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Small-Talk im Horst der alten Adler: Baby in der Scheune, Autoscheinwerfer als Landefeuer und ein "Drache" als Co-Pilot

  • Lang, lang ist’s her. Foto aus den Kindertagen der Zivilfliegerei auf der Breitscheider Hub. V.l.n.r) Gerd Gerdsen, Jupp Langer, Heinz Krenzer, Gründungsmitglied Joachim Bärwald und Eberhard Strobel vor der guten alten Rhönlerche.
  • Foto: LSG-Archiv
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Die Bombenkrater auf der Breitscheider "Hub", zerstörerisches Resultat eines US-amerikanischen Fliegerangriffs, haben einige von ihnen, um den Flugplatz wieder nutzbar zu machen, noch eigenhändig mit Hacke und Schaufel zugeschüttet. Das erste Flugzeug, ein einsitziges "Baby III", schusterten die Flugverrückten auf dem Speicher der Gerberei Sonntag in Haiger zusammen. Wobei die Materialkosten, umgerechnet 60 EUR, die Kapazität der Kaffeekasse bei weitem sprengten. Also musste am Feierabendbierchen gespart werden. Aber das hölzerne Vöglein flog anschließend. Nicht so gut und elegant wie die "Superorchideen", die heuer zur Standardausrüstung gehören, aber für den Anfang reichte es. Und um einen solchen handelte es sich.
1952 hatte die Geburtsstunde der Luftsportgruppe Breitscheid geläutet, die sich in Folge aus bescheidenen Anfängen heraus zu einem der erfolgreichsten Hessischen Flugsportvereine mausern sollte. Und die die Nachfolger und Erben haben den Gründern und Pionieren von damals ihre an Entbehrungen reiche Aufbauarbeit nie vergessen. Einmal im Jahr bittet das LG-Präsidium die "Alten Adler" deshalb zum "Horst-Treffen" ins Vereinsheim, wobei sich diese Bezeichnung jetzt nicht von Horst Thielmann, einem der Männer der ersten Stunden, ableitet. Als seinen solchen pflegt man ja auch das Nest der stolzen Greifvögel zu bezeichnen.
Eine über viele Jahre gepflegte, lieb gewordene Tradition, die nicht nur dazu dient, über alte, glorreiche Zeiten zu plaudern und in Erinnerungen zu schwelgen und bei denen so legendäre Namen wie Richard Strieder oder August Mötzing zwangsläufig die Runde machen. Die Senioren sind nach wie vor eng in das Vereinsgeschehen eingebunden. Ihr Rat ist gefragt, von ihnen lässt sich noch einiges lernen. Apropos: Nicht weniger als 1141 gebündelte Jahre Lebenserfahrung hatten sich diesmal im LSG-Casino eingefunden. Von heute an zurückgerechnet würden wir auf der Zeitschiene direkt im Jahr 873 landen. Damals war in Köln der Hildebold-Dom, der Vorgänger des Kölner Doms, durch Erzbischof Willibert eingeweiht worden. Ein Ereignis, an das sich die betagten Piloten aber nur noch ganz schemenhaft erinnern können…

