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Seelze | Was gibt es zu erzählen über diese Stadt...

 
Das Obentrautdenkmal
Bereits im Jahr 1031 wurde Seelze, in einer Fußnote im Calenberger Urkundenbuch, als Gerichtsplatz erwähnt. [Danke an Norbert Saul, Stadtarchivar - er nannte mir die richtigen Daten]. Die erste Pfarrkirche der Gemeinde wurde im 11. Jahrhundert im Dorf Wunstorf erbaut. Das älteste sakrale Gebäude im Ortskern Seelze ist die spätgotische Basilika aus dem Jahr 1238. Die Seelzer Kirche hatte immer eine Zentralfunktion für die umliegenden Dörfer. Eine besondere Rarität ist der Taufengel in der barocken Dreieinigkeitskirche im Ortsteil Kirchwehren.

Zu den Sehenswürdigkeiten von Seelze gehört auch das Obentraut-Denkmal. Diese Gedenkstätte besteht aus einer sechs Meter hohen Steinpyramide, die der hannoversche Künstler Jeremias Stutel im 17. Jahrhundert schuf. Das Denkmal erinnert an den Reitergeneral Hans-Michael Elias von Obentraut, der während des Dreißigjährigen Krieges an dieser Stelle in einer Schlacht tödlich verwundet wurde. Dieser General, der auf der Seite der Evangelischen Union gegen Tillys Truppen kämpfte, soll sich in einen ungleichen Kampf bei Seelze gestürzt haben, um seine Männer zu unterstützen. Obentrauts Einheit war mit 700 Soldaten den 10.000 Mann von Tillys Heer rettungslos unterlegen.

Ein verheerender Großbrand vernichtete im Sommer 1755 mehr als das halbe Dorf Seelze und seine Kirche. Die Hitzeentwicklung dieses Feuers soll so groß gewesen sein, dass die Glocken im Kirchturm geschmolzen sind.

„Stadt“ Seelze: Da denkt man an mittelalterliche Urkunden auf brüchigem Pergament, an ledergebundene Bürgerverzeichnisse, Zunftordnungen und dergleichen mehr. – Nichts davon in Seelze. Denn die Bezeichnung „Stadt“ ist eine noch junge Seelzer Errungenschaft; erst seit 1977 darf sich die drei Jahre zuvor aus elf Dörfern gebildete Großgemeinde so nennen.
- Almhorst, Dedensen, Döteberg, Gümmer, Harenberg, Kirchwehren, Lathwehren (mit dem Gut Dunau), Letter, Lohnde, Seelze, Velber. -
Elf Dörfer, an der westlichen Stadtgrenze Hannovers, mit vielen Gemeinsamkeiten in Geschichte und Gegenwart, doch auch mit manchem, was sie unterscheidet. Allesamt waren sie vom Mittelalter bis Anfang des 20. Jahrhunderts kleine Bauerndörfer, die Bevölkerung (um 1900 etwa 5.000 Menschen) lebte von der Landwirtschaft und ländlichem Handwerk. Die Weichen für einen gravierenden Strukturwandel sind 1847 gestellt worden. In jenem Jahr wurde die Eisenbahn von Hannover nach Minden eröffnet – und das Dorf Seelze erhielt die einzige Haltestelle zwischen Hannover „Centralbahnhof“ und Wunstorf, der nächsten Kleinstadt in Richtung Westen. Schon bald siedelten sich in Seelze und den Nachbardörfern Handwerker an. Anfang des 20. Jahrhunderts hielt auch die Industrie Einzug und schuf Hunderte von Arbeitsplätzen.

Dieser drastische Wandel, mit einem rasanten Anstieg der Einwohnerzahlen, blieb weitgehend auf Seelze und Letter beschränkt. Hier wurde 1909 auch einer der größten deutschen Rangierbahnhöfe in Betrieb genommen. 1916 entstand der hiesige Abschnitt des Mittellandkanals, der zusammen mit dem Zweigkanal zum Lindener Hafen (Hannover) das Erscheinungsbild Seelzes entscheidend mit prägt. Die Stadt Seelze hat heute über 34.000 EinwohnerInnen. Eisenbahn, Kanal und die Bundesstraße 441 durchlaufen das Stadtgebiet als gebündelte Lebensadern in Ost-West-Richtung und berühren fünf von elf Seelzer Stadtteilen. Diese fünf beherbergen auf einem Drittel der Seelzer Fläche rund 80 Prozent der Gesamtbevölkerung, wobei sich das frühere Dorf Seelze immer mehr zu einem echten Zentrum entwickelt. Die sechs weiter südlich gelegenen Dörfer konnten zumindest optisch ihren ländlichdörflichen Charakter großenteils bewahren, wenngleich der allgemeine Strukturwandel natürlich auch hier seine Spuren hinterlassen hat. Geblieben aber sind liebevoll renovierte alte Fachwerkhäuser, eingebettet in eine abwechslungsreiche Landschaft, die zum Wandern und Radfahren einlädt.
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2 Kommentare
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Evelyn Werner aus Seelze | 22.01.2009 | 10:49  
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Clemens Wlokas aus Springe | 14.02.2009 | 13:13  
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