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Hessentagspaar 2010 - Trachtenbeschreibung

Wann? 28.05.2010

Wo? Stadthalle Stadtallendorf, Bahnhofstraße 2, 35260 Stadtallendorf DEauf Karte anzeigen
    Stadtallendorf: Stadthalle Stadtallendorf | Der Hessentag steht vor der Tür und ich habe meine Fotos noch nicht bei myheimat eingestellt. Die Zeit geht einfach zu schnell rum. Im Sommer letzten Jahres hatte ich Gelegenheit an einem Fotoshooting im Schloßpark Schweinsberg teilnehmen zu dürfen. Der Stadtallendorfer Fotograf Peter Lauritis hatte den Auftrag bekommen Fotos des Hessentagspaares zu schießen, die als Vorlage für die Autogrammkarten dienen sollten. Die Fotos, die bei dieser Gelegenheit entstanden sind, möchte ich Euch nicht vorenthalten.
Da bei den Auftritten von Mona-Lorena und Fabian immer wieder Fragen zur Tracht gestellt werden haben sich Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger hingesetzt und eine ausführliche Trachtenbeschreibung geschrieben, die eine sehr gute Ergänzung zu den Fotos darstellt. Ich hoffe wir sehen uns beim Hessentag in Stadtallendorf.
Gruß Bernhard Hermann


Das Hessentagspärchen 2010 Mona-Lorena Monzien und Fabian Gies aus Stadtallendorf
-Trachtenbeschreibung-

Nachdem in den vergangenen Jahren die Hessentagspaare meistens nicht in einer regionalen Tracht auftraten, sondern in historischen Kostümen, ist es nun endlich wieder soweit, dass ein Hessentagspaar in Tracht die Hessentagsstadt 2010 repräsentiert.

Entschieden hat sich die Stadt Stadtallendorf für Mona-Lorena Monzien, 19 Jahre, und Fabian Gies, 23 Jahre, beide gebürtige Stadtallendorfer.
Bei der Kleidungswahl war es nicht sonderlich schwer sich zu entscheiden, denn in der Stadt Stadtallendorf wird und wurde die katholische Tracht des Marburger Landes getragen. Die Stadtallendorferinnen entwickelten jedoch in den vergangenen Jahrzehnten einige Eigenheiten in ihrem Kleidungsverhalten. So wird der sogenannte Motzen in Stadtallendorf mit Keulenärmeln und schmalen Gürtel am Bund, angefertigt. In die Alltagskleidung nahmen die Frauen eine hochgeschlossene Jacke auf, ein blusenartiges Oberteil, welches eher an die städtische Mode erinnert. Sonst gingen die Frauen dort mit dem Kleidungsverhalten der anderen katholischen Dörfer rund um die Amöneburg konform, wobei jedoch jeder Ort seine kleinen Eigenarten bis zur Gegenwart beibehalten hat.

Mona hat für ihre Auftritte mehrere Variationen zur Auswahl. So kann sie wählen zwischen dem grünen Tanzrock mit dem roten Bandbesatz und einem roten oder grünen Halstuch mit aufwendiger Plattstich-Stickerei und der weißen bestickten Baumwollschürze, der grünen „Dibettschürze mit Herz“ oder der rot-braunen Atlasschürze mit „Blätterguimpe“. Unter der Schürze trägt Mona den sogenannten Taschensack, da die Röcke keine eingearbeitete Tasche haben. Dieser ist mit Stickereien und anderem Zierrat verschönt.
Das Leibchen ist aus grünem Tuch mit aufwendigen Stickereien rund um den Armausschnitt.
Eine passende Strickjacke mit Stickereien aus floralen Ornamenten kann sie bei kühler Witterung dazu tragen.