40.491 Stunden am Himmel

Die Dauer ihrer Mitgliedschaft in der Luftsportgrupe addiert ergeben sich 545 Jahre, während nach der Auswertung der persönlichen Flugbücher unterm Strich 40.491 als Summe herauskommt. So viele Flugstunden waren die fidelen Herren bislang am Himmel unterwegs. Eine Zahl, die es fortzuschreiben gilt, da sich längst noch nicht alle in den Ruhestand verabschiedet haben, um den Lebensabend als Fußgänger zu verbringen. Zu den Unruheständlern zählt beispielsweise auch der nimmermüde Haigerer Kaus Weiß. Der 80-jährige, der mehr als 3.900 Flugstunden auf dem Buckel hat, zählte, wie sein "Landsmann" Joachim Bärwald (84) auch, zu den Gründungsmitgliedern und ist dem himmlischen Kollegium nach wie vor als Motor- und Segelfluglehrer eine wesentliche Stütze.
Heini Daub, mit seinen 90 Lenzen der Methusalem unter den LSG-Veteranen, hat im Laufe seines Fliegerlebens so gut wie alle Flugzeugmuster "geritten", die bei Drei nicht schnell genug auf dem Baum oder in einem Hangar verschwunden waren. Der Mann war "nebenbei" Berufspilot, also solcher auf Flugplätzen in der ganzen Welt zu Hause und bringt es auf fast 9000 Flugstunden. Und wenn der einmal anfängt aus dem Nähkästchen zu plaudern….
Die Ehefrauen der Veteranen werden, man weiß ja schließlich, was sich gehört, stets zu diesen Adler-Fly-Ins hinzu gebeten. Und den Damen mögen dann jeweils die Ohren klingeln, was ihre besseren Hälften da aus jenen Zeiten berichten, in denen sie der Luftaufsicht daheim entronnen waren. Haarsträubende, kuriose und abenteuerliche Verzählcher, die sich nicht nur auf Fliegerlatein gründen. Beispielsweise, als das besorgte Bodenpersonal zu vorgerückter Stunde Dutzende Autos mit aufgeblendeten Scheinwerfern beiderseits der Runway postierte, damit die von einem Überlandflug heimkehrenden Kameraden, die es bis zum letzten Büchsenlicht nicht mehr ganz geschafft hatten, noch die Landebahn trafen.

Ein Bayer auf falschem Kurs

Da wurden schon mal, um für eine Airshow zu werben, tausende und abertausende Flugblätter (heute nennt man so etwas "Flyer") über dem Dillkreis aus dem Flugzeug geworfen. Eine PR-Aktion, für die man heute in den Knast wandern würde. Und der kurze, aber prägnante Funkverkehr zwischen dem späteren Vorsitzenden und seinem "Hintermann" an der Startposition ist legendär. Ersterer hatte seine Verlobte zu einem Rundflug eingeladen, um ihr die Schönheiten des Westerwaldes von oben zu zeigen. Es dauerte ein paar Sekunden, bis der Groschen gefallen war und er die Frage seines Kollegen verstanden hatte: "Lässt Du heute Drachen steigen?" Und dabei waren die Breitscheider zu Oskar Deppe gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Der bajuwarische Überflieger, aus Koblenz anfliegend, hatte, 38 Jahre ist das jetzt her, eigentlich auf dem Siegerlandflughafen landen wollen, die Breitscheider "Hub" aber dann mit der Lipper Höhe verwechselt. Und so ist er gleich da geblieben, was, im Nachhinein betrachtet, auch gut so war.
Aber jetzt richten alle ihr Augenmerk erst einmal auf die (nähere) Zukunft, und hier vor allem auf das letzte Augustwochenende 2015. Am 29. und 30. 8. des nächsten Jahres steht die nächste große Internationale Airshow der Luftsportgrupp ins Haus. Das wird ein ganz heißer, himmlischer Tanz….

  • Lang, lang ist’s her. Foto aus den Kindertagen der Zivilfliegerei auf der Breitscheider Hub. V.l.n.r) Gerd Gerdsen, Jupp Langer, Heinz Krenzer, Gründungsmitglied Joachim Bärwald und Eberhard Strobel vor der guten alten Rhönlerche.
  • Foto: LSG-Archiv
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  • Adler-Treffen im LSG-Casino: 1141 Jahre Lebenserfahrung, 40.491 Stunden in der Luft. Die Veteranen der Luftsportgruppe haben eine Menge zwischen Himmel und Erde erlebt und fühlen sich dort zum Teil heute noch pudelwohl.
  • Foto: LSG
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  • Lasst uns ein Baby machen! Auf dem Dachboden der Gerberei Sonntag schusterten die Flugverrückten ihr erstes eigenes Flugzeug zusammen – ein Baby III. Die Materialkosten dafür betrugen umgerechnet 60 EUR. V.l.n.r.: Klaus Weiß, Friedhelm Weiß, Herbert Lange. Joachim Bärwald und Erich Weiß.
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  • Viel Holz vor der Hütte: Kohlefaser- und Glasfaserverbundwerkstoffe waren in den 50-er und 60er Jahren als Baumaterial für Segelflugzeuge noch unbekannt. Die Fluglehrer Erich und Klaus Weiß geben einem Schüler in der Ka 6 letzte Anweisungen. In der Mitte eine Ka 7, hintern die Rhönlerche.
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