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Hermann Garthe im Ruhestand: Wigand-Gerstenberg-Schule verabschiedet nach 21 Jahren ihren Hausmeister

Immer sportlich und für ein Tänzchen zu haben: Hermann Garthe tanzt zum Abschied mit der Tanz-AG
  „Ich habe Spuren hinterlassen und wünsche mir, dass sie nicht so schnell verwischen!“ Mit diesen Worten hat sich Hausmeister Hermann Garthe am vergangenen Freitag (30.11.2012) in der Wigand-Gerstenberg-Schule verabschiedet. Der Sechzigjährige verlässt nach 21 Dienstjahren die Frankenberger Grundschule in die „passive Zeit der Altersteilzeit“.

In seiner Abschiedsrede bekennt er, dass ihm die Schule jetzt schon sehr fehle. „Aber das ist gut so, denn wenn es nicht so wäre, dann wäre das ein Zeichen dafür, dass ich meine Arbeit nur halbherzig gemacht habe.“ Hermann Garthe war mit viel Herzblut bei der Arbeit und eckte dabei hin und wieder an, „denn ein ehrliches Anliegen war mir stets der Umgang mit Energie: Wegen offen stehender Fenster oder nicht ausgeschalteter Lichter habe ich oft geschimpft“. Dass er dennoch oder gerade deswegen bei Kolleginnen und Kindern eine hohe Akzeptanz und große Sympathie erfährt, macht ihm den Abschied nicht leicht.

Hermann Garthe wurde 1952 in Frankenberg geboren und hat seitdem mit seinen Eltern in Rodenbach gelebt. Von Kindesbeinen an war er in den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau und Milchvieh eingebunden. Schon als Dreijähriger hatte er einen Bezug zur Wigand-Gerstenberg-Schule, die zu dem Zeitpunkt noch gar nicht existierte. Dort, wo heute etwa 210 Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, befand sich früher Ackerboden. Und dort, wo sich heute der Fahrradabstellplatz auf dem Schulhof befindet, stand früher Garthes Lieblingsbaum, wo er spielte und von dem aus er seine Eltern bei der Kartoffelernte beobachten konnte.

Später arbeitete er mit in der Landwirtschaft und absolvierte bei den Eltern eine Ausbildung zum Landwirt. Um den Lebensunterhalt für seine Familie mit Frau und drei Kindern zu sichern, wechselte Hermann Garthe mit 35 Jahren in die Industrie und arbeitete vier Jahre lang bei Firma Hettich. Die vielen Unterhaltungen mit dem damaligen Hausmeister Scholl „über den Zaun“ führten schließlich dazu, dass Hermann Garthe sich rechtzeitig und erfolgreich als Nachfolger Scholls bewarb.

Von da an prägte der Hausmeister das äußere und innere Bild der Grundschule. Fleißig, hilfsbereit, stets im Kittel und immer das Wohl von Schülern und Schule im Blick, kann Garthe auf viele lustige Begebenheiten und etliche Veränderungen und Entwicklungen zurückblicken. Bis zuletzt war seine ganze Familie in seine Arbeit eingebunden, sei es für Schließ- oder gar Winterdienste, die sogar Garthes Eltern einmal in Urlaubsvertretung übernahmen, oder dass Ehefrau Inge „mich als erste Anlaufstelle das eine oder andere Mal beruhigen oder auf den Boden der Tatsachen holen musste“.

Auf die Frage, was Hermann Garthe zukünftig machen möchte, antwortet er schmunzelnd: „Mein Sohn hat mir angeboten, Gleitschirm fliegen zu lernen. Aber ich bleibe lieber auf dem Boden beim Tennis und auf dem Sportplatz. Außerdem möchte ich auch für meine Eltern, Kinder und meine drei Enkel da sein, mit meiner Frau verreisen, und zuhause habe ich auch immer viel Arbeit“.

Den Rat eines Freundes „Suche jetzt erst Mal Abstand zur Schule, du bist viel zu sehr mit ihr verwurzelt“ will Garthe nicht befolgen: Von jeher hat er die Fußballmannschaft der Grundschule zu Turnieren begleitet und will das auch weiter tun. „Der tägliche Kontakt zu vielen Menschen fehlt mir und auch der Gedanke, morgens nicht mehr so früh aufstehen zu müssen, fällt mir schwer.“ Denn kaum betritt Garthe den Schulhof, ist er schon umringt von Kindern.

Und so sang der Schulchor bei der Feier „Uns're Schule hat keine Segel“ und die Schulhymne, die Tanz-AG nahm Garthe mit in ihre Reihen und tanzte mit ihm, der Lehrerinnenchor in Kitteln würdigten den Hausmeister ebenso wie aktuelle und ehemalige Kolleginnen, die Garthe beglückwünschten, „endlich ausschlafen und spontan sein zu können“. Die Schulleiterin Christiane Lücke sprach wohl für alle, als sie Garthe zum Schluss wünschte, „positiv und voller Elan in die Zukunft zu blicken.“
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