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Erinnerungen an Romano Guardini - Spurensuche auf Burg Rothenfels

Romano-Guardini-Gedenktafel in der Burgkapelle
 
Vor dem feierlichen Sonntagsgottesdienst am 11. März 2018
Rothenfels: Burg Rothenfels | Romano Guardini gilt als einer der bedeutenden Lebens-, Kultur- und Religionsphilosophen des 20. Jahrhunderts. Als geistlicher Erzieher, spiritueller Lehrer, Professor für Religionsphilosophie und Christliche Weltanschauung hat er das europäische Geistesleben bewegt. Er lebte in der Zeit von 1885 - 1968.

In Verona / Italien geboren, in Mainz aufgewachsen nahm er 1911 die deutsche Staatsbürgerschaft an. Romano Guardini verstand sich als Europäer und erhielt unter anderen hohen Auszeichnungen den "Erasmus-Preis" für außerordentliche Verdienste um die europäische Kultur (1962). Mit der Jährung seines 100. Geburtstages 1985 wurde er als "Jahrhundertgeschenk" bezeichnet.*

In der 1920er und 1930er Jahren war Romano Guardini führende Gestalt der Jugend, Kultur- und Liturgiebewegung auf Burg Rothenfels. Zu Ostern 1920 kam er erstmals auf die Burg.
Seine gesellschafts- und kulturkritischen Aussagen in den 1950er und 1960er Jahren lassen ihn als einen der fortschrittlichsten Denker der Nachkriegszeit gelten.
Die Frauenbewegung darf ihn zu ihren Förderern zählen. Als Student war er Mitglied im "Deutschen Frauenbund". Er pflegte den Kontakt zu Gertrud Bäumer, der Mitbegründerin und Leiterin des Sozialpädagogischen Instituts in Hamburg.
Bildung ist seinem Verständnis nach ein Vorgang des gemeinsamen Suchens und nicht ein Verkünden von vorgegebenen Gewissheiten. Die in seinem Werk enthaltenen politischen Implikationen machen die Auseinandersetzung für die Erwachsenenbildung und Sozialpädagogik beachtenswert.
Schon sehr frühzeitig hat Romano Guardini Probleme erfasst, die Menschen heute bedrängen. Sein Werk gehört offenbar einem zukunftsweisenden Denken und Handeln an, in dem Kulturelles, Politisches, Ethisches und Religiöses unauflösbar miteinander verbunden sind. Für Menschen unserer Zeit als Personen im Spannungsfeld von Individualität und Gesellschaft hat sein Werk weiterhin Bedeutung, vor allem in den Fragestellungen: Was bedeutet "Freiheit", "Autonomie", "Macht", "Friede", "Wahrheit".
Der Mensch als Person im Wandel der Werte auf der Suche nach sich selbst steht im Zentrum seines Denkens. Im Begriff der "Person" übersteigt der Mensch "Gestalt", "Individuum", "Persönlichkeit". "Person" ist bei Romano Guardini die höchste Sinnstufe. Die Personalität des Menschen bedeutet ein Verhältnis von "relativer Autonomie" und gleichzeitig in der Bindung an Gott die höchste Möglichkeit der Freiheit. Als Person ist der Mensch eingespannt in "Sein und Werden" - in der Selbstüberschreitung nach Innen (Immanenz) und nach Oben (Transzendenz).
"Sei der (Mensch,) der du bist und wachse voran, damit du werdest, der du sein sollst" - nach meinem Verständnis einer der Kernsätze von Romano Guardini zur Selbstbildung.
In der Spannung von "vita activa" und "vita contemplativa" - in der Spannung von aktivem Leben und beschaulich kontemplativem Leben soll der Mensch zu sich selbst, zur Gemeinschaft mit anderen Menschen und zu Gott finden.
Auf diese Weise wird eine person-orientierte Lebenshaltung geübt. Diese hat zum Ziel: Sich selbst und andere Menschen in ihrem Sosein und Dasein annehmen - Frieden mit sich selbst und Frieden mit anderen Menschen schaffen (KM).

Auf Burg Rothenfels fand vom 9. bis 11.03.2018 das Frühlingstreffen für Freunde der Burg statt mit Referaten von Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz zum Leben und Werk Romano Guardinis. Die Tagung zeigte, dass auf der Burg sein Werk weiterhin gewürdigt und wertgeschätzt wird.
Seine Verdienste für Europa werden voraussichtlich noch mehr an Bedeutung gewinnen. 
Seit 2016 läuft der Prozess zur Seligsprechung von Romano Guardini.
Am 1. Oktober 2018 jährt sich sein 50. Todestag.
Lang ist die Liste zur Primär- und Sekundärliteratur, die im Internet recherchierbar ist.

Kirsten Mauss


* In: Hanna-Barbara Gerl: Anfechtung und Treue. Romano Guardinis geistige Gestalt in ihrer heutigen Bedeutung. Vortrag beim "Tag der Lehrer und Erzieher", veranstaltet vom Schulreferat und Schulwerk der Diözese Augsburg. Herausgegeben von der Pädagogischen Stiftung Cassianeum in Donauwörth 1. Aufl. Donauwörth 1989. S. 5.

Siehe auch: Manfred Hermanns: Gedenken an Romano Guardini auf Burg Rothenfels 
https://www.myheimat.de/rothenfels/kultur/gedenken...


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6 Kommentare
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Erika Bf aus Neusäß | 06.04.2018 | 18:57  
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Manfred Hermanns aus Hamburg | 06.04.2018 | 21:51  
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Kirsten Mauss aus Hamburg | 09.04.2018 | 22:00  
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Kirsten Mauss aus Hamburg | 09.04.2018 | 22:32  
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Roswitha Bute aus Soltau | 10.04.2018 | 07:55  
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Kirsten Mauss aus Hamburg | 10.04.2018 | 10:07  
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