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27. Januar 2009; Gedenkminuten am "Todesmarsch Mahnmal" in Fürstenfeldbruck

2009: Gedenkminuten am Mahnmahl in FFB
    Am 27 Januar ist der Tag der Opfer des Nationalsozialismus. Am Mahnmal in der Ortsmitte Fürstenfeldbruck fanden um 11 Uhr Gedenkminuten statt, die vom "Arbeitskreis Mahnmal" organisiert wurden. Zahlreiche Bürgermeister waren gekommen: FFB, Germering,Alling, Olching. Aus Eichenau auch Dekan Bauernfeind!

Vor den Schweigeminuten spricht der langjährige Brucker Stadtrat Helmut Zierer. Worte zum Gedenken sprechen auch Schülerinnen und Schüler der Berufsoberschule FFB. Seit Jahren kommen auch Überlebende des Todesmarsches aus Israel als Gäste. 2009 sind als Gast von Fürstenfeldbruck wieder Uri Chanoch und Abba Nabor eingeladen. Sie sind Vorsitzende der Association of survivors Landsberg/Kaufering outer camps of Dachau.
Das Denkmal in Fürstenfeldbruck konnte nicht zuletzt dank des Einsatzes der Eichenauerin Barbara Thierfelder errichtet werden. Über die Zeit des Nationalsozialismus in Eichenau und Landkreis Fürstenfeldbruck berichtetete 1995 die kleine Chronik der Eichenauer SPD.
Peter Bierl aus der SZ Redaktion in Fürstenfeldbruck, hat ausführlich über die NAZI Zeit in FFB geforscht und immer wieder, z.B. in der Zeitschrift AMPERLAND publiziert.

Die Geschichte des durch den Münchner Bildhauer Hubertus von Pilgrim gestalteten Mahnmals ist im Internet zusammenfassend dargestellt. In Reihenfolge der Mahnmale ( hier die Liste) ist das 1994 in Fürstenfeldbruck errichtet Mahnmal das zweite.
Interessant ist auch, das die Facharbeit eines Schülers aus Gauting den Anstoß zu dieser Aktion gab. Ich zitiere etwas aus der Einführung. " Den Anstoß zur Errichtung der ersten Todesmarsch-Mahnmale, die an den letzten Leidensweg Dachauer und Kauferinger KZ-Häftlinge erinnern sollen, gab die kreative Neugierde und das moralische Engagement des Gautinger Gymnasiasten Matthias Hornstein. Als Angehöriger des Gautinger Otto-von-Taube-Gymnasiums legte der junge Mann für seinen Kollegstufen-Abschluss am 11. Februar 1985 im Kurs "Sozialkunde/Geschichte" unter dem Titel "Der Judenfriedhof in Gauting" eine Facharbeit über den jüdischen Friedhof seiner Heimatgemeinde vor. Warum ein Judenfriedhof in diesem Ort im Würmtal? Matthias Hornstein fand heraus, daß es sich bei den meisten Toten des jüdischen Friedhofs der Würmtal-Gemeinde Gauting um ehemalige Häftlinge des Todesmarsches von Dachau handelte, die kurz nach ihrer Befreiung im Gautinger Lungenkrankenhaus gestorben waren. Seine Hauptkapitel überschrieb der Gautinger Gymnasiast mit den Formulierungen: "Der Judenfriedhof: kein ´Problem` und Anliegen der Bevölkerung" - "Das mangelnde Echo und was es bedeutet" - "Aufruf zur Kontaktaufnahme mit Angehörigen aus Israel". Das Fazit seiner verdienstvollen Arbeit lautete: "Wenig Kenntnis, kein Engagement".

Matthias Hornsteins schulische Leistung blieb nicht ohne Echo. Sehr rasch löste er in seiner Gemeinde einen politischen Prozess aus. Am 19. April 1985 forderten die Fraktionen der Grünen und der SPD im Gautinger Gemeinderat, zur Erinnerung an den "vergessenen Todesmarsch" einen Gedenkstein "an einem zentralen und würdigen Punkt Gautings" zu errichten.

