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Naturdenkmale in Hannovers Norden: Die Findlinge von Marienwerder sind 800 Kilometer weit gereist

Findlinge in Marienwerder
 
Die "Kronprinzen"-Eichen im Georgengarten.
Hannover: Marienwerder u.a. | Vor 200.000 Jahren machten sie sich auf den weiten Weg nach Hannover-Marienwerder: Vier dicke Brocken aus Granit wurden von den Gletschern der Eiszeit aus Smáland in Südschweden rund 800 Kilometer weit bis vor die Tore der späteren Stadt Hannover geschleppt. Die steinernen Zuwanderer aus Skandinavien haben ein ehrwürdiges Alter. 1.500 Millionen Jahre überstanden die Findlinge bereits. Heute gehören sie zu den über 40 Naturdenkmalen im Stadtgebiet von Hannover. Wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit oder wegen ihrer Bedeutung für Wissenschaft, Natur- und Heimatkundewerden sie von Gesetzes wegen geschützt. 16 dieser vom Gesetz geschützten Naturschöpfungen gibt es im Norden von Hannover – Stand 1992.


Vor nun beinahe drei Jahrzehnten verfasste ich einen Text zu den Naturdenkmalen im Stadtgebiet. Diesen Text stelle ich jetzt hier – nach und nach - auf myHeimat vor. Hier geht es jetzt um das nördliche Stadtgebiet. Ob noch alle damaligen Naturdenkmale vorhanden sind, habe ich nicht kontrolliert. Ebenso wenig bin ich der Frage nachgegangen, ob eventuell das eine oder andere Naturwunder zwischenzeitlich die Liste ergänzt hat. Schön wäre es indes, wenn MyHeimatler aus Hannover vielleicht einmal vor ihrer Haustür nachschauten und aktuelle Informationen und Ergänzungen dann als Kommentar zu diesem Bericht veröffentlichen würden.

Vor allem Bäume mit einem besonders schönen Wuchs haben sich einen Platz auf der Liste der Naturdenkmale gesichert. Bei dieser Schönheitskonkurrenz der Natur liegen Buchen und Eichen mit der Nase vorn. Eine Blutbuche im Georgengarten reckte sich in rund 250 Jahren 25 Meter empor und erreichte einen Stammumfang von 360 Zentimetern. In ihrer Nachbarschaft machten die Naturschützer der Stadtverwaltung 1986 eine besonders schöne und in ihrer Zusammensetzung seltene Buchengruppe aus. Eine Hainbuche und zwei sogenannte „geschlitzblättrige“ Buchen strecken dort seit 300 Jahren ihre Wurzeln aus. Ihr besonders hübscher Wuchs verhalf den Trauerbuchen an der Jägerstraße 16a und neben dem Vahrenwalder Tiergesundheitsamt ebenso zur Ehre eines Naturdenkmals wie die Buche im Quantenholz von Marienwerder.

In Vinnhorst beherrschen dagegen Eichen das Feld. Gleich drei dieser Bäume auf den Grundstücken Fischteichweg 1, Wischkämpe 4 und in Alt-Vinnhorst prägen als besonders prächtige Exemplare ihrer Art das Straßenbild. Eine weitere Eiche hat sich die Voltmerstraße 45 als Heimat ausgesucht und sorgt nun dafür, dass auch Hainholz zu den Stadtteilen mit „schützenswerten Naturschöpfungen“ gehört.

Weit abgeschlagen finden sich noch Vertreter anderer Baumarten in der Liste der Naturdenkmale. Eine 100jährige (wie gesagt, Stand des Textes ist 1992) „fraxinus excelsior“, wie die Esche wissenschaftlich heißt, wächst vor dem Grundstück Stöckener Straße 71, und am Kloster Marienwerder wurden bereits 1934 zwei damals 350 Jahre alte Linden zum Naturdenkmal erklärt.

Eine Reihe von Bäumen steht auch aus historischen Gründen unter dem Schutz des Gesetzes. Eine Freude für Monarchisten dürften vor allem zwei Eichen im Georgengarten sein. Sie wurden 1839 zum 20. Geburtstag des damaligen Kronprinzen Georg von Hannover gepflanzt. Bäume sind aber auch Zeugen der dörflichen Vergangenheit der hannoverschen Stadtteile. So erinnert die Eiche am Borsigweg noch an die ehemalige Weidelandschaft rund um das Dorf Vahrenwald und eine Rotbuche auf dem Grundstück Rotermundstraße 24 markiert die Hofstelle der alteingesessenen Vahrenwalder Bauernfamilie Rotermund. Fünf schöne Kastanien von der Alle zum einstigen Dorfschulhaus Vahrenwalds.

Nicht immer reichen die Naturschutzbestimmungen aus, ihre behüteten Objekte tatsächlich der Nachwelt zu erhalten. Verschwunden ist ein Findling vom Grundstück Stöckener Straße 267b, der schon 1938 zum Naturdenkmal bestimmt wurde. Als der Autor 1992 für diesen Beitrag recherchierte, war selbst der Naturschutzbehörde das Schicksal des Steines unbekannt. „Vielleicht kann ja ein Leser noch einen Hinweis geben“, hoffte seinerzeit der damalige Leiter der Behörde Broder Thomsen.

Soweit mein Bericht aus dem Frühjahr 1992.

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2 Kommentare
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 01.08.2019 | 06:06  
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Rainer Bernhard aus Seelze | 04.08.2019 | 21:27  
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