Anzeige

Heimsieg gegen Nördlingen

Alex Kiss-Rusk war im Heimspiel gegen Nördlingen erfolgreichste Marburger Punkte- und Reboundsammlerin.
Dankbar fürs Nachsitzen

Damen-Basketball-Bundesliga: BC Pharmaserv Marburg – Xcyde Angels Nördlingen 104:99 n.V. (88:88).

Hart musste das Pharmaserv-Team für seinen achten Sieg im achten Bundesliga-Spiel kämpfen und brauchte dazu gar die Verlängerung. Der Tabellenführer führte in der regulären Spielzeit nur knapp vier Minuten lang, die Gäste aus Nördlingen die restlichen 36 Minuten. Alex Kiss-Rusk erzielte für Marburg die meisten Punkte (23).

Wenn der ungeschlagene Tabellenführer ein ersatzgeschwächtes Team aus dem Mittefeld empfängt, sind die Vorzeichen klar. Die Ausfälle von Samantha Hill und Heta Aijänen wiegen zu schwer, als dass die Gäste aus dem Ries in Marburg etwas reißen könnten.

Was aber die glorreichen sieben aus Nördlingen ablieferten war beeindruckend. Mit Energie, Leidenschaft und Spielwitz verlangten sie den Hessinnen alles ab. Der BC glich ein 20:30 binnen drei Minuten zum 30:30 aus (16. Minute), lief dann aber bis zur 23. Minute (44:44) wieder nur hinterher. Beim 50:46 (24.) schienen die Marburgerinnen die Oberhand zu gewinnen. Doch den Angels wuchsen unsichtbare Flügel: Nach Aleksandra Racics Dreier zum 78:70 für die Gäste (35.) schien die Partie aus BC-Sicht endgültig die Lahn hinunter zu gehen.

Ganz so einfach wollten die Gastgeberinnen sich ihre Weiße Weste aber nicht beschmutzen lassen. Alex Wilke brachte Marburg auf 82:84 heran (38.). Dann schienen statt der Angels die BC-Frauen mit höheren Mächten im Bunde: Racics Dreierversuch überlegte es sich zwei Mal, ob er durch die Reuse wollte oder nicht. Wollte er nicht. Im zweiten Rebound netzte die starke Rashida Timbilla zwar zum 86:82 ein. Immerhin nur zwei Punkte und nicht drei, kommentierte Heinrich Simon am Livestream. Und dieser eine Punkt mag den Gästen am Ende gefehlt haben.

29 Sekunden vor Schluss erzielte Marie Bertholdt von der Freiwurflinie das 86:88. Auszeit Nördlingen. Einwurf Nördlingen. Bertholdt und Tonisha Baker luchsten den Gästen den Ball ab. Korbleger Baker, Ausgleich! Bertholdt blockte den letzten Wurf der Angels. Die Marburger Zuschauer waren dankbar fürs Nachsitzen.

In der Verlängerung diktierte das Pharmaserv-Team das Spiel, musste aber vor allem dank Nördlingens Anni Mäkitalo bis fünf Sekunden vor Ende zittern. Nicht auszudenken, die Angels wären vollzählig gewesen wären...


Patrick Unger (Trainer Marburg):
„Wir haben Riesenglück gehabt und den Kopf gerade so nochmal aus der Schlinge gezogen. 35 Minuten lang haben wir durchwachsen gespielt und waren nicht in der Lage, dem Gegner im Eins-gegen-eins Paroli zu bieten. Aber wir gehen natürlich nach fünf Spielen innerhalb von 15 Tagen auch auf dem Zahnfleisch. Besonders in der ersten Halbzeit hatten wir zu wenig Energie, waren nervös und haben viele Fehler gemacht. Ich hoffe, dass wir aus denen lernen, denn wir können uns nicht drauf verlassen, dass es immer gut ausgeht. Der Steal von Tonisha Baker kurz vor Schluss des vierten Viertels war tatsächlich so geplant. Das war ein Big Time Play. Überhaupt hat sie nach der Halbzeit komplett durchgespielt und uns viel gegeben. Sie verkörpert die Leidenschaft, die wir brauchen. Auch Alex Kiss-Rusk hat am Ende viele Big Points gemacht, wie ich es von ihr verlangt habe. Es ist schön, dass wir mit einem Erfolgserlebnis in die Länderspielpause gehen.“

