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2. von rechts Naxina Winstroer, Vorsitzende des Behindertenrates Hessen und ganz links Bernd Gökeler, Mitglied im Behindertenrat Hessen und Vorsitzender der MS SHG Marburg-Biedenkopf.

2. von rechts Naxina Winstroer, Vorsitzende des Behindertenrates Hessen und ganz links Bernd Gökeler, Mitglied im Behindertenrat Hessen und Vorsitzender der MS SHG Marburg-Biedenkopf.
Marburg: Elisabeth-Mühle | Mahnwache für Getötete

Am 05. Mai fand im Gedenken an die 4 Getöteten und die Schwerletzte in einer Potsdamer Behinderteneinrichtung eine Mahnwache in Marburg auf dem Elisabeth Blochmann Platz statt. Der 5. Mai ist eigentlich der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit und ohne Behinderung, aber mit Blick auf die furchtbaren Ereignisse in Potsdam, rief der Behindertenrat Hessen zu einer Mahnwache auf. Fünf Menschen mit Behinderung, die zum Teil schon seit ihrer Geburt in der Einrichtung in Potsdam leben, wurden durch eine Mitarbeiterin angegriffen, 4 erlagen ihren Verletzungen. Die Vorsitzende des Behindertenrates Naxina Winstroer forderte den Opfern ein Gesicht zu geben, ihnen zumindest damit die letzte Würdigung zu erweisen. Wer waren sie, wie haben sie gelebt, was war ihnen wichtig, wie hätte ihre Tötung verhindert werden können? Neben mehr Gewaltschutz, so Winstroer, müssen die Menschen die Wahl auf ambulante Versorgung erhalten, das setzt barrierefreien Wohnraum und entsprechende Versorgungsstrukturen voraus. Bernd Gökeler ebenfalls vom Landesbehindertenrat nahm generell die Gewalt gegen Menschen die aufgrund ihrer Behinderung von Hilfe abhängig bzw. auf Pflege angewiesen sind in den Blick. Er fragt, warum so wenig öffentliche Wahrnehmung der grausamen Tötung erfolgt, warum überhaupt in der Pandemie wieder einmal Menschen mit Behinderung mit Ihren extremen Problemlagen in den öffentlichen Diskussionen und in den Medien fast unsichtbar geworden sind. Ein Vergleich hinkt immer, so Gökeler, aber was anderes als ein Amoklauf wie in einer Schule oder wie in Hanau stellt diese Tat dar? Dabei geht es nicht um die Motivlage, sondern vorrangig um das Leid für die Opfer und deren Angehörigen. Gerade am 5. Mai, dem Europäischen Protesttag soll diese Mahnwache ein Zeichen der Ermahnung sein, Menschen mit Behinderung als gleichrangiger Teil der Gesellschaft solidarisch zu schützen, so Gökeler weiter. Statt Protest an diesem Tag Trauer, Erschrecken und Wut, wie eine der 40 Anwesenden es ganz persönlich formuliert. Die Mahnwache als kleines Zeichen in Marburg und als Mahnung zu höherer Wachsamkeit an uns alle.

Text: Bernd Gökeler
Bild: Amélie Methner
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