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Regen wünschen

Wer einen Garten ohne Brunnen hat, ist auf Regenwasser angewiesen.
An Regentagen sammelt man in Tonnen das kostbare Nass für spätere Verwendung zu Zeiten der Trockenheit. Irgendwann ist der letzte Liter aus diesem Wasservorrat aufgebraucht und der Gärtner betet um Regen. Wolken ziehen auf, die Hoffnung ebenso. Die Wolken ziehen vorbei und beschliessen wo anders abzuregnen. Wieder nix!
Einige Tage später, die geliebten Pflanzen leiden unter der Hitze und wurden mit in Kanistern herbeigeschafftem Wasser vorm Verdorren bewahrt: wieder ziehen am Horizont Wolken auf, Wind kommt auf. Diesmal wird es was. Der hitzegeprüfte Gärtner begrüßt die ersten Regentropfen wie herunterfallende Edelsteine. Sie machen dunkle Punkte auf die ausgetrocknete Erde und zerperlen an Blättern und Steinen. Der glückliche Gärtner zieht sein Hemd aus und geniesst zusammen mit seinem aufatmenden Garten den ersten kostbaren Regen.

Nach einiger Zeit tröpfelt es vom Dach der Gartenhütte über die Regenrinne ins Fass. Die Erde wird dunkel und duftet frisch. Alle Blätter öffnen ihre Poren. Jeder Regentropfen bringt nicht nur H2O, sondern auch eine gute elektrische Entladung vom Himmel zur Erde. Jetzt heisst es Erholen und Kräfte sammeln für die nächste sommerliche Dürrezeit, die bestimmt nochmal kommen wird.

Ich setze mich an ein trockenes Platzerl, beobachte den Garten im Regen und überlege, was aus der Hitzewelle und dem miesen verregneten Frühjahr heuer zu lernen wäre.
Eine meiner Entscheidungen hat sich schon bewährt: ich bleibe nur mehr den Pflanzen treu, die auch größere Wetter-Extreme wegstecken können: Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Beerensträucher, Walderdbeeren, Topinambur, Salbei u.a. Kräutln.
An der Trockenheit war gut, daß sich Unkraut leicht bekämpfen liess. Hacken, Ausreissen und liegenlassen hat selbst das zäheste Beikraut umgebracht. Mäuse und Schnecken haben sich wenig vermehren können. Einige Pflanzen wurden zum Tieferwurzeln gezwungen und sind dadurch für kommende Trockenheit besser aufgestellt.

Trotzdem wär´s schön, wenn die nächsten Gartenjahre etwas ausgeglichener werden als das heurige.
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