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Experten in eigener Sache – 1. Selbsthilfetag in Marburg

Marburg: Erwin-Piscator-Haus | Selbsthilfe im Wandel, unter dieser Überschrift stand der 1. Selbsthilfetag im Erwin-Piscator-Haus Marburg. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies stellte für diesen Tag die finanziellen Mitteln bereit. Gefragt warum es diesen Tag heute gibt, ging Spies 150 Jahre zurück. Die ersten Selbsthilfegruppen waren die Rentenversicherungen und Krankenkassen. Als Mediziner weiß er, dass die Arbeit dieser Gruppen das Gesundheitswesen nicht leisten kann. Die eigenen Erfahrungen der Menschen, Erfahrungen teilen, sich gegenseitig helfen. Dies können nicht betroffene Personen nicht leisten. Im Marburger Raum gibt es 100 Selbsthilfegruppen, 20 davon waren mit ihrem Infostand im Erwin-Piscator-Haus. Vieles ist für die Gesellschaft thematisch schwierig oder vielleicht auch lästig. Da ist zum Beispiel die Selbsthilfegruppe „ILCO“. Dort finden Menschen Rat und die Akzeptanz wenn sie aus welchen Gründen auch immer einen künstlichen Darmausgang haben. Dann gibt es das „UROSTOMA“, ein künstlicher Ausgang, wenn die Blase nichts mehr leisten kann, oder wegen Krebs ganz entfernt werden musste. Gesellschaftlich absolut kein Thema, Betroffene verheimlichen es. Benötigt ein Mensch ein Vollgebiss oder eine stärkere Brille wird darüber ganz unbefangen gesprochen. Hilfe zur Selbsthilfe finden auch Betroffene im „Bezirksverein der Kehlkopfoperierten“. Wie ich durch den Mann einer Freundin erfahren habe, gab es da schon gleich nach der Operation in der Reha die ersten Probleme. Betroffenen saßen mit ihren Angehörigen an einem schönen Sonnentag in einem Cafe, und mussten erfahren dass sie nicht willkommen waren. Es waren kranke Menschen die auch ein Recht auf einen Stadtbesuch haben, jedoch gab es Menschen die ihnen zu verstehen gaben, das sie nicht erwünscht sind. In einer Selbsthilfegruppe können Menschen auch erfahren wie sie bei solchen Erlebnissen reagieren können sich verhalten, um auch zu ihrem Recht zu kommen. „Experten in eigener Sache“.
Selbsthilfe ist auch eine Nachhaltigkeit. Egal welche Krankheit oder Behinderung die Menschen trifft, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, werden Gruppen zu einer sehr wichtigen Kontakt- und Anlaufstelle. Betroffene stützen sich gegenseitig, haben Tipps und Ratschläge die auch Angehörige nicht geben können.
Obige Gruppenbeispiele stehen stellvertretend für alle von A – Z.
Selbsthilfe im Wandel, und das ist gut so, denn keiner kann sich sicher sein, in seinem Leben nicht auch einmal die Hilfe einer Gruppe zu benötigen. Egal zu welchem Thema, es darf kein Verstecken in der Öffentlichkeit geben !
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