Was die Strumpfauswahl betrifft, so hat man sich für die traditionellen Zwickelstrümpfe der katholischen Dörfer entschieden, obwohl diese nicht generell von den Stadtallendorferinnen aufgenommen wurden. Da im Stadtteil Niederklein diese Strümpfe etabliert waren und das Hessentagspaar auch die Stadtteile repräsentieren soll, kann so der Facettenreichtum der katholischen Marburger Tracht aufgezeigt werden. Außerdem wird das gesamte Erscheinungsbild der Tracht dadurch noch wesentlich aufgewertet.
Die Haare trägt Mona in der üblichen Gretchenfrisur, welche die katholischen Frauen des Marburger Landes um die Jahrhundertwende allgemein aufgenommen haben. Die Haube, in Stadtallendorf Kappe genannt, wurde zu dieser Zeit abgelegt und beim Kirchgang durch Kopftücher in unterschiedlicher Machart, ersetzt. Zur „alten Kappenfrisur“ trugen die Stadtallendorferinnen, abweichend zu anderen katholischen Dörfern, dann einen Kamm, den sie hoch aufstehend an der hinteren Kopfplatte befestigten. Hier gingen sie mit den Schweinsberger Trachtenträgerinnen konform.

Für besonders feierliche Begebenheiten kann Mona Monzien auch noch in der blauen Kirchgangstracht auftreten. Hierzu gehört der „mausfahle“ Rock mit blauem Bandbesatz, ein blaues Halstuch mit Stickereien in Kreuzstich-Manier, ein blauer „Allendorfer Plüschmotzen“ und eine blaue Atlasschürze aus dem Jahr 1911. Die Strümpfe aus dem Jahr 1946 sind auch hier nicht einfarbig blau, sondern mit weißen Zwickeln gestrickt, um das Gesamtbild aufzuwerten.

Die Unterkleidung zu beiden Ausstattungen besteht aus einem weißen Baumwollhemd, einem weißen Spitzen-Unterrock sowie einem roten Unterrock aus feinem Tuchstoff, der in gleicher Art gefertigt ist wie der Oberrock.

Ein weiteres Utensil als Ergänzung zur Ausstattung ist das Trachtenkörbchen, welches in dieser Art früher in ganz Hessen und darüber hinaus verbreitet war.

Alle von Mona-Lorena Monzien getragenen Stücke, außer den hellgrundigen Strümpfen, sind Original-Trachtenteile und wurden auf ihren Bedarf umgeändert von Frau Christine Luzius aus Roßdorf, welche selbst die Tracht noch im Alltag trägt.

Die Tracht von Fabian Gies musste komplett nachgeschneidert werden, da passende Originale leider nicht mehr vorhanden sind. Die Männer in unserer Region legten ihre Tracht bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts ab und tauschten diese gegen städtische Kleidung aus.

Fabian trägt ein weißes Leinenhemd mit Weißstickereien auf den Schulterpassen, den Ärmelbündchen sowie am Ende des Brustschlitzes. Dort sind auch die Jahreszahl 2010 sowie seine Initialen aufgebracht. Genäht und bestickt wurden die Hemden von Frau Luise Gerike aus Oberasphe.
Dazu gehört eine schwarze Tuchhose mit erhöhtem Bund und schwarze Schnallenschuhe. Die Hose wird gehalten von Hosenträgern, welche von Hand in Kreuzstichstickerei angefertigt wurden. Auch hier findet man Jahrszahl und Initialen an den vorderen Enden der Träger. Eine schwarzgrundige Samtweste mit aufgestickten Blümchen und ein schwarzes Seidenhalstuch vervollständigen die „sommerliche“ Sonntagsausstattung.
Über die Weste kommt nun noch das sogenannte „Ärmelleibchen“, welches ebenfalls aus schwarzgrundigem Samt mit Streublümchenmuster genäht wurde. An den Rändern schaut das ursprünglich weiße Innenfutter der Jacke hervor. Die Eigenart fand man hauptsächlich bei den Ärmelleibchen der männlichen katholischen Bevölkerung im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Dazu gehört als Kopfbedeckung das sogenannte „Määsje“ aus demselben Material wie Weste und Jacke.

Angefertigt wurden die Trachtenstücke anhand von Mustern, die der Schneiderin Irene Bonacker aus Wolfgruben im Original vorlagen.


Eckhard Hofmann und Jürgen Homberger
Juni 2009

Weitere Fotos werden morgen eingestellt. Jetzt muß ich erst mal "Maiwandern"
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Weiterveröffentlichungen:

Oberhessische Presse | Erschienen am 08.05.2010
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1 Kommentar
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Evelin Trontone aus Marburg | 01.05.2010 | 13:29  
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