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Hält das Zelt? oder der ganz normale CSD-Wahnsinn

  Früh am Morgen des 15. Juni 2013 packten die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins TransBorderLes e.V. ihre Siebensachen, um zum Christopher-Street-Day Nordwest nach Oldenburg aufzubrechen. Über Landstraßen und Autobahnen ging es lustig dem Ziel entgegen.
Obwohl der Stand noch nicht ganz fertig aufgebaut war, kamen die ersten Wissensdurstigen herbei, um sich über die Themen „Homo-, Trans- und Intersexualität“ sowie „sexueller Missbrauch von Kindern und häusliche Gewalt“ zu informieren. Trotz des ersten kleinen Ansturms, wurde der Standaufbau schnell vorangetrieben, da sich der Himmel zwischenzeitlich gefährlich zugezogen hatte. Nun sollte sich das neue Zelt auf einen Schlag bezahlt machen.
Ein Sturm, begleitet von extremem Starkregen, war aufgezogen und pustete links und rechts einige Stände einfach um. Obwohl die TBLer hier und da helfend eingriffen, waren mehrere Stände nicht mehr zu retten. Noch ehe der Umzug den Schlossplatz in Oldenburg erreichte, war der CSD für ein paar Standbetreiber schon zu Ende.
Genauso plötzlich, wie der Himmel seine Pforten geöffnet hatte, war der Spuk vorbei. Die Wassermassen, die eben noch für nasse Füße gesorgt hatten, versickerten schnell und die Sonne brach durch die Wolken. Das erhöhte die Stimmung auf dem Schlossplatz erheblich und schon krochen alle wieder aus ihren Deckungen hervor.
Während auf der Bühne Homophobie und Diskriminierung angeprangert und später Abba-Songs zum Besten gegeben wurden, kamen die TBLer kaum zur Ruhe. Das mit Fragen rund um die TBL-Themen gespickte Bücher-Quiz lockte viele Interessierte an den Stand. Immer wieder stiegen kleine Rauchwölkchen auf, wenn die Quiz-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer über die Fragen nachdachten. Während einige fast gar nichts wussten, war der Großteil doch relativ gut informiert und so wechselten viele wertvolle Bücher den Besitzer.
Aber der Lebensberater, Autor und Herausgeber Hans Georg van Herste, die lesbische Autorin Margaretha Main und die Bestseller-Autorin Simone Petzold hatten nicht nur, wie in jedem Jahr, die Buchpreise gespendet, sondern standen natürlich auch für Gespräche bereit.
Brigitte Winkel, die 1. Vorsitzende von TransBorderLes e.V. dazu:
„Kaum war der Stand aufgebaut, mussten wir rennen, um Prospekte und Bücher trocken ins Innere zu befördern. Ich bin froh, dass wir uns vor drei Jahren einen neuen Stand geleistet haben. Der Alte wäre mit Sicherheit weggeflogen.
Das Interesse war groß und es hat mich gefreut, dass sich elf Leute bereit erklärt haben, den Verein zu vertreten. Viel weniger hätten es auch nicht sein dürfen, da viele an unseren Stand kamen, um sich zu informieren und am Quiz teilzunehmen.
Ich finde es nach wie vor erschreckend, wie viel Unsinn über Homo-, Trans- und Intersexuelle verbreitet wird, wie wir kämpfen müssen, um nur die staatlichen Grundrechte für uns erreichen.
Ich werde wohl nie verstehen, wie Menschen, die nur ihren angeborenen Neigungen folgen, ausgegrenzt werden, als hätten sie eine ansteckende Krankheit. Wieso sollen Homosexuelle keine Kinder adoptieren? Hat irgendeine Studie bewiesen, dass homosexuelle Eltern, schlechtere Eltern sind, als andere?
Ein Mann wollte mir weismachen, ein heterosexueller Junge würde bei zwei Männern als Eltern, schwul werden. Es sei doch klar, dass das abfärben müsste. Deshalb würde der russische Präsident Putin genau das Richtige tun, in dem er Gespräche mit homosexuellem Inhalt gegenüber Kindern verbieten lässt. Ich ließ ihn irgendwann einfach stehen, da eine sachliche Diskussion nicht möglich war.
Normalerweise versuche ich, Interessierten den realen Sachverhalt zu erläutern, aber in diesem Fall – leider nicht der einzige – lief jede Information ins Leere.
Plötzlich öffnete sich die Glastür, die zur Schlosshöfen-Passage führt. Zwei etwa zehnjährige Mädchen liefen hindurch und strichen interessiert um unseren Stand herum. Schnell kam die Mutter hinzu, packte ihre Töchter am Arm und riss sie mit den Worten „mit denen haben wir nichts zu schaffen“ mit sich fort und zurück in die Passage.
Diese Szene zeigt deutlich, wie viel Aufklärung noch nötig ist, um Betroffenen ein glückliches Leben zu ermöglichen. Wenn im Elternhaus, in Schulen und Kindergärten ausschließlich über Heteroverbindungen gesprochen und diese als einzig erstrebenswerte Lebensform nicht nur dargestellt, sondern regelrecht eingetrichtert wird, muss sich niemand wundern, wenn sich homosexuelle Kinder schmerzvoll anpassen müssen, um nicht schon in jungen Jahren ausgegrenzt zu werden.
Die Angst vor Homophobie ist weit verbreitet, genau wie die Angst der Betroffenen, erkannt zu werden. Wir haben viele Fotos gemacht, aber kaum jemand, den wir mitfotografiert hatten, wollte seine Neigung offen zugeben. Viele wunderschöne Bilder werden wir deshalb nicht veröffentlichen, da die Angst, danach diskriminiert zu werden groß ist – und das leider zu Recht. Um nicht völlig fotolos dazustehen, haben wir einige Leute unkenntlich gemacht, um ihnen ein böses Schicksal zu ersparen.
Ich danke Herrn van Herste von Herzen, da er es war, der uns – also den Vereinsmitgliedern, Freunden und Bekannten – ein glückliches Leben ermöglicht hat. Ohne ihn hätten wir uns nie getraut, unsere Neigungen offen auszuleben, uns unseren oft schrecklichen Erinnerungen zu stellen und diese aufzuarbeiten. Auch habe ich mich gefreut, dass Margaretha Main wieder mit dabei war. Sie hat keine Angst davor, erkannt zu werden, und zeigt immer wieder gern auf, dass eine lesbische Frau erfolgreich sein kann, obwohl ihre sexuelle Orientierung bekannt ist. Obendrein möchte ich mich bei den stets emsigen Vereinsmitgliedern bedanken. Was wäre eine 1. Vorsitzende ohne ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter?“

Infos unter www.transborderles.de

Als Buchtipp möchte ich auf die Reihe „Starke Frauen“ hinweisen. Mehrere Bestseller-Autorinnen haben sich zusammengeschlossen, um Frauen zu informieren, Mut zu machen und natürlich gut zu unterhalten.
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