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Neue kleine Mahnmale gegen das Vergessen

  • Schülerinnen der IGS Linden singen, begleitet von einem Gitarrenspieler, das berühmte Lied: "Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor". Das Lied wurde ursprünglich von Häftlingen des KZ Börgermoor bei Papenburg/Ems gesungen. Rechts Hannovers OB-Kandidat Stefan Schostok (SPD).
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Am 12. Juni 2013 wurden in den hannoverschen Stadtbezirken Buchholz-Kleefeld, Mitte, Linden-Limmer und Vahrenwald-List 18 weitere Stolpersteine für Bürgerinnen und Bürger verlegt, die unter der NS-Diktatur zu leiden hatten.
Vier Verlege-Orte in Linden und List sollen näher betrachtet werden.

Besonders feierlich gedachte man in Linden der Geschwister Lenzberg. Vor deren letztem Wohnsitz Beethovenstraße 10 berichtete die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Thela Wernstedt, umrahmt von Schülerinnen und Schüler der gegenüber liegenden Integrierten Gesamtschule Linden Sek II, aus dem Leben von Marie und Gertrud Lenzberg, die am 8. August 1938 nach Angaben eines Zeitzeugen durch Freitod aus dem Leben schieden, vermutlich wegen gegen sie gerichtete Aktionen der Nationalsozialisten. Die Beschlagnahme bzw. Arisierung der Steppdeckenfabrik Gebrüder Lenzberg & v. d. Walde, Fössestraße 79, Inhaber: Geschwisterpaar Lenzberg und Bruno v. d. Walde, könnte ein Grund gewesen sein. Marie, geboren 1886, war mosaischen Glaubens (im weiteren Sinne jüdisch), die vier Jahre jüngere Gertrud besaß laut Melderegister die evangelische Konfession (durch Konvertierung?).
Schülerinnen der IGS Linden übernahmen die Patenschaft der Stolpersteine. Dr. Karljosef Kreter, Leiter des Projekts „ Erinnern und Zukunft“, überreichte ihnen eine „Blackbox der Erinnerung“

Nächster Halt: Gabelsbergerstraße 10/List.
Ein Stolperstein für Marie Sternheim. Sie, geboren am 18. Juli 1874 in Hannover, war, wie Marie Lenzberg, Jüdin mosaischen Glaubens. 1934 zog sie in das Altenheim der Heinemannstiftung in Kirchrode. Anfang September 1941 wurde diese Senioreneinrichtung zum Massenquartier für jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger umfunktioniert (Ghettoisierung der Juden in “Judenhäuser“). Es war häufig ihre letzte Station vor der Deportation in die Vernichtungslager, siehe auch:
http://www.myheimat.de/hannover-mitte/politik/emmy...
Und so geschah es auch am 15. Dezember 1941 mit Marie Sternheim. „Riga abgeschoben“, so der handschriftliche Vermerk im Melderegister. Zynischer geht es kaum noch. Sie überlebte Riga nicht:
http://www.myheimat.de/hannover-mitte/politik/das-...

