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Die Lichtkirche auf der Weltausstellung Reformation in Wittenberg

Die Lichtkirche auf der Weltausstellung Reformation in Wittenberg
    Lutherstadt Wittenberg: Wittenberg | Auf der Weltausstellung Reformation war auch die Evangelische Kirche von Hessen-Nassau vertreten, welche auf ihrer Ausstellungsfläche die Lichtkirche aufgebaut hatte und verschiedene Angebote dem Thema "Segen erleben" widmete. Die Lichtkirche ist eine preisgekrönte Konstruktion aus Acrylglas und Holz, welche schon auf den Landesgartenschauen in Bad Nauheim und Gießen, auf der Internationalen Automobilausstellung oder dem Rheinlandpfalztag im Einsatz war.

Rund um die Lichtkirche

Näherte man sich der Lichtkirche von der Polizeistation her kommend, so kam man zunächst an die Segensschirme. An diesen hingen auf farbigen Pappanhängern von den Kirchenhelfern oder vorherigen Besuchern geschriebene Segen. Man konnte sich einen Segen aussuchen und mitnehmen oder für einen nachfolgenden Besucher schreiben.

Ein Stück weiter gab es eine Station zum Ausprobieren, an der man sich damit beschäftigen konnte, einen Segen zu empfangen ("Ich bin gesegnet!"), jemand anderen zu segnen ("Ich kann segnen!") oder sich einen Inhalt für einen Segen zu überlegen ("Ich segne die Welt!"). Dieses Angebot wurde aber nur wenig genutzt.

Hinter der Kirche war ein altes Gebäude, welches zu DDR-Zeiten als Waffenlager genutzt worden war. An der Gebäudeseite befand sich ein großes Plakat mit segnenden Händen, welches auch gut als Fotomotiv nutzbar war und beispielsweise für Gruppenfotos der Helfer genutzt wurde. Je nach Abstand der aufzunehmenden Personen vom Plakat konnte man die Hände auf dem Bild mehr oder weniger groß wirken lassen.

Gegenüber von dem Gebäude konnte man in die Lichtkirche eintreten, welche mit einem Altar, einem Taufbecken und bunten Hockern (vom Hersteller Koziol) ausgestattet ist. Der Innenraum der Kirche wurde nur bei schlechtem Wetter für Veranstaltungen genutzt, zumal die Zahl der vorhandenen Plätze recht begrenzt ist.

Im Gebäude hinter der Kirche wurden übrigens verschiedene Materialien wie Segensanhänger, Postkarten oder Bücher gelagert. Außerdem stand hier ein Zweitexemplar des Segensrobotors BlessU-2. So konnten bei Defekten, die sich nicht gleich beheben ließen, einfach die Roboter ausgetauscht werden.

Der Segensrobotor BlessU-2 stand in einem eigenen Pavillon bei der Kirche. Zur Benutzung stellte man sich vor den Roboter, welcher einen sogleich begrüßte: "Bonjour! Kann ich Sie segnen? Can I bless you? Bitte wählen Sie eine Sprache. Please choose a language." Die Auswahl erfolgte durch Antippen einer Flagge auf dem Bildchirm von BlessU-2. Anschließend konnte man auswählen, ob man von einer Frau oder einem Mann gesegnet werden möchte. Zudem gab es vier Kategorien von Segen zur Auswahl. In allen Kategorien außer beim klasssichen Segen ("Der Herr segne und behüte dich...") waren mehrere Sprüche hinterlegt, von denen einer zufällig ausgewählt wurde. Nun begann die Segnung damit, dass der Roboter die Arme (ratter-ratter-ratter) hochhob. Oben öffneten sich die Hände, und die Leuchtdioden in den Handflächen begannen zu leuchten. Nach dem Aufsagen des Segens wurden die Arme wieder heruntergefahren. "Mach dich fort, in Gottes Namen! Amen!" waren die Worte nach einem Segen auf Hessisch. Eigentlich war es aber noch nicht die Zeit zum Verschwinden, denn man konnte sich den Segen auch noch ausdrucken lassen. Wenn man dies auf dem Bildchirm gewählt hat, fuhr die Schublade im Bauch des Robotors auf. Hier war ein kleiner Kassenzetteldrucker drin, welcher den Segen druckte. Danach riss einer der Helfer den Zettel ab und klebte ihn auf eine Postkarte. Zudem wurde dem Besucher angeboten, eine Rückmeldung auf einer Karte zu hinterlassen. Die Kommentare wurden später auch auf einem hinter dem Segensrobotor hängenden Bildschirm angezeigt.

Der Segensroboter war die größte Attraktion und wurde auch von verschiedenen Medienvertretern besucht. Am 16. August beispielsweise kam ein Fernsehteam vom ZDF. Es gab natürlich auch Besucher, die die Aktion total ablehnten und sich nicht darauf einließen, eine Segnung durch den Roboter auszuprobieren.

