Buchmesse Frankfurt

Wie jedes Jahr präsentieren sich mehrere tausend Verlage auf der Frankfurter Buchmesse.
Die Buchmesse fand in diesem Jahr vom 8. bis 12. Oktober statt. Das große Glanzlicht im Terminkalender von Buchhändlern und Verlegern stellt Frankfurt dar. Im Gegensatz zur Leipziger Buchmesse wirkt sie jedoch etwas steifer. Der Umgang untereinander hat einen gewissen Abstand. Interessant ist immer wieder das Gastland, dass in diesem Jahr Finnland war.
Deutschland ist das wichtigste Land für den Absatz finnischer Bücher, so stellte es zumindest der finnische Kultur- und Sportminister Wallin fest. Finnland Cool, so der Titel, wird stark vom finnischen Staat unterstützt, so dass die Buchmesse auch durchgeführt werden kann. Die Arbeit, die rund um den Gastauftritt eines Landes mit seinen Kulturschaffenden anfällt, wäre sonst gar nicht zu schaffen. Die Darstellung des Landes im 97 Jahr nach seiner Gründung hätte auch drei Jahre später stattfinden können, um so den Charakter des Landes noch stärker hervorheben zu können. Das Land der Mitternachtssonne und Polarlichter ist für viele Deutsche ein heimlicher Reisewunsch. So beeindruckend das Gastland ist, es hat nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die es verdiente. Allein in den ersten drei Tagen war die Zahl der Fachbesucher deutlich rückgängig. So blieb es in der Halle mit den finnischen Autoren, Verlagen und Büchern immer recht übersichtlich. Wo vor ein paar Jahren noch ein Gedränge herrschte, dass man statt gehen, nur geschoben wurde, das galt besonders am Samstag, dem besucherstärksten Tag, konnte man diesmal fast gemütlich schlendern. Wie immer stellen kleine unabhängige Verlage im Schulterschluss mit den Verlagskonzernen ihre Neuerscheinungen vor.
Die Veranstaltung, die seit Jahrzehnten die Menschen in ihren Bann zieht, ist ein nationaler und internationaler Treffpunkt für Experten, für Händler und Verantwortliche, die neue Vertragsabschlüsse in die Wege leiten wollen, bis hin zu Autoren und Verlegern, die ihre ersten Schritte in die Selbstständigkeit wagen. Gleichzeitig finden an vielen Stellen Lesungen, Präsentationen und Interviews statt. Bei Interviews mit der Autorin Dora Heldt und Frank Uhlmann, die beide bei DTV unter Vertrag sind konnte auf diese Weise mehr über Ideen und Hintergründe zu den Romanen in Erfahrung gebracht werden. In Vorträgen in und über das Buch, mal gut, mal weniger gut besucht, konnte man viel über die Schreibweise und Herstellung erfahren. Gleichzeitig unterliegt das Buch einem erneuten Wandel. Auf Webportalen wie Youtube finden sich inzwischen Lesungen und Trailer zu Büchern und der Trend wird dahingehen, die beiden zur Zeit noch eigenständigen Publikationsformen zusammen zu führen und Lesungen mit Bewegtbildern zu hinterlegen, oder gar aus einem Hörspiel eine Art Spielfilm zu generieren. Wobei man nicht unbedingt Schauspieler benötigt.
Gleichzeitig nutzte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Möglichkeit spielerisch das Buch neu zu erfahren. Auch andere Verlage und Initiativen boten ihre Bücher auf interessante und abwechslungsreiche Art an.
Die Buchmesse Frankfurt dient vor allem der Selbstdarstellung. Das wird von vielen bemängelt, aber was sonst ist eine Messe denn? Man stellt sich und seine Produkte möglichst in ein gutes Licht. Das gelingt natürlich nicht jedem. So etwa Herrn Kohl, der als „oberster Deutscher“ Millionengelder als Schwarzgeld seiner Partei hinterzog, dafür aber nicht ins Gefängnis musste oder gerade neu mit einem Journalisten sprach und das daraus entstandene Buch verbieten will.
