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Ausflüge und Tanz in den Mai mit TransBorderLes e.V.

    Auch in diesem Jahr hatten die Mitfrauen und –Männer des gemeinnützigen Vereins TransBorderLes e.V. Lesben, Transsexuelle und Opfer von sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt zu einem vergnüglichen Wochenende eingeladen.

Am Samstag, den 28. April 2012 reisten die ersten Betroffenen an, um für ein paar Tage Kummer und Ausgrenzung hinter sich zu lassen, und wurden von der 1. Vorsitzenden, Brigitte Winkel, freundlich begrüßt. Los ging es mit einem Kegelabend. Nach dem ersten Beschnuppern wurde den Gästen schnell klar, dass sich im Umfeld des Vereins niemand schämen oder verstecken muss. Das sorgte schnell für eine lockere Atmosphäre und ein heiteres Miteinander.

Am Sonntag stand eine Motorradtour auf dem Programm. Obwohl einige der Zugereisten noch nie auf einem solchen Fahrzeug gesessen hatten, konnte deren Skepsis schnell zerstreut werden. Durch die Wingst ging es auf beschaulichen Nebenstrecken nach Cuxhaven und dann an der Küste entlang nach Bad Bederkesa. Dort wurde im Pavillon an der Burg ein zünftiges Abendessen eingenommen. Am Abend ging es zurück nach Bremervörde.

Am Montag stand ein Besuch bei Honda Wellbrock & Co, dem Leib- und Magenhändler der Vereinsmitglieder auf dem Programm. Obwohl diese Fahrt nur als eine Wahlveranstaltung geplant war, man hätte auch durch die niedliche Fußgängerzone von Bremervörde bummeln können, nahmen alle daran teil. Einige, die sich noch nie mit Motorrädern befasst hatten, staunten nicht schlecht über die riesige Auswahl an völlig unterschiedlichen Maschinen. Verkaufsleiter Rainer ließ es sich nicht nehmen, die einzelnen Motorradtypen ausgiebig zu erklären und dazu einen Kaffee oder Kakao zu reichen. Obendrein standen für Führerscheininhaber die neusten Modelle zur Probefahrt bereit und die eine oder andere musste dazu nicht lange überredet werden. Besonders die neuen Automatik-Modelle standen hoch im Kurs.

Am Abend des letzten Apriltages lud Peter Hübner, der zweite Vorsitzende zu einem zünftigen Grill-Menü. Höchstselbst drehte und wendete er das köstliche Fleisch über der Glut und konnte damit alle begeistern.

Anschließend wurde von Hans Georg van Herste die erste CD aufgelegt, um den eben zugeführten Kalorien gar nicht erst die Möglichkeit zu geben, sich irgendwo am Körper festzusetzen.

Nach einer langen Pause, in der viele Neuigkeiten ausgetauscht und gegenseitig Tipps gegeben wurden, meldeten sich drei Herren zu Wort. Dirk Sonneberg, Frido van de Visser und Wolfgang Heins baten um Aufnahme in den Verein. Da alle drei den Vereinsmitgliedern lange bekannt waren und schon mehrfach mitgearbeitet hatten, stand einer solchen Bitte nichts im Wege. So wurden die Herren mit großem Jubel und Applaus in den Verein aufgenommen.

Nach einer weiteren Tanzrunde verteilte van Herste die Fragebögen für das Maiköniginnen-Quiz. Sofort rauchten die Köpfe der Kandidatinnen. Leider hatten sich nur insgesamt neun Frauen und TS getraut, daran teilzunehmen. Viele haben auch heute noch Angst, durch ein Foto geoutet und danach diskriminiert zu werden. Leider gibt es auch im 21. Jahrhundert noch Chefs oder Arbeitskollegen, die eine TS oder Lesbe nicht in ihren Betrieben dulden wollen.

Gegen Mitternacht stand das Ergebnis fest und die amtierende Maikönigin, Michaela Main, übergab die Krone an die Quizgewinnerin Anusha Pee. Diese war völlig überrascht, da sie nicht mit ihrer Erstplatzierung gerechnet hatte, freute sich allerdings sehr darüber. Beide Maiköniginnen tanzten also, umringt und beklatscht von den anderen Gästen, in den Mai. Nach weiteren Tanzrunden fielen alle erst in den frühen Morgenstunden erschöpft in ihre Betten.

Aber, schlapp machen gilt nicht! Am Nachmittag des 1. Mai stand ein weiterer Ausflug auf dem Programm. Wieder wurde aufgesattelt und ab ging es in Richtung Küste. Am Stader Sand wurde eine Rast eingelegt, um Elbe und die Südküste Schleswig-Holsteins in Augenschein nehmen zu können. Anschließend ging es zurück in Richtung Bremervörde. Auf der Außenterrasse des Hotels Kluster Hof war schon eine lange Tafel gedeckt worden, um den Gästen frischen Spargel servieren zu können. Nach diesem echten Gaumenschmaus und vielen weiteren Gesprächen löste sich die Gruppe nun endgültig auf. Auch das längste Wochenende geht einmal vorbei.

Anna-Lena K. aus der Nähe von Lübeck dazu:
„Ich habe den Verein übers Internet kennen gelernt und mich einfach mal so angemeldet. Ich dachte, was kann schon passieren. Im Notfall fährst du eben wieder nach Haus. Allerdings wurde ich so positiv überrascht, dass ich keinen Gedanken an eine frühzeitige Abreise auch nur in Erwägung gezogen habe. Die Leute sind alle sehr nett und haben sich unendlich viel Mühe gegeben. Ich wurde nicht beglotzt, sondern einfach in eine große Familie aufgenommen.
Natürlich hatte ich ein wenig Bammel, als ich die großen Maschinen sah. Ich hatte mich ja noch nie mit solchen Dingern befasst. Aber die anfängliche Skepsis, na ja, ich denke, ich hatte einfach Angst, war schnell verflogen. Nicht nur die Männer fahren bei denen Motorrad, sondern auch die Frauen. Als ich dann sah, wie Margaretha Main und ihre Frau Michaela, Maria Wolff und Anke Winter mit diesen Geschützen ganz normal rumfahren, wie ich mit einem Fahrrad, da wollte ich nicht zurückstecken.
Das Mitfahren war dann auch ein einmaliges Erlebnis für mich. Ich dachte, ich fliege. Das Armeausbreiten habe ich mich dann allerdings doch nicht getraut, aber ich überlege ernsthaft, ob ein Großroller, wie z. B. Michaela und Anke einen fahren, nicht auch für mich etwas wäre. Sieht nicht nur sehr bequem aus, sondern ist es auch. Und mit dem Automatikgetriebe sieht es kinderleicht aus. Ich glaube, ich bin infiziert und werde mir in Lübeck mal eine Fahrschule suchen.
Bei der Freundlichkeit, die mir begegnet ist, wird es auch nicht mein letzter Besuch gewesen sein. Ich habe sogar schon darüber nachgedacht, ob es nicht schön wäre, den Wohnort in die Nähe von Bremervörde zu verlegen. Auch hier gibt es für mich als flexible Bürokauffrau bestimmt Arbeit.“

Info: www.transborderles.de
www.van-herste.de
www.margaretha-main.de
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