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Interview mit Gunter Gabriel, einem richtigen Typen mit vielen S(a)eiten

Gunter Gabriel grüßt seine Fans
 
Gunter Gabriel gibt immer alles
Gunter Gabriel (66) trat am 26. April zur Eröffnung der Biergartensaison in der Bennigser Kneipe Müller’s auf. Vor seinem zweistündigen Konzert, das er mit drei weiteren Musikern als „Hartz-4-Team“ bestritt, besuchte ich den Sänger, Komponisten, Texter und Produzenten als freier Journalist für die Neue Deister-Zeitung (NDZ) in seinem weinroten Touren-Bully. Nachdem er die Sitzbänke neben einem installierten Tisch von schwarzen Cowboystiefeln und anderen Kleidungsstücken befreit hatte, saßen wir uns schnell am Tisch gegenüber. Gunter bot mir eine Zigarette an, die ich als Nichtraucher dankend ablehnte. Er öffnete aufmerksam ein Fenster, als er zu merken schien, dass mein Gesicht offensichtlich immer mehr die blaugraue Farbe des Rauches annahm, der hartnäckig im Raum stand. Mein zunächst respektvolles „Sie“ wurde nach Gunters gastfreundlicher und persönlicher Initiative schnell zum „Du“. Gunter Gabriel gilt als „rebellisch“ und „nicht kaputt zu kriegen“. Dass der „Kerl, ein ganzer Mann“ auch noch andere Seiten hat, deutet er im nachfolgenden Interview an:
 
Gunter, zunächst einmal vielen Dank für deinen Empfang.
Kein Problem - mach ich doch gerne.

Du wirkst so spontan und schwungvoll – wie alt bist du eigentlich?

66 Jahre. Und ich habe Spaß am Leben.
 
Ich habe gelesen, dass du fünf Jahre in Unsen bei Hameln, also ganz in der Nähe von Springe gelebt hast.
Stimmt, ich wohnte dort mit meinen Eltern und habe als 14-Jähriger mit meinem Fahrrad die ganze Gegend um Süntel und Deister erkundet. Das Springer Wisentgehege ist mir natürlich auch ein Begriff. Später habe ich in Hameln Schlosser gelernt.
 
Wo wohnst du heute?
Ich habe keinen festen Wohnsitz, sondern lebe auf einem 250 Quadratmeter großen Hausboot im Hamburger Hafen, wenn ich nicht gerade mit meinem Bus auf dem Weg zu einem Konzert bin. Ich bin gerne heimatlos. Häuser sind mir zu eng. Ich brauche die Natur.
 
Gibt es derzeit eine Frau in deinem Leben?
Nach meinen vier Ehen, aus denen drei Mädchen und ein Junge hervorgingen, war ich zuletzt zehn Jahre mit einer Spanierin zusammen, die ich noch immer liebe. Ich glaube allerdings, dass sie mich nicht mehr liebt. 
 
Woher kommt dein Hang, immer auf Achse sein zu müssen?
Mein Vater war bei der Bahn und so sind wir früher oft umgezogen. Vielleicht liegt es daran.
 
Gab es mal andere Zeiten?
Bis 1998 habe ich für 5000 DM Monatsmiete direkt an der Alster gewohnt. Die Leute haben sich da über den Krach aufgeregt, wenn ich neue Stücke eingeübt habe. Das Hausboot ist eine meiner besten Erfindungen.

 
Wie laufen deine privaten Engagements für einen Tausender Gage?
Die Idee entstand 2007 beim NDR bei einer Wette mit Eva Herman. Ich wollte beweisen, dass ich eine Möglichkeit finde, von meinen 500000 Euro Verbindlichkeiten wegzukommen. Mittlerweile hatte ich rund 350 Auftritte und bin voraussichtlich Ende dieses Jahres aus dem Gröbsten raus.

Ist dann Schluss mit den familiären Konzerten?

Nein. Diese Idee ist ebenfalls eine meiner besten Erfindungen. Ich werde sie bis an mein Lebensende verwirklichen.
 
Was sind deine nächsten beruflichen Ziele?
Im Rahmen der Wiederbelebung der alten Säcke wie Udo Lindenberg bringe auch ich in diesem Herbst ein neues Album heraus. Die Scheibe wird vom Produzenten von BAP produziert und damit etwas rockiger. Es handelt vom alten Sack, der weiß, was das Leben bedeutet. Zeitgleich veröffentliche ich ein Buch über meine Lebenserfahrungen mit dem Titel „Mein Pech war mein Glück“.

Auf wie viele Auftritte kommst du heute insgesamt pro Jahr?

Auf über 200, also viel mehr als zu meinen erfolgreichen Zeiten, in denen ich als Songschreiber für Juliane Werding, Frank Zander und viele andere Sänger zeitweise einen Song täglich produziert habe.
 
Bei welchen Veranstaltungen singst du am liebsten?
Ich mache da keinen Unterschied. Ob vor 20000 in Berlin zur Erhaltung des Flughafens Tempelhof oder gemütlich auf Zuruf in einer kleineren Kneipenrunde – alles hat seinen Scham. Grundsätzlich wünsche ich mir ein Publikum, das nicht nur mit den Ohren mitmacht, sondern auch mit der Zunge.

Hast du einen größten Wunsch?

Meine jüngste Tochter studiert zurzeit in Paris. Da möchte ich auch einmal leben.
 
Was bedeutet es dir, wenn deine Fans noch heute deine Hits von früher textsicher mitsingen?
Ich empfinde es als Anerkennung dafür, dass ich in meinem Leben mal was richtig gemacht habe.
 
Gunter, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Deine weitere Zukunft!
 
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3 Kommentare
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Ralf Mätzig aus Springe | 28.04.2008 | 05:15  
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Bianca Schulze aus Garbsen | 28.04.2008 | 17:27  
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Lars Klingenberg aus Lehrte | 05.11.2008 | 15:14  
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