Mit Gisela von St. Moritz über den Maloja-Pass bis zum Comer See.

 
Auf unserer linken Seite sehen wir den Silvaplaner See. Im Sommer ist er ein Dorado der Segler und Surfer. Er ist 77 m tief. Am Ortsende neben einer Tankstelle befindet sich das „Murmeltier-Reservat“. Hier lassen sich die Murmeltiere füttern. (Foto: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Silvaplaner_See.jpg)
 
Maloja gehört schon zum Bergell. Es liegt am Südufer des Silser Sees. (Foto: Pixa - http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Blick-auf-Maloja-Sils_von_Motta.jpg&filetimestamp=20061025212539)
Sankt Moritz (Schweiz): Oberengadin | Unser Bus nimmt uns wieder in St. Moritz auf und wir fahren runter zum See. Über St. Moritz – Bad, welches das höchstgelegene Heilbad der Schweiz ist, fahren wir durch die Oberengadiner Seenplatte.

Es gibt zwei Möglichkeiten wieder nach Lugano zu fahren: 1. über den Malojapass und durch das Bergell und 2. über den Julierpass mit Besuch der Via Mala. Heute werden wir die 1. Möglichkeit nehmen. Die 2. werde ich Euch aber auch noch vorstellen.

St. Moritz-Bad hat die stärksten kohlesäurehaltigen Eisenquellen Europas. Im 19. Jahrhundert wurden die aus uralter Zeit bekannten Kurmöglichkeiten komfortabel ausgebaut. St. Moritz-Bad liegt am Inn und am St. Moritz-See.

Auf der rechten Seite sehen wir bei unserer Weiterfahrt Suvretta, welches ein Ortsteil von St. Moritz ist und am Südhang des Pitz Nair und abseits und sehr ruhig liegt. Hier steht das berühmte 5-Sterne-Hotel „Suvretta-House“ mit dem exklusiven Restaurant „Le Miroir“.

Zwischen St. Moritz und Maloja befindet sich die Oberengadiner Seenplatte. Der Inn stürzt bei Maloja ins Tal hinunter und eilt uns entgegen. Er speist die vier Seen: Silser See, Silvaplaner See, Champferer See und den St. Moritz-See.

Der nächste Ort ist Champfer, welches am gleichnamigen See liegt. Ein Bergbach teilt von alters her den Ort in zwei Gemeinden auf. Der nördliche Teil gehört zu St. Moritz und der südliche Teil zu Silvaplana.

Silvaplana selbst liegt am Fuß des Julierpasses, der Hauptverbindung zwischen dem Engadin und dem Rheintal und Chur.

Auf unserer linken Seite sehen wir den Silvaplaner See. Im Sommer ist er ein Dorado der Segler und Surfer. Er ist 77 m tief. Am Ortsende neben einer Tankstelle befindet sich das „Murmeltier-Reservat“. Hier lassen sich die Murmeltiere füttern.

Im Schwemmland zwischen Silvaplaner- und Silser See liegt auf unserer linken Seite Sils. Dichter und Denker haben hier Urlaub gemacht: Rainer Maria Rilke, Herrmann Hesse und vor allem der Philosoph Friedrich Nietzsche, der sieben Sommer in Sils-Maria verbrachte. „Ich weiß mir nichts meiner Natur Angemesseneres........“, schrieb er 1883 aus jenem einfachen Haus, das man heute noch besichtigen kann. Der Ort wird schon um 831 genannt. Exklusiv ist das Hotel „Waldhaus“.

Im Ortsteil Plaun geht es auf einer schmalen Straße rechts hoch zu dem kleinen Dörfchen Grevasalvas, das Schauplatz des Heidi-Films war. Links von uns der Silser See.

Bevor wir Maloja erreichen hört sprachlich und politisch das Engadin auf. Maloja gehört schon zum Bergell. Es liegt am Südufer des Silser Sees. Interessant ist das Naturreservat mit Gletschermühlen aus der Eiszeit, die bis zu 11 m tief sind. Hier findet sich die größte Ansammlung von Gletschermühlen Europas. Über dreißig wurden beim Bau des Schlosses 1884 auf der Passhöhe von Maloja entdeckt. Wisst Ihr eigentlich was Gletschermühlen sind? Wisst Ihr nicht? Dann werde ich Euch das mal erklären: Gletschermühlen entstehen, wenn Gletscherwasser, das mit Sand und Kies zu so genannter Gletschermilch vermengt ist, unter der Gletscherzunge fließt und in einer Unebenheit des Bodens einen Wirbel bildet. Unter dem hohen Druck und der oft sehr schnellen Fliessgeschwindigkeit des Wassers, schleifen der Sand und der Kies tiefe Löcher in den felsigen Untergrund. Dabei entstehen riesige Töpfe mit mehreren Metern Durchmesser und Tiefen von 10 Metern und mehr. Normalerweise wurden die Gletschermühlen nach Rückzug der Gletscher im Laufe der Zeit von der Natur zugeschüttet. Nicht so hier in Maloja. Warum das so ist weiß kein Mensch. Von Dellen groß wie eine Faust bis zu 11 m tiefen Löchern mit 7 m Durchmesser findet man hier noch so ziemlich alles.