Schon am 25. April 1985 machte Dr. Ekkehard Knobloch, 1. Bürgermeister der Gemeinde Gauting, den richtungweisenden Vorschlag, dass dieses Gedenken nicht alleinige Angelegenheit Gautings sei und auch andere Gemeinden berühre. Deshalb habe er alle betroffenen Städte und Gemeinden angeschrieben, um Gedenksteine "in allen am Weg liegenden Gemeinden" oder "ein gemeinsames Denkmal" zu errichten.

Das geplante Gemeinschaftswerk stieß nicht auf helle Begeisterung. Von 14 angeschriebenen Städten und Gemeinden äußerten sich nur zwölf; von diesen zeigten sich anfangs nur fünf verhandlungsbereit. Aber mit tatkräftiger Unterstützung der Landeshauptstadt München kam die Gautinger Initiative langsam in Schwung. Die benachbarten Würmtal-Gemeinden Gräfelfing, Krailling und Planegg sowie die Stadt München (für die Stadtteile Allach und Pasing) beteiligten sich schon 1986 an diesem Projekt, bald auch die südlicher gelegenen Gemeinden Berg und Wolfratshausen. Diese sieben Partner einigten sich im Jahre 1987 auf eine gemeinsame Ausschreibung. Am 13. September 1988 billigte der Gautinger Gemeinderat das unter 28 Entwürfen ausgewählte Modell des Pullacher Professors Hubertus von Pilgrim. "
Die gesamte Webseite ist hoch interessant und enthält auch viele Dokumente und Fotos sowie Karten.

Das Foto des Fürstenfeldbrucker Mahnmahls ist auf der Seite aus dem Landratamt Fürstenfeldbruck. "In Fürstenfeldbruck fand im Dezember 1992 eine Demonstration gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass statt. Die Eichenauer Friedensinitiative appellierte dabei öffentlich an die damalige Landrätin Rosemarie Grützner, die Aufstellung eines Mahnmales an die Todesmärsche zu unterstützen. Mit zahlreichen Spenden aus der Bevölkerung und der Unterstützung durch den Landkreis und die Stadt Fürstenfeldbruck konnte das Mahnmal am 28. April 1994 feierlich eingeweiht werden. Auf Einladung des Arbeitskreises Mahnmal waren außer der Prominenz aus Politik und Kirche und der zahlreich erschienenen Bevölkerung auch zwei Überlebende mit ihren Frauen aus Israel gekommen"

Dr. Friedrich Schreiber schreibt über die im nächsten Jahr geplanten Aktivitäten:
"Leider lässt sich der „Marsch der Söhne und Enkel“ von Landsberg über Fürstenfeldbruck und Dachau nach Waakirchen nicht realisieren, den ich auf Bitten von Herrn Effi Heinovits, Sohn des im Jahre 2005 verstorbenen Mordechai Heinovits, geplant habe, weil sich einerseits außer der Familie Heinovits keine anderen Söhne und Enkel der „Vereinigung der Überlebenden der Außenlager Landsberg/Kaufering des KZ Dachau“ zu dem anstrengenden Marsch über 150 Kilometer in sechs Tagen entschließen können und weil andererseits eine israelische Jugendgruppe, die sozusagen als Ersatz Ende April nächsten Jahres kommen wollte, inhaltliche und logistische Bedingungen stellt, die nicht realisierbar sind. Vor allem wäre den jungen Leuten die 35 Kilometer lange Anfangsetappe von Landsberg bis Fürstenfeldbruck zu lange. Wir werden ihnen für das folgende Jahr ein Programm anbieten, das ihren Interessen und Vorkenntnissen entspricht."



Basisartikel zu Eichenau.
http://www.myheimat.de/fuerstenfeldbruck/beitrag/1...
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