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Großer Zuspruch für TransBorderLes e.V. auf dem Christopher-Street-Day in Hamburg

    Schon am frühen Morgen des 4. August 2012 trafen sich die Mitfrauen und –Männer des gemeinnützigen Vereins TransBorderLes e.V. in Bremervörde, um Zelt, Tische, Stühle und Infomaterial in die Autos zu verladen. Um die immer wieder auftretenden Staus auf den Autobahnen rund um Hamburg zu vermeiden, wurde auf diversen Nebenstrecken der Alster-Pavillon angesteuert.

Das Aufbauen des Standes verzögerte sich etwas, da der zugewiesene Platz stark mit festgetrocknetem Schmutz verunreinigt war. Erst nach einer Reinigung und dem Auslegen einer schnell besorgten Plane, konnte mit dem Aufbau begonnen werden. Das eingespielte Team ließ sich nicht beirren. Jeder Handgriff saß und so konnten bald die ersten Interessierten begrüßt und informiert werden.

Schon seit vielen Jahren ist das Interesse auf den CSDs an den Angeboten des Vereins groß, aber diesmal wurden alle Besucherrekorde weit übertroffen. Fast im Minutentakt strömten vor allem Transsexuelle und Opfer von sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt in den Stand, um ihre Sorgen und Nöte loszuwerden, um ihre Geschichten zu erzählen und um Rat einzuholen.
Was passiert während einer angleichenden Operation? Was muss ich beachten, wenn ich meinen Namen ändern lassen will? Können Eheleute verheiratet bleiben, wenn ein Ehepartner sich als Transsexueller outet? Kann sexueller Kindesmissbrauch der Grund für meine Albträume sein? Kann ich den Täter auch nach zwanzig Jahren noch anzeigen? Meine Mutter sagt, sie hat nicht gemerkt, dass mein Vater jede Nacht bei mir geschlafen hat. Kann jemand wirklich so fest schlafen? Stimmt es, dass in manchen Ländern Homosexualität mit dem Tode bestraft werden kann? Warum leben in Thailand mehr Transsexuelle als in Deutschland? Das Fragen wollte kein Ende nehmen.

Obendrein kamen die haarsträubendsten Geschichten auf den Tisch: „Ich habe mich als Lesbe geoutet. Jetzt hat mich mein Vater rausgeschmissen.“ „Ich habe meinen Eltern nach Jahren der Angst erzählt, dass ich kein Junge, sondern ein Mädchen bin. Mein Vater hat mir mit dem Kleiderbügel fast das Ohr abgeschlagen. Meine Mutter hat einen Heulkrampf bekommen und mir geraten, mich therapieren zu lassen, obwohl ich beiden erzählt habe, dass Transsexualität angeboren ist.“

Auch das TBL-Quiz erfreute sich großer Beliebtheit. Die Menge der Fragebögen reichte nur aus, weil noch fünfzig Exemplare nachgedruckt worden waren. Auch die Buchpreise gingen gegen Ende der Veranstaltung arg zur Neige.

Manuela aus dem Saarland:
„Ich bin den weiten Weg gefahren, weil ich mich in unserer Nähe niemals zu einem CSD getraut hätte. Meine Familie würde mich wahrscheinlich totschlagen, wenn sie wüsste, dass ich als Frau lebe und nicht als Mann. Ich habe versucht, mit ihnen über das Thema Transsexualität zu sprechen, wurde aber sofort abgewürgt. Mit solch einem perversen Gesocks will keiner etwas zu tun haben. Als ich dann durch das Internet erfuhr, dass Hans Georg van Herste in Hamburg dabei ist, habe ich mich entschlossen, herzufahren. Ich brauche einfach Leute, die mich verstehen. Natürlich gibt es auch im Saarland Selbsthilfegruppen, aber da traue mich nicht hin, weil ich Angst habe, dass meine Familie davon erfährt. Ist es nicht schlimm, dass man sich im 21. Jahrhundert mitten in Deutschland noch so verstecken muss?“

Große Wiedersehensfreude kam auf, als eine Abordnung des TS-Stammtisches aus Dort-mund den TBL-Stand besuchte. Im „Lili Marlene“, dem TS-Treff in Dortmund hatte Hans Georg van Herste nicht nur einen Vortrag gehalten, sondern auch schon manch lustige Stunde verbracht.