Aber jetzt geht es los. Wieder einmal ziemlich unvermittelt schwebe ich über dem Abgrund. Uff! Wir befinden uns auf dem Malojapass. Er ist der einzige Pass der Alpen, der nur eine Rampe hat. Von Maloja gelangt man in 15 Kehren zur ersten von fünf Talstufen hinunter. Ein 1972 entdecktes Stück Römerstraße beweist die frühe Benutzung des Passweges.

Wir kommen durch Casaccia, das schon 998 erwähnt wurde. 1618 wurde es neu aufgebaut, nachdem es 1551 nach Einführung der Reformation bis auf das Mauerwerk zerstört wurde. Von hier aus geht ein Saumpfad als Pass, dem Septimerpass, zur Julierpassstraße hoch. Diese Strecke benutzten schon die Römer.

Der Fluss, der uns begleitet ist die Meira, die in den Po mündet. In Italien heißt sie Mera.

Ha, mir gefallen diese kleinen Dörfer im Bergell. Jetzt kommt Vicosoprano, der einstige Hauptort des Bergell mit seinen engen Gassen und einem malerischen Rathausplatz. Hier gibt es schöne Herrenhäuser mit guten Sgraffiti. Wisst Ihr wie Sgraffiti gemacht wird? Wollen wir uns das doch mal anschauen: Man trägt verschiedene Schichten von Putz auf wobei der zweitoberste z.B. schwarz ist. Darauf kommt dann wieder ein weißer Putz, in den, im noch weichen Zustand Formen geritzt oder gekratzt werden. In diesen gekratzten Formen werden die Farben des darunter liegenden Putzes sichtbar. Bei unserem Beispiel sind die gekratzten Figuren schwarz. Außerhalb des Ortes auf der linken Seite stehen zwei alte Galgensteine, die einstige Richtstätte des Tales.

Stampa, der kulturelle Mittelpunkt des Bergell durchfahren wir und kommen

nach Promontogna, das schon 831 als römisches Kastell erwähnt wurde. Daran erinnern noch die dicke Wehrmauer und der Turm. Auf dem Felsenhügel vor uns sehen wir die 1000 Jahre alte Kirche „Nossa Donna“.

Der nächste Ort ist Bondo mit seiner romanischen Kirche. In ihr findet man wertvolle Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert. Hier sind noch viele Häuser mit Sgraffiti versehen. Abseits des Dorfes liegt auf der linken Seite das Stallscheunenviertel wegen des Geruchs und des Ungeziefers.

Jetzt kommen wir wieder zur Grenze und nach Italien. Der Grenzort heißt Castasegna. Die Strasse, die durch Castasegna führt, ist teilweise einspurig und wird durch eine Ampelanlage geregelt. Bei Castasegna befindet sich der größte Edelkastanienwald Europas.

In Borgonuovo sehen wir auf der rechten Seite ein zweifacher Wasserfall. 1618 wurde der Vorgängerort durch einen Bergrutsch verschüttet. Dabei kamen ca. 1000 Menschen ums Leben.

Die nächst größere Stadt, die wir erreichen, ist Chiavenna. Es sind jetzt nur noch 25 km bis zum Nordende des Comer Sees. Rechts geht es zum Splügenpass, der die Verbindung nach Chur ist. Die Passstraße wurde 1822 eröffnet.

Auf unserer weiteren Fahrt sehen wir auf der rechten Seite den Lago di Mezzolo. Der Lago di Mezzola ist 3 km lang und knapp 2 km breit. Er liegt etwa 5 km nördlich des Comer Sees und auf gleicher Seehöhe von199 m. Er ist mit diesem durch den Fluss Mera verbunden. Das flache Schwemmland zwischen den beiden Seen ist zu großen Teilen Naturschutzgebiet. Der See liegt besonders reizvoll zwischen steil aufstrebenden Gebirgsmassiven.

Bei La Punta kommen wir wieder an den Comer See, den wir auf seiner Westseite befahren werden.
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5 Kommentare
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Horst Schmiedchen aus Wennigsen | 21.05.2009 | 05:34  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 05.09.2010 | 08:57  
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Beate Rühmann aus Burgdorf | 05.09.2010 | 10:08  
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Gisela Diehl aus Alzey | 03.12.2011 | 00:07  
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Bernd & Lukas Hons aus Volkmarsen | 03.12.2011 | 07:39  
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