LUDWIGSLUST - Stadtkirche

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KLENOW – Wer einen Ort mit diesem Namen in Deutschland sucht, landet im Leeren. Eine „Klenower Straße“ gibt es dennoch: In Ludwigslust.
Die Herzöge von Mecklenburg hatten bei Grabow ein kleines Schloss, es war aber für seine Zeit verkehrsungünstig gelegen. Zum Schloss in Schwerin war es einfach zu aufwendig, die schon damals überaus staubigen Chausseen zügig zu befahren. Christian Ludwig II (1683 – 1756) ließ darum in dem kleinen Dorf Klenow ein kleines bescheidenes Nebenschloss errichten. Wir würden heute eher von einem Jagdschloss sprechen. Es war allerdings so klein, dass standesgemäße Empfänge dort eher gar nicht stattfinden konnten... Als Christian Ludwig schließlich seinen älteren Bruder auf dem Thorn des Landesfürsten beerbte (beide pflegten ein eher unfriedliches Verhältnis zu einander), erlaubte sich der Landesherr die eigene Ehre, den eher dörflich klingenden Ortsnamen „Klenow“ gegen LUDWIGSLUST zu tauschen. Im Hintergrund bestanden vielleicht schon die Absichten, auch ein wirklich ansehnliches Schloss errichten zu lassen. - 1756, zwei Jahre nach der Umbenennung verstirbt der Landesherr und sein Nachfolger, Friedrich der Fromme (1717 – 1785), umfassend gebildet und weit gereist kann dem sichtbaren Kleingeist seines Vorgängers nicht viel abgewinnen.
Kurz und gut, der Etat des durchaus schon damals nicht reichen Herzogtumes wird darauf geprüft und gewogen, wo das erforderliche Geld für den von Friedrich gewünschte neue Schloss herkommen könnte. Wie auch heute nicht anders lagen die Kalkulation der Bauten und der dann wirklich Baupreis erstaunlich weit auseinander; vielleicht auch, weil der Bauherr sich jeden Morgen auf die Baustelle begab, nachmaß und zu Korrekturen aufforderte.

Die Reihenfolge bei der Errichtung der Bauwerke allerdings ist hier in Ludwigslust eine der vielen durchaus auch kuriosen Besonderheiten. Nachdem der Wunsch und die ideelle Vorstellung des gesamten Projektes fixiert waren, begannen die Handwerker als erstes mit der SCHLOSSkirche, die erst später zur STADTkirche wurde.
Wer heute durch Ludwigslust auf der B5 fährt registriert von Westen kommend einen südlich gelegenen Tempelbau mit einem seltsamen anmutenden monumentalen XP auf der Spitze. (Das Christusmonogramm §¡, auch Chi-Rho oder Konstantinisches Kreuz). Das ist der überdimensionierte Eingang zur Kirche. Überdimensioniert aber nur dann, wenn das Bauwerk von der durch den südlichen Schlosspark führenden Bundesstraße schaut. Gesehen vom Portikus des Schlosses sind die Dimensionen genau angemessen.
Hofbaumeister Busch (1720-1802) hätte zwar zu gerne eine Pyramide als Kirche errichtet, aber so einigten Landesherr und Baumeister auf die andere kulturelle Anspielung zur griechischen Gedankenwelt mit dem Gottes-Tempel. Der 1770 eingeweiht werden konnte und trotzdem noch nicht vollständig abgeschlossen war. Das monumentale Gemälde hinter dem Altar hatte sein Urheber zwar beginnen können, doch verstarb er schon zu „Beginn“ seiner Arbeit. Er wollte die gesamte Südwand hinter dem Altar mit der Szene aus der Weihnachtsgeschichte schmücken, die den Moment mit den Worten beschreibt: „da waren Hirten auf dem Felde...“
Gemalt auf gleichgroße Pappmaché-Flächen; erst vorgezeichnet und dann nach und nach ausgemalt, dann alles auf einem Gerüst befestigt und in Ebenen vor der Wand aufgestellt. Zwischen den Ebenen auch noch eine komplette Orgel „versteckt“ und doch auch angedeutet. Erst 30 Jahre später wurde das Gemälde von Johann Heinrich Suhrlandt abgeschlossen.
Auch wenn der tempelartige Portikus eine breite Kirche erwarten lässt (nächste Besonderheit: deren Altar tatsächlich im Süden des Bauwerkes steht!), das Langhaus ist an beiden Seiten 6 Meter schmaler. Beim Betreten des Gottesdienstraumes fällt neben sonstigen Schlichtheit auf, dass der Blick mit Hilfe gewaltiger dorischer Säulen den Eindruck vermittelt: sehr hell aber ohne Fenster. Wer die Kirche betritt, soll nach vorn schauen, nicht zu den Seiten und schon gar nicht nach hinten – in die großen Logen des Hofes. Der Altarbereich ist nur über zwei herrschaftlich anmutende Treppenaufgänge zu erreichen und hat damit um eine Etage höher als die Hoflogen genau die Ordnung in der Welt wieder hergestellt.

Zu den weiteren Besonderheit der Stadtkirche von Ludwigslust gehört unter anderem auch folgendes:
* Einen Glockenturm sucht man vergebens – die Glocken dieser Kirche hängen 200 Meter weiter beim Eingang zum Stadtfriedhof.
* Damit auch dem Besucher der Kirche klar wird, was die Stunde geschlagen hat, bedarf es IN der Kirche nur eines Blickes ins Deckengewölbe. Dort besitzt die recht große Uhr tatsächlich nur einen Stundenzeiger.

Die Kirche ist für Besucher regelmäßig geöffnet – aber bitte vorher im Internet über die jahreszeitlich wechselnden Zeiten informieren.

Bürgerreporter:in:

Christel Pruessner aus Dersenow

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