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Schätze aus dem Peiner Kreismuseum

Die alte Peiner Löwen-Drogerie aus der Braunschweiger Straße



Ein im wahrsten Sinne des Wortes „großer Coup“ gelang vor wenigen Jahren Museumsleiterin Dr. Ulrika Evers und ihrem Team mit der „Rettung“ einer alten Peiner Drogerie. Das bunte Ensemble im Peiner Kreismuseum stellt nicht nur Peiner Lokalgeschichte dar, es vermittelt, direkt installiert neben dem sogenannten „Konsum“ aus Stederdorf, den jüngeren Besuchern ein Stück sterbender Einkaufs-Kultur, die man heutzutage allenfalls noch aus kleinen Dorf-Bäckereien oder Apotheken kennt, in denen die Produkt-Abgabe noch durch Personal hinterm Tresen üblich ist.
Im August 2012 ist die Löwendrogerie Wilhelm Wagener von der Braunschweiger Straße 19 ins Kreismuseum Peine umgezogen. Der Ab- und Aufbau dauerte ca. 14 Tage, denn umfangreiche Restaurierungsarbeiten waren für die Möbel nötig, und die gefühlten 10.000 Einzelteile mussten vom „Peiner-Peek“ gesäubert werden. Denn das Geschäft florierte besonders zu Zeiten, als die Endstation der Peine-Ilseder-Eisenbahn an der Braunschweiger Straße lag, genau gegenüber der Drogerie, was Spuren hinterließ.
Seit 2004 war die Drogerie bereits geschlossen, als die letzte Chefin Bertha Wagener (geb. 1912) aus Altersgründen aufhörte. Das Haus, in dem sich die Drogerie befand, stammt von 1896, und sehr wahrscheinlich stammt auch aus dieser Zeit die älteste Ladeneinrichtung. 1929 hatte Berthas Ehemann Wilhelm Wagener die Drogerie von einem Herrn Westphal übernommen.

Besonders beeindruckend sind die zahlreichen Drogen-Gefäße aus Porzellan und Glas. Evers erinnert sich: „Die Sichtungsarbeit glich einer Zeitreise. Die vielen Schubladen haben noch Porzellan-Schildchen, auf denen Kräuter- und „Drogen“-Namen stehen, die beim Aufräumen auch noch darin waren. Der Giftschrank ist natürlich entschärft!“
Die vielen Aufkleber im Originalschränkchen links zeigen, dass die Wageners etliche Substanzen noch selbst abfüllten. Beide Nachkommen lernten ebenfalls den Beruf des Drogisten, aber die Drogerie allein konnte sie später nicht mehr ernähren.
„Immer wieder kamen wunderbare Fundstücke zutage“, schwärmt die Museumsleiterin: „Dias, die Kinowerbung für die Löwendrogerie in den Peiner Lichtspielhäusern machen sollten, Verbandsmaterial aus dem 2. Weltkrieg, Mittel aus den 1920er Jahren oder die extra Petticoat-Stärke der 1950er. Herausragend auch die Sonnenbrillen der 1950er und 1970er Jahre und sogar die erste Fertig-Babynahrung der 1930er Jahre!“

Man sollte sich bewusst machen, dass es seit 2004 keine inhabergeführten Drogerie in Peine mehr gibt, sondern nur noch SB-Drogerie-Supermärkte, wo persönliche Ansprache wie bei Bertha Wagener nicht eingeplant ist. Bis zuletzt kamen zu ihr nämlich noch ihre treuen Kunden, die nun im Museum bei der Besichtigung immer wieder Erinnerungen an sie und die Drogerie herauskramen können und als Zeitzeugen fungieren.
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Francis Bee aus Hannover-Südstadt | 21.12.2016 | 21:27  
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