Bündnis startet Petition gegen Schnellweg-Ausbau in der Leinemasch

Im Gebiet der Ricklinger Teiche müssten für den vorgesehenen Ausbau des Schnellwegs unter anderem rund 1.000 Bäume gefällt werden. (Foto: Daggi Meyer)
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  • Im Gebiet der Ricklinger Teiche müssten für den vorgesehenen Ausbau des Schnellwegs unter anderem rund 1.000 Bäume gefällt werden. (Foto: Daggi Meyer)
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Zwölf Verbände und Initiativen aus Hannover haben sich zu einem „Bündnis gegen den Ausbau des Südschnellwegs“ zusammengeschlossen. Im Dezember starteten sie auf der Internet-Plattform „WeAct“ eine Petition. Schon in der ersten Woche kamen fast 5.000 Unterschriften zusammen; die Sammlung läuft zunächst unbefristet weiter. 2021 will das Bündnis auch Protest-Aktionen vor Ort durchführen.



Mit 25,60 statt bisher 14,50 Metern soll der neue Südschnellweg durch dieLeinemasch nach der derzeitigen Planung fast doppelt so breit werden wiebisher – um am Ende, nach etwa sieben Jahren Bauzeit, deutlich mehr Pkw und Lkw auf dem betroffenen Abschnitt zu verkraften. Durchschnittlich würden an Werktagen dann zusätzlich 15.000 Autos auf dieser Strecke fahren, so die Prognosen des Landes. Auch für die von denPlanenden gewünschte Fahrgeschwindigkeit von 100 km/h müsste die Straße breiter werden als für Stadtverkehr-Tempo. „Wir brauchen keine Autobahn durch die Leinemasch“, sagt dagegen das neue Bündnis. „Der Südschnellweg muss saniert, aber er darf nicht ausgebaut werden. Wir fordern für die Trasse durch die Leinemasch eine neue Planung.“

Von dem bisher geplanten Ausbau wären Uferbereiche und Liegewiesen von Fisch- und Badeteichen, Kleingärten, der Vermehrungsgarten, das Außengelände der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule, diverse Sportplätze von vier Sportvereinen und weitere Flächen betroffen. Etwa 1.000 Bäume müssten gefällt werden. Der Grundwasserspiegel würde sich verändern. Viele Auswirkungen sind in einer 36-seitigen Stellungnahme der Stadt Hannover zu dem Vorhaben beschrieben. Dort heißt es zum Beispiel: "Durch die Verbreiterung des SSW gehen baubedingt und anlagebedingt Liegewiesen sowie sicht- und lärmabschirmende Gehölzflächen am Siebenmeterteich in großem Umfang verloren. Es kommt zu einem vollständigen Verlust der Gehölzkulisse auf der Südseite des SSW mit einer erheblichen Beeinträchtigung der Naherholungsfunktion, die durch Bepflanzungen erst in einem Zeitraum von 15 bis 20 Jahren ausgeglichen werden wird."

Ja zum Tunnel, aber Trasse durch die Leinemasch neu planen

Der Protest richtet sich nicht gegen das Tunnel-Teilstück in der Planung. Das Bündnis fordert, dass Planfeststellungsverfahren für den Tunnel und für die Trasse durch die Leinemasch zu trennen. Aktuell läuft dieses Verfahren bei der dafür zuständigen Region Hannover. Die alte Schnellwegbrücke über die Hildesheimer Straße darf nur noch bis 2023 genutzt werden, ein provisorischer Ersatz muss während des Tunnelbaus schon vorhanden sein. Werden die Verfahren getrennt, könnte der Bau des Tunnels ohne Verzögerung beginnen, während die Trasse durch die Leinemasch neu geplant wird. Das Bündnis fordert dort auch einen hochwassersicheren Radweg anzulegen sowie gute Querungsmöglichkeiten für den Radverkehr.

Unter den Bündnis-Initiativen und -Verbänden aus Verkehr, Klima- und Naturschutz sind ADFC aus Stadt und Region, der BUND und VCD Region Hannover, NABU Hannover und die örtliche Fridays-for-Future-Bewegung. Auch die Grünen aus Stadt und Region Hannover sowie Hemmingen und Ronnenberg unterstützen das Bündnis.

Die bisherigen Pläne sieht das Bündnis als Ausdruck einer rückständigen Verkehrspolitik und als Beginn für weitere im Bundesverkehrswegeplan vorgesehenen Ausbauten in der Region Hannover: „Der Schnellweg ist dabei ein Teilstück beim Ausbau der B 65 zwischen Bad Nenndorf und Peine, der eine vierspurige ,Autobahn B 65’ bis zur A 7 entstehen lässt - mit gravierenden Folgen für Natur und Klima.“

Die Petition richtet sich an den Bundesverkehrsminister, wirbt aber bei dem Regionspräsidenten und Hannovers Oberbürgermeister sowie beim Rat der Stadt und bei der Regionsversammlung um Unterstützung. „Für eine Verkehrswende brauchen wir eine drastische Reduzierung des Autoverkehrs und endlich ein Umdenken in der Verkehrspolitik“, sagt Mobilitätsexpertin Swantje Michaelsen vom ADFC, die im Herbst auch als Kandidatin der Grünen zur Bundestagswahl antritt. „Wenn der Bundesverkehrsminister das Pariser Klimaschutzabkommen ernst nimmt, darf er derartige Ausbauvorhaben nicht mehr durchführen."

Weiterlesen:

Im Gebiet der Ricklinger Teiche müssten für den vorgesehenen Ausbau des Schnellwegs unter anderem rund 1.000 Bäume gefällt werden. (Foto: Daggi Meyer)
Das Bündnis aus Hannover sammelt Unterschriften unter diesem Link: https://weact.campact.de/petitions/keine-autobahn-durch-die-leinemasch
Bürgerreporter:in:

Annette Volland aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode

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