Tonisha Baker (Spielerin Marburg):
„Am Anfang war unsere Verteidigung nicht so gut – wie am Mittwoch. Die zweite Halbzeit war besser, und in der Verlängerung haben wir dann Vollgas gegeben. Aber das müssen wir die ganze Zeit machen, dann kommen wir nicht in diese Situation. Persönlich hab ich heute nicht gut angefangen, und ich bin Katie Yohn dankbar dafür, dass sie mich die ganze Zeit aufgemuntert hat. Es war ein mentaler Kampf und das härteste der letzten fünf Spiele. Aber es hat Spaß gemacht, mit den Mädels und vor den Fans zu spielen. Wir haben als Team Charakter gezeigt und gesehen, dass wir uns auch durchkämpfen können, obwohl wir müde sind. Aber wir dürfen nicht übermütig werden und müssen weiter arbeiten, arbeiten, arbeiten.“

Patrick Bär (Trainer Nördlingen):
„Es war ein sehr gutes Spiel von uns, das beste in dieser Saison. Und wir hätten es verdient gehabt, zu gewinnen. Wir haben Marburg mit unserer Verteidigung viel weggenommen, aber dann gegen Baker ein paar Fehler gemacht. Es war ein offener Schlagabtausch von beiden Teams und für die Zuschauer schön anzusehen. Das Lob vom Gegner hilft leider nicht zum Klassenerhalt. 99 Punkte auswärts zu erzielen ist schon irre, weil wir ja zwei Mal nicht einmal 50 gemacht haben. Die Niederlage tut uns jetzt nicht weh, es kommen wichtigere Spiele. Aber ich hätte mich für die Mannschaft gefreut, wenn sie sich in dieser Konstellation mit unserer Siebener-Rotation belohnt hätte.“


Statistik
Viertel: 17:23, 21:19, 24:22, 26:24 + 16:11.
Marburg: Baker 20 Punkte (5 Assists), Bertholdt 6 (8 Rebounds), Kiss-Rusk 23 (8 Reb.), Klug 2, Reeh, Schaake 12/1 Dreier, Wagner 8/1, Wilke 17/1, Winterhoff, Yohn 16/3 (7 Reb., 3 Ass.).
Nördlingen: Aijänen (n.e.), La.Geiselsöder 5, Lu.Geiselsöder 14, Hill (n.e.), Mäkitalo 25/3, Meynadier 11/1 (4 Ass.), Obanor 2, Racic 26/1, Timbilla 16 (10 Reb., 4 Ass., 3 Blocks).
SR: K.Kammann, S.Koudela; Z: 550.

Fun Facts: Erster Hunderter unter Patrick Unger (wenngleich nach Verlängerung). Voriger Hunderter: 26.11.2010, 116:51, Pokal beim Zweitligisten Braunschweig; Bundesliga: 03.03.2007, 102:88 gegen Freiburg. – 99 zugelassene Punkte sind die meisten in einem gewonnenen Spiel (vorher 90: 95:90, 18.12.2002, Pokal beim Zweitligisten Hofheim; Bundesliga: 101:90 gegen Freiburg). – 88:88 ist das zweithöchste Ergebnis, mit dem es in die Verlängerung ging, ebenso die Summe der Punkte beider Mannschaften nach Verlängerung (203), (94:94, 24.10.2001, 107:109-Niederlage, 216, gegen Freiburg). – 11 zugelassene Punkte sind die meisten in einer (einfachen) Verlängerung, mit der das Spiel gewonnen wurde (vorher 10, 3x, zuletzt 06.03.2016 beim Osnabrücker SC; Heimspiel: 14.10.2009, Pokal gegen Oberhausen). – Bilanz in Verlängerungen zu Hause 7:3, unter Unger 4:0 (letzte Heimniederlage n.V.: 15.03.2009, 65:67 gegen Freiburg). – Mit ihrem 270. Pflichtspiel (inkl. CEWL) löst Finja Schaake auch in dieser Statistik Alexandra Keil (269) als Rekordspielerin des Teams ab. – 17 erzielte Punkte sind persönlicher Rekord für Alex Wilke (vorher 15, wie diesmal nach 40 Minuten).

Fail Facts: 88 zugelassene Punkte nach 40 Minuten sind die meisten in einem Heimspiel unter Patrick Unger (zuletzt: 03.03.2007, 102:88 gegen Freiburg).
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.