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Audienz im Rockpalast - Vor 40 Jahren brachte der WDR dem Musik-Fernsehen das Laufen bei

Als das Musik-TV laufen lernte. Am 23. Juli 1977 ging in der Essener Gruga-Halle die 1. Rockpalast-Nacht des WDR über die Bühne. Ein Eurovisionsspektakel. Fans in neun europäischen Ländern feierten mit.
Jene denkwürdige Nacht vom 23. auf den 24. Juli 1977 hat zwar nicht den Lauf der Welt verändert, aber Millionen bis dato vernachlässigter Rockfans in Europa neue Perspektiven eröffnet: German Television proudly presents….Damals flimmerte in Eurovision die erste vom WDR produzierte Rockpalastnacht aus der Grugahalle in Essen über die Mattscheiben. Zuschauer und -hörer in zehn Länder waren dabei und feierten ausgelassen mit. Das war absolutes Neuland, für die Macher, das Publikum und die beteiligten Künstler. Das Line-up bei der Premiere bestand aus Rory Gallagher, Little Feat und Roger McGuinn's Thunderbyrd. Solche marathonläufige Livemusik-Sendungen hatte es im braven Öffentlich-Rechtlichen bis dahin nicht gegeben. Man kannte hierzulande allenfalls die gelackte Mainzelmännchen-Disco von TV-Kasper Ilja Richter und Dieter-Thomas Schrecks ZDF-Shitparade. Beide Sendungen eine echte Zumutung. Der Beat-Club von Radio Bremen entschädigte ein klein wenig dafür.
Aber der Rockpalast war es, der Kultstatus erlangte. Drei Bands pro Nacht, drei Konzerte, die bis in die frühen Morgenstunden dauerten. Das war das simple von Peter Rüchel erdachte Konzept. Bis auf die Stones und Bruce Springsteen war hier in den Folgejahren alles vertreten, was in der internationalen Rockwelt Rang und Namen hatte. In den nächsten acht Jahren wurden 16 weitere Ausgaben produziert, ehe das Format in dieser Form 1986 auslief. Es hatte sich mehr oder weniger überholt. Angesichts von Neuer Deutscher Welle, New Wave und Synthie-Pop ließ sich das klassische, den "Nächten der langen Messer" zu Grunde liegende Konzept nur noch schwer abbilden.
Die Marke als solche gibt es nach wie vor, in abgespeckter Form. Bis heute werden unter diesem Namen Einzelkonzerte ausgestrahlt bzw. Aufzeichnungen von diversen großen Festivals wie dem an der Loreley, Rock am Ring oder Wacken produziert. Aber das ist kein Vergleich zu damals. Zeitgenössische Pop- und Rockmusik spielen in den Programmen von ARD und ZDF heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Bei den Privaten sieht es nicht besser aus. Das Publikum wird stattdessen mit leidigen Neo-Schlager-Shows abgespeist und ruhig gestellt. Helene Fischer statt Southside Johnny & The Asbury Jukes. Mit den Rockpalast-Nächten hatte der Westdeutsche Rundfunk damals Fernsehgeschichte geschrieben und dem Musik-TV das Laufen beigebracht. Ein Rückblick: http://www.rotorman.de/audienz-im-rockpalast-tscho...
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Johanna M. aus Stemwede | 05.08.2017 | 00:33  
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