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Valparaiso sehen und …. wiederkommen

33° 3′ S , 71° 37′ W: Valparaiso. Es ist Sommer in Chile. Unter dem gleißenden Licht des globalen Bühnenscheinwerfers Sonne beginnt die Stadt auf den fünfundvierzig Hügeln, farbenprächtig zu leuchten. Der Hafen, der an einer offenen Bucht liegt, ist von diesen Hügeln eingerahmt. Dicht an dicht stehen kleine Häuser aus Brettern, Stein und Wellblech. Sie drohen jeden Moment, umzukippen. Allzu genau darf man nicht hinschauen. Und doch: Selbst hartgesottene Architekturfreaks umfängt der morbide Charme des Verfalls dieses eigenartigen Dauerprovisoriums.

Valparaiso ist Chiles bedeutendster Hafen. Es ist das Tor dieses schmalen Landstrichs westlich der Anden. Chile hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 4.300 Kilometern. Bis zur Eröffnung des Panamakanals mussten alle aus Europa oder Afrika kommenden Schiffe das Kap Hoorn umfahren. Jenem berüchtigten Kap, das in unzähligen Seemannsliedern respektvoll besungen wird. Eine kürzere Schifffahrtsstraße, um nach Valparaiso zu kommen, gab es nicht.

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts rückte Valparaiso ins Rampenlicht von Handelsinteressen. Insbesondere war Chile-Salpeter heiß begehrt. Und auch Guano, jener Vogelmist, der aus den Exkrementen von Seevögeln, Pinguinen oder Kormoranen an den kalkreichen Küsten Chiles entstand. Guano und Natursalpeter wurden als Düngemittel in der Landwirtschaft gebraucht. Gleichzeitig stellte man auch Sprengstoffe mit ihnen her. Um diese Kostbarkeiten zu laden, lief 1862 zum ersten Mal ein Segler der Flying P-Line der Reederei F. Laeisz Valparaiso an. Das Schifffahrtsunternehmen, das von einem Hutmacher gegründet worden ist, wurde wenig später Inbegriff für Kap-Hoorn-Reisen von Großseglern von und nach Chile.

Für Chile schien die Welt untergegangen zu sein, als am 11. September 1973 ein Militärputsch General Augusto Pinochet an die Macht katapultierte. Menschen wurden eingepfercht, gefoltert, heimlich umgebracht oder festgehalten. Heute wird Chile als Präsidialrepublik regiert. Wer durch Chile reist, begegnet freundlichen Menschen und die Chilenen haben sich mit dem Anbau von Wein bereits in kürzester Zeit weltweit einen Namen gemacht.

Die Leichtigkeit Valparaisos nimmt gefangen. Nicht umsonst sagt man, dies sei die schönste Stadt Chiles. Und doch: Hier leben die Menschen quasi in drangvoller Enge beieinander. Die Buntheit ihrer Lebensräume sind gleichwohl Ausdruck ihrer Fröhlichkeit, die man als Tourist spürt. Schmale, steile Gassen bestimmen das Bild und die Wände der meisten Häuser links und rechts werden von Graffitis verziert. Jeder Hügel für sich scheint ein Amphitheater zu sein. Wer sich seinen Platz ergattert hat, sitzt immer in der ersten Reihe. Valparaiso: Die Bonbonfarbene fragile Pracht auf den fünfundvierzig Hügeln hat nachhaltig meine Erinnerung besetzt.
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