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Thema „Transsexualität“ im Fachgymnasium Buxtehude

Um seine Schülerinnen und Schüler auf das wahre Leben vorbereiten zu können, lässt es sich der Lehrer und Koordinator der gewerblich-technischen Abteilung der berufsbildenden Schulen in Buxtehude, Herr Ulrich Stahl, nicht nehmen, auch nicht alltägliche Themen genauer zu durchleuchten.

Aus einem Themenpool hatten sich die Zwölftklässler des Fachgymnasiums der Fachrichtungen Gesundheitswesen und Technik das Thema „Transsexualität“ ausgesucht. Um seine Schüler umfangreich informieren zu können, hatte Ulrich Stahl im Internet recherchiert und war auf den Lebensberater, Autor und Filmemacher Hans Georg van Herste gestoßen, der seit über dreißig Jahren Homo-, Trans- und Intersexuelle berät und begleitet.

Pünktlich um 15.30 Uhr betrat Herr van Herste begleitet von zwei Frauen das Klassenzimmer. Nach eine kurzen Begrüßung begab er sich an die Tafel, um seinen jungen Zuhörerinnen und Zuhörern das für Laien etwas komplizierte Feld der Transsexualität näherzubringen. Transsexuelle sind im Gegensatz zu Transvestiten oder Drag-Queens Menschen, die z. B. in einem männlichen Körper geboren wurden, aber wie eine Frau fühlen und auch als solche leben wollen. Transsexuelle möchten nicht auffallen, sondern z. B. als Frau unter Frauen ein ganz normales Leben führen.
Anschließend informierte van Herste über die drei Arten der Transsexualität, die einzeln oder in Kombinationen vorkommen können. Zum einen gibt es das chromosomale Geschlecht, also das Geschlecht, das durch die Chromosomen X für weiblich und Y für männlich bestimmt wird. Durch einen Fehler im Hormonsystem kann es vorkommen, dass zwar eine XY-Kombination vorliegt, sich aber trotzdem ein weiblicher Körper entwickelt. Als Drittes gibt es noch das gefühlte Geschlecht, das heißt, dass sich ein in einem männlichen Körper geborenes Kind als Mädchen fühlt.

Mit großer Neugier und noch größerem Erstaunen folgten die Anwesenden den Ausführungen des Experten. Niemand hatte zuvor von dieser Geschlechtervielfalt gehört und van Herste mahnte an, diese Informationen weiter zu verbreiten, um sowohl Homo-, Trans- als auch Intersexuelle aus der Kuriositätenecke zu holen. Diese Betroffenen sind weder krank noch pervers, werden aber heute leider immer noch von einem großen Teil der Bevölkerung als solche bezeichnet. Geschlechtsvarianten dieser Art sind angeboren, wie Haar- oder Augenfarbe.

Nachdem nach etwa einer Stunde die Theorie abgehandelt worden war, stellte van Herste die zwei Frauen vor, die ihn begleitet hatten. Großes Erstaunen setzte ein, als sich herausstellte, dass eine der Frauen, Frau Maria Wolff, eine Transsexuelle ist. Die Schülerinnen und Schüler hatten keine normal aussehende Frau erwartet, sondern eine schrille Drag-Queen, wie sie z. B. im Fernsehen gern gezeigt wird.


Maria Wolff berichtete ausgiebig von ihrem Werdegang. Schon als Kind, obwohl aus ihrer eigenen Sicht sehr männlich wirkend, war sie immer wieder für ein Mädchen gehalten worden. Auch später setzte sich dieses für sie völlig unerklärbare Verhalten ihrer Mitmenschen fort. Um möglichst männlich zu wirken, betrieb sie Kraft- und Radsport und trug die Haare sehr kurz. Allerdings nützte das wenig. Obwohl mit stattlichen Muskeln ausgestattet, passierte es immer wieder, dass sie als „Frau“ Wolff angesprochen wurde. Diese Diskrepanz führte dazu, dass ihre psychischen Probleme anwuchsen. Konzentrationsstörungen und Minderwertigkeitsgefühle steigerten sich dermaßen, dass sie psychologische Hilfe in Anspruch nahm, um diesem Teufelskreis zu entkommen. Sie konnte sich dadurch immer wieder stabilisieren, aber nie richtig glücklich werden.

