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Temperaturschock unter der Feuerkuppel

In den Auszeiten gab es auf Marburger Seite viel Redebedarf.
Planet-Photo-DBBL: Fireballs Bad Aibling – BC Pharmaserv Marburg 67:61.

Mit einer Niederlage traten Marburgs Erstliga-Basketballerinnen den längsten Heimweg der Saison an. Nach gutem Auftaktabschnitt (23:18) und einem fast ausgeglichenen zweiten Viertel (13:15) verloren die Hessinnen nach dem Seitenwechsel den Faden. Und doch hätte alles gut werdem können. Das ist vielleicht das Positive. Mit neun Siegen aus 16 Spielen rutscht der BC hinter den punktgleichen Herner TC auf Platz fünf ab.

In den ersten beiden Durchgängen ging Marburgs Taktik auf. „Macht das zu eurem Heimspiel und haltet das Publikum ruhig“, hatte BC-Trainer Patrick Unger seinen Schützlingen mit auf den Weg gegeben. Das funktionierte. Die ohnehin schon frostige Temperatur im so genannten „Firedome“ und der gute Marburger Start (21:14, 9. Minute) heizten die Stimmung der rund 600 Zuschauer nicht gerade an. Nur den elf BC-Anhängern wurde es warm uns Herz.

Nach starken Abschlüssen von Svenja Greunke und Finja Schaake ging es immerhin mit 36:33 in die Kabine. Doch danach fielen die Würfe nicht, dafür die bis dahin traumhafte Trefferquote von 50 Prozent in den Keller: Nicht einmal jeder vierte Versuch des Pharmaserv-Teams fand nach der Halbzeitpause sein Ziel. Fehlende Konzentration beim Korbleger und ein zitterndes Händchen von außen waren wenig hilfreich. Ebenso wenig die Foulprobleme von Katie Yohn und, dass Tonisha Baker mit dem lädierten Fuß umknickte.

Bad Aibling dagegen drehte in der Defense auf. Das brachte den BC in Zeitnot, den Fireballs Ballgewinne, manchmal auch beides. Allein Cyrielle Recoura sammelte im dritten Durchgang 12 der 20 Aiblinger Punkte, ob von außen oder nach Fastbreak. Beim 47:45 lagen die Lahnstädterinnen letztmals vorn (28.). Und die Fans der Firegirls tauten auf. Die Feuerkuppel machte ihrem Name nun alle Ehre.

Beim 62:52 (34.) führten die Oberbayerinnen erstmals zweistellig. Nun entdeckten die Gäste ihren Kampfgeist wieder und Greunke führte mit neun Zählern ihre Farben wieder in Reichweite: 61:64. Eine halbe Minute vor Schluss gelang Marburg ein Ballgewinn. Die Verlängerung schien möglich. Schien! Der Ball wurde unterm gegnerischen Korb verdaddelt, die Chance aufs Happy End verschenkt. Das wäre bei einem Rebound-Verhältnis von 14:23 in den zweiten 20 Minuten vielleicht auch zu glücklich gewesen.


Patrick Unger (Trainer Marburg):
„Vor allem im dritten und vierten Viertel haben wir uns von unseren Fehlern runterziehen lassen. Wir haben offene Würfe nicht getroffen und doofe Turnovers gemacht. Bad Aibling hat nichts Überraschendes gemacht. Solange wir uns an unseren Game-Plan gehalten haben, lief es gut. Dann vergessen wir die Basics, von denen man verlangen kann, dass sie am 16. Spieltag sitzen. Zu Hause funktioniert das, auswärts leider nicht. Trotz unserer Schwächen im Rebound dachte ich, wir gewinnen noch, bis wir uns diesen letzten Ballverlust geleistet haben. Das müssen wir nächste Woche bessermachen.“

Svenja Greunke (Spielerin Marburg):
„Wir haben nie in unseren Rhythmus gefunden und nicht an dem festgehalten, was wir uns vorgenommen haben. Zu Hause schaffen wir es, auch bei Rückstand auf unser Spiel zu vertrauen, als Team weiterzuspielen und mit viel Energie zurückzukommen. Heute hat sich ein Zwei-Punkte-Rückstand höher angefühlt. Und wenn man sich verunsichern lässt, wirft man auch mit weniger Vertrauen in den eigenen Wurf, auch wenn der offen und die 100 Prozent richtige Entscheidung ist.“

Oliver Schmid (Trainer Bad Aibling):
„Außer mit dem ersten Viertel bin ich zufrieden. Wir wussten, dass es nicht einfach wird. Marburg hat ein tolles Team, das gut eingestellt ist. Wir mussten uns über die Verteidigung ins Spiel zurückkämpfen und es ist unsere Mentalität, das bis zum Schluss durchzuziehen. Wir haben nicht den einen Star, auf den wir uns immer verlassen können. Bei uns ist jede mal dran. Heute ist Cyrielle Recoura in die Bresche gesprungen. Aber vier weitere haben neun oder mehr Punkte, das macht uns schwer auszurechnen. Die zwei Punkte tun uns sehr gut.“


Fun Fact: Auch im gewonnenen Hinspiel war Svenja Greunke (diesmal 25 Punkte) Marburgs erfolgreichste Punktesammlerin (16).

Fail Facts: Erste Niederlage überhaupt gegen Bad Aibling (4-1). – 250. Niederlage in der Bundesliga-Hauptrunde seit dem Wiederaufstieg 1992.


Statistik
Viertel: 18:23, 15:13, 20:12, 14:13.
Bad Aibling: Bradaric 9 Punkte (7 Rebounds, 6 Assists), Forde 11 (6 Reb.), Höötmann 4, Kancevic (n.e.), Pölder, Recoura 22/3 Dreier, Schnorr 9/1 (6 Reb., 4 Ass.), Sherbert 12/2 (11 Reb.).
Feldwurfquote 42 Prozent (25/60), Freiwq. 73 (11/15), Reb. 38 (def. 28), Turnovers 18, Assists 14, Steals 8, Blocks 3, Fouls 16.
Marburg: Baker 6 (4 Ass.), Bradley 3/1 (5 Reb.), Greunke 25/2 (5 Reb., 3 Ass., 4 St.), Köppl 2, Schaake 10, Voynova 6 (5 Reb., 3 Ass.), Wilke, Winterhoff, Yohn 9/2. Feldwq. 35 (23/65), Freiwq. 63 (10/16), Reb. 25 (d. 16), TO 12, Ass. 13, St. 10, Bl. 4, F. 21.
SR: Dr. Markus Aichele, Marco Kapitz. Z: 600.
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