Anzeige

Brief an den Kanzlerkandidaten Martin Schulz

Sehr geehrter Herr Schulz!

Ich habe mich sehr über Ihrer Nominierung zum Kanzlerkandidaten gefreut, da ich Sie für einen intelligenten Mann aus dem Volk halte, der es auch ohne Abitur und Hochschulstudium weit gebracht hat. Ich halte Sie für unabhängiger, als die meisten Politiker, da Sie nicht von der Schulzeit an gleich in irgendwelchen Netzwerken der selbst ernannten Eliten hängengeblieben sind.

Ich hoffe, Sie lassen sich nicht ebenso korrumpieren, wie viele Ihrer Politikerkollegen, die nur für sich oder Ihre zahlende Klientel sorgen. Denn nachdem einer Ihrer Parteikollegen öffentlich verkündete, sein Freund sei ein lupenreiner Demokrat, obwohl man das kaum behaupten kann, und sich von ihm mit einem gut dotierten Pöstchen einkaufen ließ, war die SPD für mich, spätestens zu dem Zeitpunkt, gestorben. Wer dermaßen seine vor der Wahl angekündigten Ziele missachtet, ist für mich nicht glaubwürdig.

Ich hoffe, dass Sie die Themen unserer Zeit endlich einmal anpacken und die selbst ernannten Eliten in ihre Schranken weisen. Denn, wie kann es sein, dass Banker, die Milliarden verzocken, Banken in den Ruin treiben und sich obendrein noch exorbitante Boni zuschanzen, straflos davonkommen?

Wie kann es sein, dass ein Polizei-Chef ein Kinderbordell toleriert, die Ermittlungen gegen die Schuldigen behindert, Richter im Amt lässt, die offensichtlich in die Affäre verstrickt sind, und später Bundesminister wird?

Wie kann es sein, dass Kleinbetriebe vom Finanzamt bis zum Gehtnichtmehr gefilzt werden, während bei Großunternehmen nicht so genau hingesehen werden darf?

Wie kann es sein, dass Versicherungskonzerne ihre Seite eines Vertrages nicht einhalten müssen und auch damit davonkommen und Versicherungsnehmer mit diesem Verhalten in den finanziellen Ruin treiben?

Warum wird die Polizei kaputtgespart, muss unglaubliche Überstunden aufbauen und sich mit maroder und völlig überalterter Technik herumschlagen, während auf der anderen Seite unsere Steuern mit beiden Händen zum Fenster hinausgeworfen werden?

Wie kann es sein, dass Pharmaunternehmen, die aus reiner Profitgier die halbe Menschheit vergiften, Gesetzesvorlagen erstellen, die eins zu eins vom deutschen Bundestag übernommen werden? Und auch das Beispiel „Tank & Rast“ zeigt, dass der richtige Draht an der richtigen Stelle, Gesetze zugunsten eines Konzerns verändern kann. Früher war es gesetzlich geregelt, dass der Betreiber einer Kneipe oder eines Restaurants jedem Gast eine Toilette kostenlos zur Verfügung zu stellen hatte. Für „Tank & Rast“ wurde dieses Gesetz „angepasst“. Nun dürfen diese Leute Geld für die Toilettenbenutzung nehmen.

Wie kann es sein, dass Ärzte gesunde Menschen zu Kranken erklären, diese mit überflüssigen oder gar schädlichen Pillen vollstopfen, gesunde Brüste amputieren oder ebenso gesunde Gelenke austauschen? Oder glauben Sie wirklich, dass die Hüft- und Kniegelenke oder Bandscheiben deutscher Staatsbürger zwanzigmal schneller kaputtgehen, als die Gelenke der Niederländer, Dänen oder Belgier?

Früher regierten die Kirchen mit der Angst vor dem Fegefeuer oder der Angst vor Hexen. Später waren die Juden an allem Schuld. Heute regieren Ärzte und Pharmariesen mit der Angst vor Krebs, dem angeblich bösen Cholesterin oder Blutzuckerspiegel. Obendrein werden die Menschen mit ärztlichen oder pharmazeutischen Dauerwerbesendungen, wie z. B. „Der Bergdoktor“ oder „In aller Freundschaft“ zu Ärzten und in Krankenhäuser getrieben. Es wird sogar ein Krebsgen erfunden, um noch mehr gesunde Brüste und Gebärmütter entfernen zu können.

Aus welchem Grund müssen auf Zigarettenschachteln abscheuliche Bilder abgedruckt werden? Aus welchem Grund muss auf jeder Schachtel stehen, dass das Rauchen die Gesundheit gefährdet, wenn doch die Sterblichkeitsrate nachgewiesener Weise in Krankenhäusern oder durch ärztliche Fehldiagnosen um ein Vielfaches höher liegt? Wieso wird nicht vor jeder Arztpraxis, vor jedem Krankenhaus mit einem Schild vor den Risiken eines Besuches gewarnt?

Während Physiotherapeutinnen, Krankenschwestern oder Altenpflegerinnen sich den Buckel krumm arbeiten – und das oft für einen Hungerlohn –, stecken sich die Altenheim- oder Krankenhausbetreiber die Taschen voll. Während die Menschen, die unseren Wohlstand erst ermöglicht haben, in tristen Mehrbettzimmern vor sich hin vegetieren müssen, weil angeblich kein Geld da ist, werden Protzbahnhöfe oder Flughäfen aus dem Boden gestampft, die Unsummen verschlingen und völlig überflüssig sind. Wie kann das sein?

Warum werden heutzutage Homoehen der klassischen Ehe nach wie vor nicht gleichgestellt? Es ist seit Jahren erwiesen, dass Homo- und Transsexualität angeborene Neigungen sind. Dürfen dann irgendwann Rothaarige oder Braunäugige nicht mehr heiraten, weil irgendein psychisch kranker Kirchenmann etwas dagegen hat? Wieso gibt man genau diesen Leuten so viel Macht und auch Geld? Was tun die Kirchen für unser Wohl? Was hat das, was diese Leute tun und sagen, mit Moral zu tun?

Selbst auf lokaler Ebene laufen Bürgermeister herum, die zuvor über den mangelnden Naturschutz schwadroniert haben, um später einem Großkonzern die Ausbeutung gerade dieser Natur zu erlauben und plötzlich in der Lage sind, Baugrundstücke in bester Lage zu erstehen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Sehr geehrter Herr Schulz!
Ich hoffe, Sie werden niemals zu den Politikern gehören, die eine unter dem Kopfkissen in einem Hotelzimmer versteckte Rolex, einen im Bad – natürlich ganz aus Versehen – stehengelassenen Lederkoffer mit 100 000 Euro oder einem angebotenen gut dotierten Pöstchen über die Interessen des Volkes stellen, das Sie immerhin vertreten werden.

Ich bin viel in der Welt herumgekommen und war immer wieder froh, wenn ich heimischen Boden betreten durfte. Deutschland ist ein wirklich tolles Land, aber mir ist klar, dass das auf die Dauer nicht so bleiben wird, wenn sich nichts ändert. Ich habe keine Lust, in einem Land zu enden, in dem die Schreihälse das Sagen haben. Und genau das wird passieren, wenn wir weiterhin von Lobbyisten regiert werden.
Ich drücke Ihnen und uns die Daumen.

Viele Grüße sendet Ihnen
Hans Georg van Herste
0
4 Kommentare
5.118
Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 06.02.2017 | 11:34  
57.234
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 06.02.2017 | 15:57  
5.118
Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 06.02.2017 | 17:44  
57.234
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 07.02.2017 | 21:05  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.