Nicht weit entfernt, quasi um die Ecke, wurden vor dem Haus Ferdinand-Wallbrecht-Straße 34 drei Stolpersteine für die jüdischen Schwestern Paula Jacobson (*25.1.1878) und Anna Edersheim (*4.3.1880), beide geborene Redelmeier, sowie Adolf Meyer (*20.6.1859), ebenfalls Jude, verankert. Die Finanzierung übernahm die Hausgemeinschaft Fe-Wa-Str. 34. Man wolle, so deren Sprecher Prof. Dr. Peter Rautmann*, mit den 3 Stolpersteinen den ehemaligen jüdischen Hausbewohnern ein ehrendes Andenken setzen.
*http://www.myheimat.de/hannover-bothfeld/kultur/li...
Leider fällt auch auf dieses Gebäude ein dunkler Schatten. Es wurde in den Jahren 1934-1936 „entjudet“, damals hatte es noch die Hausnummer 18.
Paula Jacobson und Anna Edersheim „verfrachtete“ man in das Haus Podbielskistraße 38. Hier lebten viele jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger, unter anderen auch Ida Danziger, siehe auch:
http://www.myheimat.de/hannover-mitte/kultur/ida-d...
Im April 1939 verließen die Schwestern Deutschland und übersiedelten nach Holland (Anna besaß die holländische Staatsbürgerschaft). Es nutzte ihnen nichts. Am 10. Mai 1940 besetzte Nazi-Deutschland die Niederlande. Im Juli 1943 verließ ein Deportationszug das Sammellager Westerbork mit dem Ziel „Vernichtungslager Sotibor“. Für Paula Jacobson und Anna Edersheim war es eine „Reise“ in den Tod, vermutlich wurden sie noch am Tag ihrer Ankunft (16. Juli) ermordet.
Auch Adolf Meyer, der ursprünglich Abraham Meier hieß, verließ 1934 das Haus Ferdinand-Wallbrecht-Straße 18 und zog in die Steinmetzstraße 11. Nächster Wohnsitz war für ihn, inzwischen mit dem zusätzlichen Vornamen „Israel“ versehen (Jüdinnen bekamen lt. einer Verordnung der Nationalsozialisten vom 31. Januar 1939 den Vornamen „Sara“), die Große Packhofstraße 43. Am 5. September 1941 erfolgte die Zwangseinquartierung in das „Judenhaus Ohestraße 8“. Am 23. Juli 1942 Deportation vom Bahnhof Linden-Fischerhof nach Theresienstadt. Kurz darauf verstarb er im Alter von 83 Jahren.

Letzter Anlaufpunkt war das Haus Richard-Wagner-Straße 22 (alt: 7).
5 Stolperstein-Würfel wurden vom Stolperstein-Initiator Gunter Demnig für das Ehepaar Rudolf und Lilly Herzberg und deren Kinder Nanny, verheiratete Ronsheim, Bernhard und Ruth, verh. Lang einzementiert.

Ihre Schicksale:

Rudolf *1.1. 1881, Groß-Kaufmann und Lilly Herzberg, geb. Cohen *22.1.1886, mussten 1935 ihr Wohnhaus Richard-Wagner-Straße 7 verlassen. Rudolf verbrachte einige Zeit im KZ Buchenwald. Nach einigen Umzügen gelang dem Ehepaar am 1. September 1941 die Flucht mit einem der letzten Auswanderungs-Transporte für Juden. Über Portugal, Kuba, New York ging es nach Südafrika (1970). 1974 verstarb Rudolf in Kapstadt, seine Ehefrau Lilly folgte ihm 7 Jahre später.
Nanny Herzberg *15.3.1908, verh. Ronsheim, gelang 1934 die Flucht nach Südafrika.
Ruth Herzberg *21.6.1909, verh. Lang, verließ 1933 Deutschland. Sie starb 1936 in Tschechien. Ihr Ehemann wurde in Auschwitz ermordet.
Ruths Zwillingsbruder Bernhard emigrierte im Jahr 1933 nach Südafrika. Dort engagierte er sich gegen Apartheid. 1985 übersiedelte Bernhard Herzberg mit seiner Frau nach England und begann im Alter von 82 Jahren zu studieren. Er machte Abschlüsse in „Deutsche Literatur, „refugee studies“ und „Afrikanische Geschichte und Politik“. Als ob es nicht schon genug wäre, mit 96 promovierte er über Apartheid. Zwei Jahre später starb Bernhard Herzberg in London. Was für ein Leben, das aber anders hätte verlaufen können, wenn…)).

Heute leben wieder Juden im Haus Richard-Wagner-Straße 22 , schöner könnte sich kein Kreis schließen.