Zur Lichtkirche gehören auch noch drei Glockentürme, welche zwischen dem Pavillon mit dem Segensroboter und dem Verkaufspavillon am Weg standen. Die Glocken durften vor den Andachten von jeweils drei Besuchern geläutet werden. Im Verkaufspavillon gab es neben Büchern, CDs, einer 3D-Postkarte zur Lichtkirche auch den Playmobil-Luther zu kaufen - und zwar deutlich günstiger als anderswo in der Stadt, wo man den doppelten bis dreifachen Preis zahlte. Außerdem war hier noch das Kunstwerk "Seiten des Segens" zu sehen.

Am 16. August regnete es morgens so ausgiebig, dass sich die Vertiefung zwischen dem Weg und dem Gelände bei der Lichtkirche mit Wasser füllte. Zum Glück hörte der Regen schon vormittags wieder auf, und die Sonne ließ sich blicken.

Die Lichtkirche bei Nacht

Die Lichtkirche und die Glockentürme wurden ganztägig durch LED-Lampen in wechselnden Farben beleuchtet. Die Beleuchtung wurde aber erst mit dem Einsetzen der Dämmerung sichtbar. Deswegen kamen auch in den Abendstunden noch Besucher, auch wenn die Lichtkirche und die Pavillons sowie die Schirme zwischen den Stühlen geschlossen waren.
Immerhin gab es eine Abendveranstaltung: Am Freitagabend fand um 21:30 Uhr die späte Andacht "Church at night" statt. Diese Veranstaltung, welche auch nach der Weltausstellung Reformation in Wittenberg weitergeführt werden soll, zog zahlreiche Besucher an, nachdem sich der Termin herumgesprochen hatte. Am 18. August waren die Stühle vor der Kirche größtenteils belegt, obwohl das Wetter im Zeitraum von 19:30 bis etwa 21 Uhr nicht sehr gut war. Glücklicherweise blieb es während der Veranstaltung trocken. Den Innenraum der Kirche hätte man wegen der großen Besucherzahl nicht nutzen können. Er wurde allerdings von den Helfern am Anreiseabend genutzt.

Veranstaltungen in der Lichtkirche

Am Dienstag war die Weltausstellung Reformation geschlossen. Der Dienstag bot sich daher als An- und Abreisetag für die bei der Ausstellung tätigen Helfer an, welche in der Regel für eine Woche in Wittenberg waren. Am späten Nachmittag wurden die neuen Helfer am Bahnhof begrüßt, sofern sie nicht mit dem Auto gekommen waren, und zu den Gästewohnungen gebracht. Abends gab es neben einem gemeinsamen Abendessen eine Führung über das Kirchengelände.

Die ehrenamtlichen Helfer übernahmen zahlreiche Aufgaben, die auf dem Ausstellungsgelände der Evangelischen Kirche von Hessen-Nassau anfielen. Am 18. August etwa war es mal wieder Zeit, den Rasen rund um die Lichtkirche zu schneiden, zumal abends Wolfang Weinrich, einer der Erfinder der Lichtkirche, erwartet wurde. Die Hauptaufgabe der Helfer war aber die Betreuung der Besucher während der Ausstellungszeiten von 10 bis 18 Uhr. Diese Zeit war in zwei Schichten aufgeteilt, wobei sich die Helfer vor Schichtbeginn zum Absprechen der Aufgaben und einer Kurzandacht trafen.

Die häufigsten Nutzer des Kirchenangebots waren einzeln oder in kleinen Grüppchen vorbeikommende Besucher. Es kam aber auch vor, dass Kindergartengruppen die Lichtkirche besuchten oder Mitarbeiter aus einem Pflegeheim Heimbewohner vorbeibrachten.

Zum normalen Tagesprogramm gehörten eine Andacht um 12 und um 18 Uhr, welche je nach Wochentag und Wetter schwach bis gut besucht waren. Einige der ehrenamtlichen Helfer wirkten am Programm mit.

Am Sonntagnachmittag gab es ein Konzert mit unterschiedlichen Künstlern. Am 20. August machte Projektleiter Fabian Vogt Kirchenkabarett. Die Nachfrage war so groß, dass Stühle aus dem in der Nähe stehenden Jubiläumszelt herbeigebracht werden mussten. Bei strahlendem Sonnenschein amüsierten sich die Besucher über das lustige Programm des Pfarrers. Allerdings zogen dunkle Wolken heran, und nach einer Dreiviertelstunde kam der Regen. Fabian Vogt spielte noch etwa zwei Stücke unter einem Regenschirm, während die Besucher teilweise unter die Schirme oder in den Pavillon flohen. Gegen 16 Uhr beendete Fabian Vogt die Veranstaltung, die ohne den Regen noch etwa eine Viertelstunde länger gedauert hätte. Später besserte sich das Wetter wieder, und um 18 Uhr stand ein leuchtender Regenbogen über der Lichtkirche. Die Abendandacht fand jedoch drinnen statt.

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