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"Springer hüpfen in Herbsteins Himmel" - ein einzigartiger Fastnachtsbrauch

Der "Bajazz"
Eigentlich der "Foasenocht" nicht unbedingt zugeneigt, eher ein Fastnachtsmuffel, und auch des ständigen Hellau und Humbatäterä im Fernsehen satt, habe ich mich vom "fastnachtsfreien Stausebach" dennoch zum Rosenmontagsumzug in das idyllisch gelegene Vogelsbergstädtchen Herbstein begeben.

Ab 10.11 Uhr startete dort der berühmte geschichtsträchtige Springerzug. Ein in Hessen und vielleicht in ganz Deutschland unvergleichbarer Rosenmontagszug. Die Kleidung der Springer erinnert eher an dle alemanische schwäbische Fastnacht. Sie ist Tiroler Ursprungs ! Sehr akrobatisch, trotzdem diszipliniert und nicht zügellos, ziehen sie durch die Straßen des kleinen Städtchens. Nach eigenen Choreografien springend und tanzend werden sie von einem "Bajazz", der Zepter und Krone trägt, angeführt. Wirklich ein ausfallener Volksbrauch, den man in Hessen nicht vermutet.

Den jungen Männern, die auch die Frauenrollen verkörpern, treiben die Sprünge mit angezogenen Beinen und verschiedenen Drehungen den Schweiß auf die Stirne. Dem scheint ein wochenlanges Training vorauszugehen. Auch wenn die Beine der Springer am Ende des Umzuges schwer geworden sind und der Muskelkater quält, tragen sie zur Begeisterung der Narren bei.

Im Museum erfahre ich, dass bereits Mitte des 17. Jahrhunderts der Springerzug seinen Anfang nahm. Katholische Wanderhandwerker aus Tirol waren damals ausgezogen, um in möglichst katholischen deutschen Gemeinden Arbeit zu finden und hatten diese Tradition in den einzigen katholischen Ort des Vogelsberges mitgebracht. Sicher wahrscheinlich einer der ältesten Fastnachtsbräuche Deutschlands und ein Stück romantischer Folklore in Erinnerung an die Tiroler Wandergesellen.
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Oberhessische Presse | Erschienen am 16.02.2013
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2 Kommentare
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Rainer Güllich aus Marburg | 11.02.2013 | 17:58  
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Peter Gnau aus Kirchhain | 11.02.2013 | 22:47  
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