Quelle:
http://www.erinnernundzukunft.de/

  • Schülerinnen der IGS Linden singen, begleitet von einem Gitarrenspieler, das berühmte Lied: "Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor". Das Lied wurde ursprünglich von Häftlingen des KZ Börgermoor bei Papenburg/Ems gesungen. Rechts Hannovers OB-Kandidat Stefan Schostok (SPD).
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  • Familie Herzberg kam zur Stolperstein-Verlegung. Von links: Marion, Andre, Vera, Wolfgang und Paul. Kniend: Gunter Demnig. Paul Herzberg ist der Sohn von Bernhard Herzberg. Marion, Andre, Vera und Wolfgang sind die Kinder von Hans Herzberg, der wiederum der jüngste Sohn von Rudolf und Lilly Herzberg ist. Für Hans Herzberg wurde kein Stolperstein verlegt.
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  • Vor dem Haus Ferdinand-Wallbrecht-Straße 34. Ganz links Prof. Rautmann.
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  • Beethovenstraße 10. Unter den Besuchern sind zu u. a. erkennen: CDU-Mitglied Jürgen Wessel, Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube, Die Grünen, OB-Kandidat Stefan Schostok, SPD, stellvertretender Bezirksbürgermeister Stefan Müller, die Linke (neu: SPD)
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  • Gunter Demnig bei der Arbeit (Beethovenstraße 10).
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  • Dr. Thela Wernstedt, SPD, (Bildmitte) berichtet aus dem Leben der Lenzberg-Schwestern. Neben ihr steht Hannovers OB-Kandidat Stefan Schostok, SPD.
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  • Studiendirektor Harrie Müller-Rothgenger, IGS Linden, begrüßt die Anwesenden vor dem Haus Beethovenstraße 10.
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  • IGS-Schülerin Lena Mende trägt, zusammen mit einer Mitschülerin, das Gedicht: "An die Nachgeborenen" von Berthold Brecht vor.
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  • Stolpersteine für Marie und Gertrud Lenzberg.
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  • Haus Gabelsbergerstraße 10.
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  • Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig bereitet die Verlegung vor dem Haus Gabelsbergerstraße 10 vor, keine leichte Arbeit.
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  • Stolperstein-Patin Barbara Kirsch "Erinnern ist unglaublich wichtig, die Zeitzeugen sterben aus" aus der List (linke Bildmitte) berichtet über Marie Sternheims Leben.
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  • Stolperstein für Marie Sternheim.
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  • Haus Ferdinand-Wallbrecht-Straße 34.
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  • Für Karljosef Kreter war Fe-Wa-Str. 34 die 7. Stolperstein-Verlege-Station, die er zu betreuen hatte. Kein leichter Parcours für ihn, rechts Prof. em. Rautmann.
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  • Hausbewohner Prof. Dr. Peter Rautmann erklärt den Anwesenden die Beweggründe für eine Stolperstein-Verlegung.
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  • Es wird an Paula Jacobson, Anna Edersheim und Adolf Meyer erinnert.
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  • Haus Richard-Wagner-Straße 22.
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  • Feier vor dem Haus Richard-Wagner-Straße 22. Neben Mitgliedern der Familie Herzberg waren auch Dr. Peter Schulze und Hans-Jürgen Hermel anwesend.
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  • Stolpersteine für Rudolf und Lilly Herzberg (Eltern) Nanny Ronsheim, Bernhard Herzberg und Ruth Lang (Kinder).
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4 Kommentare

Danke, Christa und Jürgen. Kisch ist ziemlich weit weg, "Rasender Reporter" gefällt mir schon eher, manchmal ist das so, Jürgen, Du hattest es am Mittwoch erlebt.

Ein schöner und ausführlicher Bericht über die Stolpersteinverlegung. Die umfangreiche Bildergalerie gibt den Lesern einen so guten Einblick, als ob sie selbst dagewesen wären. Und alles – wie man es von Bernd gewohnt ist – schnell auf myHeimat gestellt. „Der rasende Reporter“ – bei Bernd Sperlich ist diese Aussage zutreffend.

Vielen Dank, Thorsten Bachmann. Lob aus berufenem Munde tut sehr gut.

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