Erst gegen neun Uhr abends traf das TBL-CSD-Hamburg-Team, bestehend aus der transsexuellen Maria Wolff und ihrer Ehefrau Meike, Christine Sonnenberg, dem Autor Frido van de Visser, der Fotografin Anusha Pee, dem Autor, Lebensberater und Schmerztherapeuten Hans Georg van Herste, dem Autorinnenpaar Margaretha und Michaela Main, Agnese Stankuse aus Riga in Lettland, dem Missbrauchsopfer Horst Leitner, der 1. Vorsitzenden Brigitte Winkel und Anke Winter, der Mutter des Transmädchens Johanna, wieder in Bremervörde ein. Hans Georg van Herste hatte zu einem Essen geladen, um die hungrigen Mägen zu füllen und den turbulenten Tag noch einmal Revue passieren zu lassen.

Hans Georg van Herste:
„Der Ansturm war gigantisch. So eine Besuchermenge habe ich bisher nur auf Buchmessen erlebt. Einerseits macht es uns Freude, wenn wir helfen können. Andererseits finde ich es immer noch erschreckend, dass Homo- und Transsexuelle in unserem Lande ausgegrenzt und verhöhnt werden. Kinderschänder sind landauf und landab tätig, ohne dass wirklich etwas gegen sie unternommen wird. Immer noch werden Intersexuelle in eine Richtung operiert, ohne sie zu fragen. Wegsehen und Schweigen ist leider weit verbreitet, hilft aber nur den Tätern und bestimmt nicht den Opfern und Betroffenen. Ich kann den Frauen immer nur wieder sagen: haltet zusammen! Kratzt euch nicht gegenseitig die Augen aus, sondern unterstützt euch im Kampf gegen Missbrauch, Unterdrückung und Gewalt!“

Am Sonntag wurde für einige Vereins-Gäste noch eine Motorradausfahrt zur Schiffsanlegestelle Stader Sand organisiert. Bei sonnigem Wetter konnte eine entspannte Fahrt genossen werden. Obendrein waren einige Landratten darüber erstaunt, wie nah man hier Schleppern, Containerfrachtern und Kreuzfahrtschiffen sein konnte. Der Beifahrerinnenplatz auf der neuen Honda Deauville von Margaretha Main war heiß begehrt. Und so konnte auch dieser CSD erfolgreich abgeschlossen werden.

Infos
www.transborderles.de
www.van-herste.de

Buchtipps

Hans Georg van Herste
Das Borderline-Syndrom – Leben zwischen Licht und Schatten – Die Volksseuche sexueller Kindesmissbrauch und ihre Folgen
ISBN: 9783837095593
Das Mutter(un)tier – Frauen als Täterinnen im Bereich sexueller Kindesmissbrauch
ISBN: 9783837093926
Der wahre Traum von Freiheit – Die Geschichte der Johanna – Hilfe für Menschen zwischen den Geschlechtern
ISBN: 9783839105979
Frido van de Visser
Meine Kindheit in Rotterdam – Eine Odyssee durch Heime und Pflegefamilien begleitet von sexueller und körperlicher Gewalt
ISBN: 9783844800296
Lena Birkthal – Leben im Matriarchat
Tochter aus reichem Haus stößt auf ein dunkles Familiengeheimnis und erforscht daraufhin das Leben im einstigen Matriarchat. Unglaubliche Geschichten aus der Geschichte der Frau.
ISBN: 9783839120385
Taschenbuch – ISBN: 9783839147849
Life in the Matriarchy – ISBN: 9783839168554
E-Book – 9783842304826
Viktoria Grantz – Mein Vater, der Diakon
Ein evangelischer Diakon missbraucht mit Wissen seiner Frau seine Töchter und stellt sie Kollegen zur Verfügung. Ein grausiger Blick in den Abgrund einer gestörten Psyche.
ISBN: 9783839133620
My Father, the Diacon – ISBN: 9783842376427
E-Book – 9783844866506
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