Die Buchmesse selbst ist ein wenig eingefahren. Neu ist in diesem Jahr die Autoren Lounge. Sie ist nur für Autoren gedacht. Unter dem Titel „Frankfurt Undercover“ lud die dänische Autorin Janne Teller zu einem Autorentreffen um ein hochaktuelles politisches Thema. Allerdings wird nicht jeder Autor als solcher zugelassen. Man muss schon einige Kriterien erfüllen, die aber nicht genannt werden.
Weitere Prominente und weniger Prominente stellen sich mit ihren Werken vor. Manche von ihnen schreiben so viel, dass man meint, sie müssten Ghostwriter beschäftigen, andere lassen sich zu viel Zeit, dass nach zwei Jahren oder mehr, die Bücher nicht mehr interessant sind. Beides ist jedoch ein Betrug am Leser.
Ein wichtiger Punkt der Buchmesse ist sicherlich das e-book. Bei vielen Verlagen wird es noch als Konkurrenz angesehen, der Tod des Buches in düsteren Worten heraufbeschworen und trotzdem das e-book produziert. Die Verlage haben erkannt, dass es inzwischen Geld in die maroden Kassen spült und damit die Produktion der gedruckten Bücher mitfinanziert. Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, wenn überall (selbsternannte) Fachleute auftreten, die den Selbstverleger und Verleger auffordern mit ihnen zusammenzuarbeiten, denn das e-book so erfolgreich. Die Buchmesse will dieses Jahr den Deutschen eBook Award vergeben. Da es aber bislang keine Plattform gibt, die immer die neuesten e-books auflistet, ist hier eine Vergabe sehr einseitig. Manch ein e-book wird nicht erfasst und schafft es gar nicht in die Nominierungsliste.
Wie üblich befindet sich auf der Buchmesse auch ein großer Gemeinschaftsstand von Verlagen, die Hörbücher und Hörspiele anbieten. Einen der erfolgreichsten Hörbuchhersteller konnte ich jedoch diesmal nicht finden. Titania-Medien ist mit seinen Werken, vor allem der Reihe Gruselkabinett, mehrfach ausgezeichnet worden, dass man mit den Medallien eine ganze Wand tapezieren könnte. Nicht unbedingt als Konkurrenz sind Hörspiele und Hörbücher gegenüber den Büchern zu sehen, sondern eher als eine Art Ergänzung. Hörspiele sind dramatisierte Inszenierungen mit verteilten Sprecherrollen, Geräuschen und Musik. Hörspiele wurden ursprünglich für den Rundfunk entwickelt und ausgestrahlt und leider fast gar nicht mehr gesendet. Es gibt jedoch im privaten Bereich immer noch Hörspielhersteller, die für sich und für freie Radios produzieren. Etwa die Macher des Raumschiffs Wolpertinger, eine Parodie auf die Serie Star Trek – Voyager, die ab und an im freien Radio Darmstadt, RADAR läuft. Die Hörspiele sind die erste Kunstform, die der Hörfunk hervorgebrachte und sie sind ein eigenständiges literarisches Genre. Ein Hörbuch ist im eigentlichen Sinn die Aufzeichnung einer Lesung. Obwohl in der heutigen Zeit, auf Lesungen keine Aufzeichnungen mehr durchgeführt werden, sondern professionelle Sprecher die Bücher als Hörbücher einsprechen.
Letztendlich kann man als Presse- und Fachbesucher nach drei Tagen Messe einen durchaus positiven Schlussstrich ziehen. Es gab viel zu sehen, auf den Bühnen aller Art auch zu hören. Wer offenen und kritischen Auges durch die Hallen ging, erfuhr in den geführten Gesprächen mehr, als jede Zeitschrift oder Internetportal anbieten kann oder gar will. Denn wie man es auch betrachtet, ein Bericht ist immer subjektiv, geprägt von der Leidenschaft des Besuchers. Aber immerhin, man konnte seine Helden Treffen, leibliche wie Autoren und Zeichner oder fiktive. Die Buchmesse ist ein Zeitfenster in die literarische Welt. Für einen Moment öffnet sie sich, lässt es zu, dass der Blick über hunderttausend Titel streift, sich festliest, aber dann wieder freigeben muss, um anderes in das Blickfeld eintauchen zu lassen.
Jede Buchmesse ist für sich ein lohnender Ausflug.

Bürgerreporter:in:

erik schreiber aus Bickenbach (HE)

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