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Wolkenbruch und Donnerschlag beim Christopher-Street-Day in Oldenburg 2012

    Schon in aller Frühe packten die Mitfrauen und –Männer des gemeinnützigen Vereins „TransBorderLes e.V.“ Zelt, Tische, Stühle, Plakate und Bücher in ihre Autos, um rechtzeitig den Schlossplatz in Oldenburg erreichen zu können. Nach äußerst feuchter Anreise – die Wettergöttin hatte mal wieder kräftig Segen gespendet –, wurde schnellstmöglich der Stand aufgebaut, um alle Habseligkeiten vor der alles durchdringenden Nässe zu schützen.
Kaum war alles eingeräumt und verstaut, kamen auch schon die ersten Interessierten an den Stand, um sich über die Themen des Vereins zu informieren. Sofort waren der Lebensberater, Schmerztherapeut und Autor Hans Georg van Herste und sein Team zur Stelle, um aufzuklären und den einen oder anderen wertvollen Tipp zu geben.
Als vor vielen Jahren der Verein zum ersten Mal den CSD in Oldenburg besucht hatte, wurden seine Themen noch von vielen Besuchern abgelehnt. Man erklärte den Vereinsmitgliedern, dass Homo-, Trans- und Intersexuelle nichts mit sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt zu tun haben wollten. Diese Themen würden nicht zu einem Christopher-Street-Day passen. Hier wolle man Spaß haben und nicht über solch Schlimmes reden. Der Verein ließ sich allerdings nicht vertreiben und gehört heute zum festen Bestandteil der Veranstaltung. Es wird natürlich nach wie vor über Homo-, Trans- und Intersexualität aufgeklärt, aber der Hauptschwerpunkt liegt mittlerweile auf den zuvor abgelehnten Themen. Inzwischen suchen über 75% der fast ausschließlich weiblichen Standbesucher Hilfe im Bereich des sexuellen Kindesmissbrauchs, da natürlich auch Homo-, Trans- und Intersexuelle Opfer von Übergriffen werden können.
Diesmal wurde obendrein zum ersten Mal eine lehrreiche Unterhaltung angeboten. Hans Georg van Herste hatte zehn Fragen rund um seine Themengebiete zusammengestellt und ein Quiz daraus gemacht, das überaus große Beachtung fand. Viele Mitmacherinnen staunten nicht nur über die große Anzahl von Autoren, die van Herste unter Vertrag hat, sondern auch über die gewaltigen Zahlen, die abgefragt wurden. Entsetzen machte sich Allerorten breit, als klar wurde, dass jedes dritte Mädchen und jeder fünfte Junge Opfer von sexuellem Missbrauch wurden und werden, dass auch heute noch etwa 3000 kleinen Mädchen im Säuglingsalter die Klitoris chirurgisch entfernt wird, da diese angeblich nicht der „Norm“ entspricht, dass z. B. in den USA wieder Stimmen laut werden, die eine gesetzlich vorgeschriebene Mädchenbeschneidung fordern, um die Keuschheit zu gewährleisten und Krankheiten zu verhindern. Etwa zwanzig Frauen hatten dann doch genug Kenntnisse, um einen der wertvollen Buchpreise zu gewinnen. Alle ließen sich den korrigierten Quizbogen mitgeben, um in sich in aller Ruhe noch einmal informieren zu können.
Trotz aller Ernsthaftigkeit kam natürlich auch der Spaß nicht zu kurz. Obwohl es zeitweise wie aus Kübeln schüttete, ließ sich niemand die Laune verderben. Während der Autor Frido van de Visser über seine Kindheit in Rotterdam und den sexuellen Missbrauch in Heimen und Pflegefamilien erzählte, ließen es sich die Autorinnen Margaretha & Michaela Main nicht nehmen, ein Tänzchen zu wagen.
Großer Dank gilt den Organisatoren und vielen fleißigen Helfern, die keine Mühe scheuten, um allen Besuchern einen schönen Tag zu ermöglichen.
Erst als die Tropfen endgültig Blasen auf dem Pflaster schlugen, packte das TransBorderLes-Team ein, um nach etwa neunzig Minuten Fahrt das Stammlokal „Kluster Hof“ zu erreichen, um dort den sehr erfolgreichen Tag gemütlich und kulinarisch verwöhnt ausklingen zu lassen.
Agnese Stankuse aus Lettland dazu:
„Ich war zum ersten Mal in meinem Leben bei einem CSD dabei. In Lettland habe ich einmal eine Veranstaltung der Lesben und Schwulen besucht, bin aber gleich wieder gegangen, da wir von allen Seiten angegriffen wurden. Die Aggressivität unserer Gegner war so hoch, dass es immer wieder zu Übergriffen kam. Die Leute dort wollen einfach nicht begreifen, dass Homo-, Trans- und Intersexualität angeboren sind, also genetisch bedingt, und keine Perversität. Die Kirche macht allerorten mobil gegen uns, vielleicht auch um vergessen zu machen, was sie selbst veranstaltet.
Natürlich läuft es Deutschland noch lange nicht optimal, aber doch wesentlich besser als in Lettland. Was mich teilweise wirklich umgehauen hat, war die Uninformiertheit vieler Besucher. Viele wussten nicht, wie verbreitet sexueller Missbrauch und häusliche Gewalt sind oder in wie vielen Ländern Homo- und Transsexuelle verfolgt, bestraft oder sogar ermordet werden. Vielleicht sollte man auch in Deutschland mal hin und wieder über Tellerrand schauen und sich nicht auf bereits Erreichtem ausruhen. Es gibt noch viel Elend auf der Welt und meistens sind es die Frauen, die darunter leiden, die alles ausbaden müssen, obwohl sie selbst nie Kriege anzetteln oder zu anderen aggressiven Taten auffordern. Bei TransBorderLes fühle ich mich gut aufgehoben. Diese Menschen reden nicht nur. Sie tun etwas.“

Infos:
www.transborderles.de
www.van-herste.de

Buchtipps

Hans Georg van Herste
Das Borderline-Syndrom – Leben zwischen Licht und Schatten – Die Volksseuche sexueller Kindesmissbrauch und ihre Folgen
ISBN: 9783837095593
Das Mutter(un)tier – Frauen als Täterinnen im Bereich sexueller Kindesmissbrauch
ISBN: 9783837093926
Der wahre Traum von Freiheit – Die Geschichte der Johanna – Hilfe für Menschen zwischen den Geschlechtern
ISBN: 9783839105979
Frido van de Visser
Meine Kindheit in Rotterdam – Eine Odyssee durch Heime und Pflegefamilien begleitet von sexueller und körperlicher Gewalt
ISBN: 9783844800296
Lena Birkthal – Leben im Matriarchat
Tochter aus reichem Haus stößt auf ein dunkles Familiengeheimnis und erforscht daraufhin das Leben im einstigen Matriarchat. Unglaubliche Geschichten aus der Geschichte der Frau.
ISBN: 9783839120385
Taschenbuch – ISBN: 9783839147849
Life in the Matriarchy – ISBN: 9783839168554
E-Book – 9783842304826
Viktoria Grantz – Mein Vater, der Diakon
Ein evangelischer Diakon missbraucht mit Wissen seiner Frau seine Töchter und stellt sie Kollegen zur Verfügung. Ein grausiger Blick in den Abgrund einer gestörten Psyche.
ISBN: 9783839133620
My Father, the Diacon – ISBN: 9783842376427
E-Book – 9783844866506
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