Neulich im Discounter …

Es ist Donnerstag! Stichtag! Der neue Prospekt mit den supertollen, verlockenden Angeboten vom Discounter um die Ecke ist eingetroffen.
„Er“ ziert die gesamte Titelseite mit schnittigem Design in einem eleganten Tiefschwarz und verspricht 500 Gigabyte Festplatte, Nividia GeForce Gr630M und 2.3 GHz Intel Core Prozessor für sagenhaft günstige Euros. Was auch immer dieses Fachchinesisch zu bedeuten hat: Nichts wie hin!
Neben der Meeresgetier-Tiefkühltruhe und den Rheumakniewärmern thront er, eingeschlossen hinter Glas, in einer Vitrine. Ja, den, genau den will ich haben.
„Hallo, kann mir mal jemand helfen? Ich möchte diesen Laptop hier befreien und brauche auch noch ne kleine Beratung …“ Meine Worte verfliegen ungeachtet hinter dem Marmeladenregal. Am Ende vom Gang erhasche ich einen Blick auf einen blauen Kittel …
„Hallo, hallo Sie da!“ Schwitzend erreiche ich das Pralinensortiment. „Guten Tag, ich hätte da mal ein paar Fragen zu dem Laptop in Ihrem Angebotsblättchen. Vielleicht können Sie mir …“
„Nee, sorry, ich bin hier die Aushilfe und für die Süßigkeiten zuständig. Fragen Sie mal an der Kasse.“
„Oh, okay, danke.“ Kleinlaut mache ich mich auf den Weg zur einzig geöffneten Kasse. Nachdem der Omi, die mit ihrer neuen EC-Karte zahlen will, die Geheimnummer wieder eingefallen ist und die Familie mit ihren drei heulenden Kindern ihre randvollen Einkaufswagen zur Seite geschoben hat, bin ich an der Reihe.
„Hallo, ich würde gerne mal den Laptop testen und …“ Weiter kam ich mit meinen Ausführungen auch hier nicht. Die freundliche Kassiererin mit der getönten Fönfrisur und den künstlichen, buntgelackten Fingernägeln macht schwungvoll eine Vierteldrehung und schreit: „Helga, da will einer den Laptop, bring mal einen rüber zur Kasse …“
„Äh nee …“, wage ich einzuwenden, „ich wollte mich erst mal informieren.“
„Informieren? Is nich, sie haben ein Rückgaberecht und wenn er nicht gefällt, bringen se ihn wieder – ganz einfach.“
„Ah! Ja, also dann …“ Und so wurde ich sehr schnell stolzer Besitzer eines schwarzschnittigen High-Tech-Gerätes.
Wie konnte ich auch annehmen, dass die nette Discounterfachverkäuferin mir die spezifischen Prozessordaten nebst Gigabetabyteinformationen liefert, während sie die Nuss-Nougatcreme ins Regal räumt?
Wahrscheinlich hätte sie mir eher sagen können, in welchem Stall das abgepackte Schweinefilet gestern noch stand und mit wem die tiefgekühlten Lachse letzte Woche schwimmen waren!?
Ha, aber diese tiefgreifenden Fragen kann ich ja nun kinderleicht mit meinem neuen internetfähigen Notebook beantworten.

Bürgerreporter:in:

Helene Tyls aus Korbach

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