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Biber aktuell

Seelze: apotheke | Biber leisten Beitrag im Kampf gegen Klimawandel

London - Auf einen überraschenden Verbündeten bei der Speicherung von Kohlenstoff (und damit im Kampf gegen den Klimawandel) weisen Forscher in den Geophysical Research Letters hin: Durch Biberdämme werden Wiesen überflutet, die so besonders viel Kohlenstoff speichern. (red, DER STANDARD, 20.7.2013)
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Wald: Freund Biber, besser als sein Ruf

Es ist ein lauer Sommerabend an einem kleinen Waldbach. Das gedämpfte Licht dringt durch Baumweiden am Bachufer. Wasserdost steht hoch am Ufersaum und riecht nach üppigem Grün. Wie von der Ferne hören wir Wasser rauschen. Ein Biberdamm auf Ästen und Stammteilen aufgetürmt, hat den Bach hier verbreitert. Das Wasser vor uns beginnt leicht zu wabern. Luftblasen steigen aus der Tiefe des Gewässers auf. Wie aus dem Nichts taucht er auf und gleitet lautlos durch das Wasser. Der Gestalter der Auen der Biber.
Aus eigener Kraft eingewandert bzw. wieder eingebürgert, kommen heute in nahezu allen Bundesländern wieder Biber, Burgen und Dämme vor. Doch im gleichen Maße wie Biber ihre alte Heimat wiederbesiedeln, sinkt die Akzeptanz für diesen Landschaftsgestal­ter. Obwohl nach Aussagen der Biberberater über 90 % der Biberlebensräume konfliktarm sind, führen die verbliebenen Problemfälle dazu, dass der Biber in der öffentlichen Meinung eine Wandlung von einem Sympathieträger zu einem "Schädling" durchlaufen hat.

Doch warum ist das so? In den Medien ist der Biber kaum eine Nachricht mehr wert, dazu gilt er als zu häufig. Informiert wird noch bei höheren Schäden. Dadurch sind Bibermel­dungen in den Medien nur negative Meldungen, die dieser heimischen Tierart den Bo­den der Akzeptanz entziehen und mit ihr vielen Naturschutzanstrengungen.
Dass Biberbestände dennoch nicht in den Himmel wachsen, dafür sorgt ihr Reviersy­stem. Ein Gebiet wird von nur einer Familie bewohnt und weitere Interessenten werden ferngehalten. Zunächst mit Duftmarken, zur Not aber auch mit den Schneidezähnen, die gefährliche Waffen sein können. Die Zahl der Biber in einem Gebiet kann daher über eine Kleinfamilie, die in der Regel aus den Eltern, zwei Halbwüchsigen und zwei kleinen jungen besteht, nicht hinauswachsen.
Anpassungsfähig ist unser größter Nager und flexibel. Dies beruht auf einer enormen Lern­fähigkeit. Obwohl die jungen, sehend und bepelzt geboren, echte Nestflüchter sind, bleiben sie zwei Jahre lang, um für das Leben zu lernen. Von den Eltern, die ein Leben lang zusammenbleiben, erfahren sie alles Not­wendige. Sie beteiligen die jungen am Burg­ und Dammbau, lehren ihnen, wie und was man am besten fällt.