1994 hatte sie auf Anraten einer Bekannten den ayurvedischen Lebensberater Hans Georg van Herste aufgesucht. Durch viele Gespräche kam im Laufe der Jahre mehr und mehr ans Tageslicht, dass Maria Wolff im eigentlichen Sinne weder krank noch pervers war, sondern einfach nur transsexuell. Nach weiteren Gesprächen und ersten Gehversuchen als Frau im Umfeld des Beraters, wurde Maria sich immer sicherer, dass sie ihr Frau-Sein nur verdrängt hatte. Nach und nach legte sie ihre – in Wirklichkeit nur gespielte – männliche Rolle ab und ging im Frau-Sein total auf. Inzwischen ist ihre Selbstsicherheit so groß, dass ihr Outing nun schon einige Zeit hinter ihr liegt und sie als IT-Managerin im Kollegen-, Kunden- und Bekanntenkreis voll akzeptiert wird.

Danach stellte van Herste die zweite Frau vor. Dabei handelt es sich um Meike Wolff, also die Ehefrau von Maria. Beide hatten schon 1995 geheiratet, also in einer Zeit, in der Maria noch Andreas hieß und auch sehr männlich aussah. Meike Wolff hatte die Probleme ihres „Ehemannes“ natürlich erkannt und ihn trotz allem durch die Jahre der Selbsterkenntnis und des Wandels begleitet. Sie selbst war Stück für Stück dahintergekommen, dass sie eigentlich eher Frauen zugeneigt war. Nachdem sie sich das eingestanden hatte, stellte die Wandlung von Andreas zu Maria keine Hürde mehr dar. Heute sind beide glücklich miteinander und mit sich selbst im Reinen.

Meike dazu:
„Ich habe Andreas nie als Versorger gesehen, da ich in leitender Position mein eigenes Geld verdiene. Obendrein habe ich ja nicht nur seinen Penis geheiratet, sondern den ganzen Menschen. Vielleicht wäre ich ohne Marias Transsexualität nie dahinter gekommen, dass ich selbst lesbisch bin. So hat sich der oft steinige Weg für uns beide gelohnt. Da Maria schon immer auf Frauen stand, passen wir gut zusammen. Ich kann die hohe Trennungsrate bei Transsexualität nicht nachvollziehen. Ich denke, dass viele Ehefrauen ihr vermeintliches Ansehen in ihrem Umfeld höher bewerten, als das Glück ihres Partners.“

Nach diesen Lebensberichten hagelte es Fragen über Fragen und sowohl van Herste, als auch Maria und Meike Wolff beantworteten offen alle bis ins Detail.

Obwohl gegen 18.30 Uhr das Thema Transsexualität abgeschlossen war, wurde van Herste nicht entlassen. Nun musste er aus seinem Leben erzählen. Wieso unterstützt er Homo-, Trans- und Intersexuelle? Wie hilft er Opfern von sexuellem Kindesmissbrauch und häuslicher Gewalt? Wieso hat er so viele Ausbildungen gemacht und ist dafür sogar nach Südkorea, Südafrika und Indien gereist? Was hat z. B. die Kirche gegen seine Arbeit einzuwenden? Wie ist der Verein TransBorderLes entstanden? Was bedeutet Ayur Veda? Die Uhr zeigte schon fast halb acht, als die drei Gäste mit großem Applaus verabschiedet wurden und eine bis oben hin mit neuen Informationen abgefüllte Schar verließ.

Hans Georg van Herste dazu:
„Herr Stahl hatte mich auf die Neugier seiner Schülerinnen und Schüler hingewiesen, aber ein dermaßen großes Interesse hatte ich nicht erwartet. Die Wachheit der Anwesenden, die trotz mehrstündigem Vortrag nicht nachließ, und die vielen Fragen haben diesen Nachmittag auch für mich zu einem Erlebnis werden lassen. Ich hoffe, dass viele Informationen hängengeblieben sind und die Anwesenden jetzt die von mir vertretenen Themen mit anderen Augen sehen als zuvor. Ich denke, wir konnten einige Vorurteile aus dem Weg räumen und Verständnis für die gar nicht einmal so kleine Zahl der Betroffenen wecken.“


Buchtipp:
Der wahre Traum von Freiheit – Ratgeber zum Thema Transsexualität und wahre Geschichten zweier Betroffener
ISBN: 9783839105979
Taschenbuch
100 Seiten
6,80 Euro
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