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Unger vor Europadebüt: „Wir haben keinen Druck”

Marburgs Trainer Patrick Unger freut sich auf das erste Europapokal-Spiel seiner Karriere. Foto: Melanie Weiershäuser
Europapokal CEWL: SBŠ Ostrava – BC Pharmaserv Marburg (Mittwoch, 17.30 Uhr, Hala Tatran).

Am Dienstagvormittag gibt's gemeinsames Videostudium, um 14.35 Uhr sitzen sie im Flieger. Der BC Marburg setzt seine Europapokal-Geschichte nach 14 Jahren fort. Am Mittwoch gastiert der Fünfte der Planet-Photo-DBBL beim Tabellenvorletzten der „Ženská basketbalová liga”.

Per Direktflug ab Frankfurt geht es für das Pharmaserv-Team nach Krakau in Polen. Von dort aus mit zwei gemieteten Kleinbussen etwa anderthalb Stunden nach Ostrava. Nicht eingreifen können wird Alex Wilke. Die Aufbauspielerin hatte schon am Samstag im Bundesligaspiel gegen Bad Aibling (93:79) nur auf der Bank gesessen. Ihre Verletzung hat sich als doppelter Bänderriss herausgestellt. Mindestens zwei Wochen wird die 21-Jährige nur zuschauen dürfen.

Nach 2003 hat der BC wieder für einen europäischen Wettbewerb gemeldet. Damals war Schluss in der Vorrunde, nach sechs Niederlagen aus sechs Spielen gegen die Vertretungen aus Šibenik (Kroatien), Szeged (Ungarn) sowie Košice (Slowakei). Auch vor 20 Jahren gab es in der Gruppenphase nur auf die Mütze, je zwei Mal gegen Košice und Prag. Der BC hat auf europäischem Parkett – Testspiele ausgenommen – also noch nie gewonnen.

Das letzte Erfolgserlebnis einer Marburger Mannschaft im Europapokal datiert vom 6. Oktober 1993. Als Pokalfinalist für den Ronchetti-Cup qualifiziert, besiegte damals der VfL Marburg, der später die Erstliga-Lizenz auf den BC übertrug, den luxemburgischen Vertreter BBC Sparta Bertrange in eigener Halle mit 81:48. Durch den Hinspielerfolg (76:51) erreichten die Lahnstädterinnen die nächste Runde. Dort gab es allerdings gegen BEX Argentaria Madrid zwei deftige Niederlagen.

Für die Teilnahme an der Central Europe Women League (CEWL) müssen sich die Mannschaften nicht durch eine besondere Platzierung in den nationalen Ligen qualifizieren. So kommt es, dass ein rumänischer Aufsteiger mitmischt. Das stört BC-Trainer Patrick Unger allerdings nicht. „Jedes Spiel auf internationaler Ebene bringt uns weiter“, sagt der 34-Jährige. „Es ist ein erster Schritt von vielen weiteren.“ Auch der TSV Wasserburg, inzwischen gemeinsam mit Vizemeister Keltern im Fiba-Eurocup unterwegs, fing einmal klein an und trat vor einigen Jahren als Deutscher Meister in der CEWL an.

Marburgs erster Gegner in diesem Wettbewerb, Sportovní Basketbalová Škola Ostrava, wurde in der abgelaufenen Saison in der ersten tschechischen Liga Neunter von zwölf Mannschaften. Ostrava, früher Ostrau in Mähren, liegt an der Nordostgrenze der Tschechischen Republik, nahe zu Polen und der Slowakei. Nach Einwohnerzahl (292.000) und Fläche (214 Quadratkilometer) ist die Stadt an der Oder die drittgrößte des Landes. Die einfache Fahrtstrecke von Marburg aus beträgt etwa 915 Kilometer.

Gespielt wird in zwei Gruppen im Modus Jeder-gegen-jeden, mit Hin- und Rückspiel. Die jeweils Erst- und Zweitplatzierten der Gruppen qualifizieren sich für das Final-Four am ersten März-Wochenende. Arad bestreitet seine Heimspiele gegen Marburg und Ostrava beim Gegner, da die Meldung zu spät erfolgte.


Fünf Fragen an BC-Trainer Patrick Unger:

Was erwartest du von deinem ersten Europapokal-Spiel?
Patrick: Ich erwarte gar nichts, weder, dass wir gewinnen, noch, dass wir verlieren. Wir haben keinen Druck. Ich freue mich einfach nur auf hartes, gutes internationales Spiel.

Du hast als Co-Trainer der Nationalmannschaft und als U20-Bundestrainer ein bisschen internationale Erfahrung. Hilft dir das?
Patrick: Ich würde mich jetzt nicht als alten Hasen auf internationalem Parkett bezeichnen. Mit dem Verein ist es auch etwas ganz anderes als mit den Auswahl-Teams. Du arbeitest seit Wochen, mit einigen Spielerinnen seit Jahren zusammen. Eine gewisse Nervosität gehört dazu, aber wir wollen einfach kühlen Kopf bewahren.

Der Gegner hat nach fünf Niederlagen erst am Montag sein erstes Ligaspiel gewonnen. Wie schätzt du das ein?
Patrick: Die tschechische Liga ist wohl schon ein bisschen besser als die deutsche. Wenn du dein erstes Spiel gewinnst, fällt dir ein Stein vom Herzen und du spielst befreiter auf. Die werden extrem motiviert reingehen und gerade in eigener Halle zeigen wollen, dass sie besser sind, als sie in der Tabelle stehen.

Wie bereitet ihr euch auf den Gegner vor?
Patrick: Auf Webseite www.tvcom.cz sind die Videos der Ligaspiele zu sehen. Daran orientieren wir uns. Was ich gesehen habe, sind sie ein wildes Team. Die spielen viel Eins-gegen-eins. Das liegt uns nicht. Aber es ist ja spannend, verschiedene Spielstile zu sehen. Da müssen wir uns noch mehr auf die Defense konzentrieren. Das wird uns für die Liga besser machen.

Gegen eine Spielerin von Ostrava habt ihr schon mal gespielt: D'Asia Chambers lief voriges Jahr für Rotenburg/Scheeßel auf. Ist das ein Vorteil für euch?
Patrick: Vielleicht ein kleiner. Aber wir haben schlecht gegen sie ausgesehen: Sie hat 23 Punkte gegen uns gemacht. Aber Ostrava hat auch andere gute Spielerinnen, die wahrscheinlich im Europapokal noch ein bisschen mehr Gas geben werden.


Spieltermine:
Mittwoch, 18.10.2017, 17.30 Uhr, auswärts bei SBŠ Ostrava (Tschechien)
Mittwoch, 25.10.2017, 20 Uhr, Heimspiel gegen CSM Satu Mare (Rumänien)
Mittwoch, 06.12.2017, 20 Uhr, Heimspiel gegen SBŠ Ostrava
Dienstag, 12.12.2017, auswärts bei CSM Satu Mare
Dienstag, 30.01.2018, 20 Uhr, 1. Heimspiel gegen FFC ICIM Arad (Rumänien)
Donnerstag, 01.02.2018, 20 Uhr, 2. Heimspiel gegen FFC ICIM Arad.
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