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Santorin - Leben auf dem Vulkan

Ein Bild kann die fantastische Aussicht nur unzureichend wiedergeben.
 
Der Ausschnitt aus einer aktuellen Seekarte macht auch heute noch den einst fast kreisrunden Vulkankegel deutlich.
Die Katastrophe hatte sich seit Monaten angekündigt. Immer wieder bebte die Erde und der Vulkan spie Aschewolken aus. Wer es sich leisten konnte, brachte sich auf einer anderen Insel Sicherheit. Wohl die meisten Bewohner harrten in der Heimat aus. Es lebte sich gut in der bronzezeitlichen Hochkultur der Minoer im östlichen Mittelmeer.

Eines Tages, im Jahr 1613 v. Chr., rummste es dann gewaltig. Wesentliche Teile des Vulkans mit 20 km Durchmesser wurden von einer unvorstellbaren Explosion, die alles Leben in weitem Umkreis auslöschte, weggesprengt. Möglicherweise hat dieses Ereignis Platon zu seiner Legende von Atlantis inspiriert. Bis heute hat sie in der Mythologie einen festen Platz. Was auch immer vor mehr als 3 500 Jahren geschah, übrig blieben ein paar kleine Inseln deren Anordnung jetzt noch den einstigen Vulkan erkennen lassen.

Heute gehört Santorin zu den meistbesuchten Inseln Griechenlands, was die etwa 5 000 Einwohner nicht schlecht auf ihrem Pulverfass leben lässt. Die meisten Touristen kommen mit dem Kreuzfahrtschiff. So ähnlich, nur ein paar Nummern kleiner, war es auch bei uns. Vor 4 Jahren sind meine Frau und ich mit unserer MERGER, einem knapp 10 m langen Segelboot, am IJsselmeer in den Niederlanden aufgebrochen und bereisen seit dem in sechs- bis achtwöchigen Etappen auf eigenem Kiel das Mittelmeer. Derzeit sind wir in Griechenland. *

Wir nähern uns Santorin von Norden. Von weitem sieht das Archipel aus, wie alle anderen Kykladeninseln auch. Das ändert sich schlagartig, als wir durch eine schmale Durchfahrt in die Caldera, wie man den untergegangenen Vulkankrater nennt, kommen. Wie Schwalbennester kleben die weißen Häuser hoch am Felsen über steilen Abhängen. Die unbewohnte Insel Nea Kameni im Zentrum wirkt in ihrer Schwärze unheimlich. Beißender Schwefelgeruch und unübersehbarer Rauch an einigen Stellen lassen den Vulkan erahnen, der jederzeit wieder ausbrechen kann. Das Wasser ist meistens mehrere hundert Meter tief. Lediglich Kreuzfahrtschiffe können an wenigen Stellen ankern. Für uns Sportboote gibt es einen einzigen geeigneten Hafen außerhalb in Vlychada an der Südküste.

Wir benutzen den Bus um nach Fira der Inselhauptstadt zu fahren. Der Touristenrummel ist gewaltig, die Aussicht aber auch. Im Vordergrund das weiße Häusermeer, danach die tiefblaue See und hinten die schwarze Vulkanasche von Nea Kameni, kein Bild kann zeigen, was das Auge erfasst. Allein dieser unvergessliche Blick wäre die Reise wert. Nicht nur im Ort ist der Teufel los, wenn ein Kreuzfahrtschiff ausgeladen wird. Mehr als hundert Maultiere werden dann im Eiltempo 587 Stufen den Steilhang hinunter- und schwer beladen wieder hinaufgetrieben. Weniger romantisch veranlagte Tierfreude, entscheiden sich eher für die Seilbahn. Die eigenen Füße sind auf der Treppe keine Alternative, da man den Hinterlassenschaften der Maultiere kaum ausweichen kann.

Vom archäologischen Museum sind wir dagegen enttäuscht. Die Sammlung ist sehr überschaubar und die wirklich spektakulären Funde sind im Nationalmuseum in Athen zu besichtigen. Auf Kreuzfahrttouristen zugeschnittene Boutiquen und Schmuckläden sprechen uns auch nicht wirklich an. Schon am nächsten Tag setzen wir wieder Segel, um eine neue Insel anzusteuern. Aber das ist eine andere Geschichte.

*Anm. Weitere Informationen über uns, unser Boot und unsere Reisen gibt es auf meiner Webseite www.sy-merger.de
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