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Ich mag sie - Sie etwa nicht?

  sie erinnern mich an längst vergangene Kindertage, an die Entdeckungen im feuchten, sandigen Gras zwischen Salat und Erdbeeren. Sie erinnern mich an den Ekel der Erwachsenen und an das erstaunte Unverständnis von uns Kindern.

Wir fanden alles interessant was da kroch, krabbelte, flutschte, sich versteckte und wieder zusammenrollte. Wir sammelten in unseren Hosentaschen, in den zusammengeknoteten Schürzenzipfeln, den Rocktaschen, in leeren Streichholzschachteln, oder auch in unseren vor Aufregung schweißnassen Fäusten - und trugen sie als ganz besonderen Schatz in unsere Zimmerecke. Es sollte ja niemand merken und entdecken. Das gehörte jetzt ganz alleine uns, den Kindern von damals. Wir kannten keinen Fernseher, kein Internet, kein Auto, auch kein Telefon. Wir waren stolz auf unseren braunen Schulranzen, auf die Schiefertafel, den baumelnden Lappen und den feuchten Schwamm. Das dünne Buch, der Griffelkasten, die Malkreide, alles war leicht und locker zu tragen. Mittendrin trockneten wir die zackigen Blätter, die der Wind von den Bäumen wehte.

Die Natur und alles was da so krabbelte und sich bewegte, alles weckte in uns die Neugier und ließ uns staunend verstummen und beobachten. Mal waren es die Regenwürmer, dann die Maikäfer und nach langen Regentagen entdeckten wir die Schnecken. Die kleinen glitschigen Gesellen mit ihren langen Fühlern und ihrem Häuschen auf dem Rücken. Vorsichtig hoben wir sie aus dem Blumenbeet, und schon verkrochen sie sich wieder in ihrem Haus. Wie praktisch, wie schlau sie sind.

Inzwischen bin ich erwachsen, sehr erwachsen, beinahe alt. Mein Garten ist mein Hobby, die Natur und alles was in ihr „kreucht und fleucht“, eigentlich alles was in ihr kriecht und auch fliegt.

Heute war wieder mal so ein Tag. Gartentag mit schneiden, schnippeln, hacken und zupfen. Meine Kamera war wie immer mit mir. Neben mir vergnügten sich DREI Weinbergschnecken und zogen mich in ihren Bann, genauso wie damals in meiner Kindheit. Damals hatte ich Zeit – und heute habe ich wieder Zeit, sehr viel Zeit.

Sie müssen verzeihen, aber das Liebesgeflüster mit dem stundenlangen Vorspiel und das beinahe kampfähnliche Liebeskarussell – immer wieder habe ich auf den Auslöser gedrückt.

Nicht dass Sie jetzt glauben ich hätte den ganzen Tag den Voyeur gespielt, nein – nein. Zwischendurch bin ich geradelt, auf den Daniel gestiegen, habe eingekauft – und die drei waren noch immer nicht fertig.
Wie schon gesagt, es dauerte Stunden, viele Stunden, den ganzen Tag – und heute liegen sie zusammengerollt zwischen feuchten Blumenbeeten und träumen sicher von ihrem wundervollen Liebeserlebnis.

Hätten Sie`s gewusst? Das Paarungsvorspiel der Weinbergschnecke ist sehr interessant zu beobachten: Beide Schnecken beginnen, sich mit aneinander gelegten Fußsohlen aufzurichten und sich gegenseitig mit Lippen und Fühlern zu betasten, während sie sich sanft hin und her wiegen.

Als Vorspiel zur eigentlichen Paarung kann dieses Liebesspiel mit zunehmender sexueller Erregung der Schnecken allein bis zu 20 Stunden andauern. Die eigentliche Begattung nimmt im Vergleich dazu später einen viel geringeren Anteil der Zeit ein.
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