Biber und Dämme
Biber brauchen Wasser. Daher sind ihrer Verbreitung enge Grenzen gesetzt. 90 % ihrer Streifzüge finden im Umkreis von weniger als 20 m Entfernung vom Ufer statt. Spricht man vom Biber, denkt man sofort an seine Dämme. Anders als der kanadische Biber errichtet der europäische aber seine Stauwerke nur unter besonderen Umweltsituationen. Zu niedriger oder stark schwankender Wasserstand kann ebenso ein Grund sein, wie der Rückgang seiner Lieblingsnahrung am Ge­wässerrand. Der Schwerpunkt seiner Bauaktivität liegt dabei im Herbst, in der Zeit, in der die Biber ihren Wintervorrat anlegen. Bestände mit Pappeln oder Weiden werden dann im Spätsommer bzw. Herbst gezielt aufgestaut. Dabei sind Biber in der Lage, ganze Bäche in ihre Nahrungsbestände umzuleiten oder Verbindungskanäle zu graben. Mit Hilfe des Dammes, erschließen sie sich also völlig neue Lebens bzw. Nahrungsräume. Die Stammteile der gefällten Bäume werden dann ohne größere Anstrengungen, praktisch schwerelos über Wasser zur Burg transportiert. Dabei scheinen die Biber die Geländeverhältnisse genau zu kennen. Die Dämme liegen in der Regel an Plätzen, in denen sie mit geringem Aufwand die größte Wirkung entfalten.

Wo Biber Dämme bauen und aktiv ihren Lebensraum gestalten, kehrt das Wasser und die Dynamik wieder in unsere Landschaft zurück, erodiert und landet auf, gestaltet um und schafft dabei neue Strukturen. Je nach Geländesituation werden wenige Quadratmeter bis hin zu einigen Hektaren flach überstaut. Seggenrieder stellen sich ein, in die bald die Wasserralle einwandert. Zahllose gebänderte Prachtlibellen tanzen entlang des Biberbachs, deren Larven sind gleichzeitig wichtige Eiweißquellen für Zwergtaucher und Barbe. Wo Schilf entsteht, stellen sich Rohrammer und Teichrohrsänger ein. Durch den Überstau sterben einzelne Weiden ab. Genau auf diesen absterbenden Bäumen stellt sich der Scharlachkäfer ein. Eine nach der europäischen FFH-Richtlinie besonders geschützte Käferart, die massiv von der Aktivität des Bibers profitiert. Die gleichen Weiden dienen dem Klein- und Buntspecht zur Nahrungssuche nach verschiedenen Käferlarven. Wird ihr Holz anbrüchiger, entstehen bald Specht‑ oder Faulhöhlen. Vor diesen jagt der Halsbandschnäpper im freien Luftraum über dem Biberteich nach Fluginsekten, die aus den produktiven Wasserflächen geschlüpft sind. Bricht nun das vom Biber geschaffene Todholz zusammen, entstehen neue Verstecke für Jungfische, ebenso wie wichtige Laichplätze. Das sich zersetzende Todholz bildet dann wieder die Nahrungsgrundlage für Algenrasen, die von Insektenlarven abgeweidet werden. Der Biber ist so mit seinem Netzwerk an Dämmen und seinem aktiven Todholzmanagement ein Motor für die Aue, dessen "Nutzen" nicht seriös mit seinem "Schaden" aufgerechnet werden kann. Zahlreiche Fischarten leben jedenfalls dort, wo der Biber den Bach mit seinem Damm aufgeweitet hat und lassen den Eisvogel folgen und später vielleicht sogar den Schwarzstorch und den Fischotter. Doch nicht nur lebendige Bäche kann der Biber schaffen.
Untersuchungen der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in den Isarauen bei Freising ergaben, dass ein einziger Biberdamm über 8 Millionen Liter Wasser speicherte. Nachdem der Damm zerstört war, dauerte es 13 Monate, bis der Bach wieder eine normale Schüttung aufwies. Wasser, das so gespeichert ist, lässt Flüsse nicht ansteigen und überflutet keine Dörfer und Städte.

Ein Beispiel soll diese enorme Größenordnung dieser Zahlen noch verdeutlichen: Im gesamten alten Nationalpark Bayerischer Wald wird im Laufe eines ganzen Winters gerade einmal die Menge von 10 Mio. Liter Wasser als Schnee gespeichert.
Der Biber kann also auch einen enormen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten, geben wir ihm also ein wenig Raum entlang unserer Flüsse und Bäche und etwas Toleranz in unserem Wertesystem. so

PROF. DR. VOLKER ZAHNER
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