Im Hotel Adlon Kempinski Berlin seit 13 Jahren Mode aus Magdeburg

"Dahlie", Kunstgewerbeschule Magdeburg um 1920
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Kaum bekannt ist, dass Magdeburg zu Beginn der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts in der Mode eine führende Rolle gespielt hat. Der Weltkrieg war für Deutschland verloren, durch Ein- und Ausfuhrverbote der Siegermächte waren viele Arbeitsplätze in der exportorientierten Textilindustrie weggebrochen, Rohstoffe blieben aus und modische Impulse aus Frankreich oder England wurden vorenthalten. In dieser Situation besannen sich die Modemacher und wurden mehr als bisher kreativ. Sie hofften, durch die Vorgabe eigener modischer Trends auf das Ausland auszustrahlen und somit den Markt zurückzuerobern. Diese Aufgabe klar erkennend, richtete als einer der ersten in Deutschland Professor Paul Bosselt (1871 – 1938) als damaliger Direktor der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg eine Mode-Klasse ein. Namentlich bekannt sind Ch. Reichstein und Metzger, deren Arbeiten im Januar 1920 der deutschen Öffentlichkeit mit positivem Echo vorgestellt wurden. Am Beispiel von sieben Modezeichnungen für Frauen im typischen Stil der 20er Jahre werden die neuen Entwürfe und der vollständige Bruch mit traditioneller Kleidung beschrieben. Die weitere Entwicklung der Schüler und Klasse ist unbekannt. Fest steht, dass Professor Bosselt nach Kritik an seinem Lehrprogramm durch den damaligen Stadtbaurat Bruno Taut 1924 den Direktorposten der Schule aufgab. Damit ist auch das Ende der Mode-Ausbildung zu vermuten. Das Thema findet seitdem in Magdeburg keinerlei Beachtung.

Vor 13 Jahren erhielt eine Düsseldorfer Galerie den Auftrag zur Innengestaltung des Hotels „Adlon“ am Brandenburger Tor. Als Wandschmuck wurden u.a. graphische Blätter verwendet, die auf einer Antiquitätenmesse in Stuttgart erworben wurden. Über die noch heute vorhandenen Bilder gibt es keine Beschreibungen. Eine aufmerksame Magdeburgerin glaubte jedoch, darunter Modeentwürfe der Magdeburger Schule gesehen zu haben. Mit Unterstützung der Presseabteilung im Adlon durfte vor Ort recherchiert werden und tatsächlich wurden 9 Drucke gefunden. Hochwertig in Gold oder Nussbaum gerahmt, in Passepartout geschnitten, an Marmorwänden befestigt sind fein cholorierte Modezeichnungen zu sehen. Die Modelle tragen die Namen Aurikel, Borussia, Dahlie, Homburg, Massliebchen, Opal, Silberdistel, Skarabäus und Traumblumen. Alle sind signiert mit „Kunstgewerbeschule Magdeburg“ und darunter das Kürzel „kgm“. Drei der Zeichnungen sind unten abgebildet.

Weitere Informationen und Kontakt unter http://vergangene-schaetze.de/

Bürgerreporter:in:

detlef dauer aus Magdeburg

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