Bestimmung dieses eigenartigen Felsgemaches und lässt der Phantasie des Forschers reichen Spielraum.
So wird versucht, in der Hollenkammer eine uralte Kultusstätte zu sehen und ihren Namen auf die heidnische Holba, die gütige Gemahlin Wotans zurückzuführen, an deren Namen auch noch eine in der Nähe befindliche Quelle erinnert.

Andererseits wird vermutet, das hier einstmals ein Einsiedler gehaust und im Zeitalter des Bonifatius in dieser Gegend zur Ausbreitung des Christentums beigetragen habe.

In ergiebiger Weise hat sich aber die Volkssage mit der Hollenkammer beschäftigt. Danach wurde die Höhle von den auch sonst in der hessischen Sagenwelt vielfach wiederkehrenden Hollen bewohnt, koboldartigen Menschen deren Charakter im wesentlichen gutartig gewesen sein soll.
Zum kochen und backen liehen sie sich von den Bewohnern des Dorfes Lütersheim häufig Töpfe und Pfannen: „Leihet us jugge Pöttken, leihet us ´ne Panne!“ Sie brachten bei deren Rückgabe, auf dem Hin- und Rückwege die Dunkelheit benutzend, zum Dank einen Kuchen mit. Das Licht scheuten sie. Wer sie mit einem solchen überraschte, dem „bliesen sie die Augen aus“. Guten Menschen waren sie wohlgesinnt, den bösen und faulen dagegen spielten sie oft einen Schabernack, indem sie ihnen das Getreide wegnahmen, oder die kleinen unbewachten Kinder vom Felde entführten.

Noch knüpft sich an die Hollenkammer eine im nahen Volkmarsen umgehende schaurige Sage. Dort lebte vor vielen Jahren ein Hirt, Kurt Katte mit Namen, der mit Vorliebe in der Gegend der Hollenkammer die Gemeindeherde weidete. Nach altem Gewohnheitsrecht gehörte jedes verunglückte Tier dem Hirten. Dieses Recht nutzte Katte böswilligerweise aus, in dem er das Vieh so nahe an die steil abfallenden Klippen trieb, das oft ein Stück abstürzte und verendete. Als die Bewohner Volkmarsens diese Untreue ihres Hirten entdeckten, machten sie ihm kurzerhand den Prozeß und überlieferten ihn dem Feuertode auf dem Scheiterhaufen. Seit jener Zeit werden die Klippen „Katten Kurt´s Klippen“ genannt. Sie sind ein beliebter Ausflugsort der näheren Umgebung geworden.

So hat Frau Sage von der Hollenkammer Besitz genommen und in der Einsamkeit des wildromantischen Felsenmeers blitzen die Steine ihres Diadems in den Strahlen der Sommersonne.

[Dr. A. Hüneberg aus Kasseler Neueste Nachrichten, 1926 (Sonderseite Heimatland)]
2
1
0

Weiterveröffentlichungen:

Frankenberger Zeitung | Erschienen am 05.06.2010
Waldeckische Landeszeitung | Erschienen am 05.06.2010
Lesen Sie auch die Bildkommentare zum Beitrag
2 Kommentare
59.223
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 20.05.2010 | 21:31  
1.236
Alfred Platschka aus Igling | 24.05.2010 | 16:09  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.