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Mein Märchen des Monats Dezember: Frau Holle

Geht es hier um ein Haushalts-Erziehungsprogramm, mit dem damals die jungen Mädchen diszipliniert werden sollten? Das ist doch recht kurz gedacht, vor allem, wenn man sich mit der alten Göttin Hulda, Ehefrau des Odin, näher beschäftigt. Viele Geschichten gibt es von ihr, am Hohen Meißner in Nordhessen kann man den Frau-Holle-Teich besuchen und immer wird von ihr berichtet als von einer mächtigen Frauengestalt, die aktiv in das Leben der Menschen eingreift. In einem bestimmten Tal soll sie sogar die Begründerin der Kirschbaumansiedelung gewesen sein und in den "Rauhnächten", die jetzt bald kommen, ist ihre ganz besondere Zeit, um die sich viele Volksbräuche ranken.
Jetzt erinnert uns die Natur sehr deutlich an Frau Holle: Es ist Winter, die Schneeflocken fallen, die Natur scheint still zu stehen.
Wer hat die Macht, die Jahreszeiten entstehen zu lassen? Eine Göttin? Das wäre ein anderes Leben, wenn die Menschen (noch) daran glauben würden. Unheimlich und beruhigend zugleich wirkt es, und das Schulwissen um die Rotation der Erde mag eine deutlich verständlichere Erklärung sein. In den alten Zeiten war es eine Gottheit, der man sich zu unterwerfen hatte - heute sind die Gesetze der Natur nur noch interessant, wenn sie so schwer missachtet werden, dass es zu Profiteinbrüchen kommt.
Eine Göttin hätte das bestimmt schon anders geregelt! Oder tut sie es? Wer weiss...
Die Geschichte ist aus der heutige Zeit schwer verständlich: Ein Mädchen schüttelt Betten und daraufhin schneit es in der Welt... Viele denken, es sind die Federn der Frau Holle, die auf die Erde fallen, denn so sind die Illustrationen angelegt. Das ist ein Irrtum, denn das Reich der Frau Holle ist nicht auf oder über der Erde und sie kann viel mehr: Ihre grosse Weisheit, die Einhaltung der Ordnung und das rechte Handeln zu beantworten mit dem "Gold" der Erkenntnis, ist eine der wichtigsten Botschaften, die die Märchen für uns bereithalten. Geht es doch bei den grossen Zaubermärchen der Grimms immer auch um die wahren Werte.
Psychologisch gesehen sei noch eine Deutung erlaubt:
Wenn die Gestalten des Märchens alle in uns selbst angelegt sind, dann gibt es die "Goldmarie" in uns, die in diese besondere Lehre geht, es richtig macht und auf den Erfolg vertrauen kann. Jede von uns ist aber auch einmal die "Pechmarie", die zu bequem ist, alles so gut und ordentlich zu tun, wie es erforderlich wäre. Die Gaben der Natur nicht zu achten, rächt sich hier. Ein Faden, so dick und schwarz wie Pech ist es dann, den die Göttin für sie spinnt. Das ist keine Strafe, sondern einfach nur eine Folge des eigenen Handelns, auch wenn es schwerfällt, das zu akzeptieren.
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Weiterveröffentlichungen:

Oberhessische Presse | Erschienen am 22.12.2012
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