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Schloß Dyck in Jüchen

      Jüchen heißt eine Gemeinde im Rhein-Kreis Neuss. Der Tagebau Garzweiler liegt südlich von Jüchen in unmittelbarer Nähe. Die alten Ortsteile Otzenrath, Spenrath und Holz mußten dem Tagebau weichen und wurden umgesiedelt.
Erste Ansiedlungen gehen auf die urgeschichtliche Zeit (Bandkeramiker) zurück. Der Ortsname leitet sich vermutlich von der römischen Villa Jucunda ab, die sich am Westrand des heutigen Jüchen befand. Aus der Zeit des 6. und 7. Jahrhunderts wurden fränkische Gräber gefunden. Im Jahre 866 wurde der Abtei Prüm Grund in Iuhcgende / Iughgende geschenkt; diese frühe Erwähnung identifizierte man früher mit Jüchen, was heute jedoch abgelehnt wird.

Die sichere Ersterwähnung erfolgt zum Jahr 1273/4. Jüchen gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zum Herzogtum Jülich (Amt Kaster). 1794 wurde das Gebiet von französischen Truppen besetzt. Es entstand die Mairie Jüchen, die zum Kanton Odenkirchen im Arrondissement Krefeld im Département de la Roer gehörte. 1815 kam Jüchen an das Königreich Preußen. Ein Jahr später entstand die Bürgermeisterei Jüchen, die an den Kreis Grevenbroich kam und 1929 an den Kreis Grevenbroich-Neuß. 1975 wurde Jüchen ein Teil des Rhein-Kreis Neuss.

In den 1930er Jahren kam es zu einigen lokalen Neugliederungen, die auch den Raum Jüchen betraf: 1937 wurde das Amt Elsen aufgelöst. Die Gemeinde Elsen wurde in die Stadt Grevenbroich eingemeindet und die Gemeinde Elfgen blieb eine selbständige Gemeinde im Amt Jüchen. Kurz hierauf wurde die Gemeinde Kelzenberg aufgelöst und in die Gemeinde Jüchen eingegliedert. 1964 wurde die Gemeinde Elfgen aufgrund der Braunkohlenplanungen aufgelöst und der Ort fand in der Stadt Grevenbroich seinen Umsiedlungsstandort. Am 1. Januar 1975 wurde die neue Gemeinde Jüchen aus den Gemeinden Jüchen, Hochneukirch, Garzweiler und Bedburdyck gebildet.

Jüchen hat auch Sehenswürdigkeiten. Die neugotische katholische Kirche St. Jakobus d. Ä. in Jüchen, die evangelische Hofkirche hinter den Häusern am Jüchener Markt, Haus Katz in Jüchen (das denkmalgeschützte Gebäude beherbergt unter anderem das Jugendamt), Windmühlentürme in Jüchen und Hochneukirch, Schloss Dyck (bei Damm, früherer Stammsitz der Fürsten Salm-Reifferscheidt-Dyck), das Nikolauskloster bei Damm, Dycker Weinhaus in Damm, der Wasserturm in Holz (wegen Tagebau Garzweiler im Januar 2011 gesprengt), die katholische Kirchen in Hochneukirch und Bedburdyck, der Becherhof in Aldenhoven, der Burgturm Gierath und das Rittergut Leuffen in Alt-Otzenrath (abgerissen am 26. Februar 2007).

Das Haus Katz liegt im heutigen Ortszentrum von Jüchen. In näherer Umgebung finden sich neben der neugotischen katholischen Kirche St. Jakobus d.Ä. auch die evangelische Hofkirche hinter den Häusern am Jüchener Markt. In der Weihnachtszeit bot das Haus Katz dem Jüchener Weihnachtsmarkt bereits eine festliche Kulisse und ist zugleich Dreh- und Angelpunkt für weitere festlichen Veranstaltungen, wie dem Schützenfest.

Das Hauptgebäude des Vorgängerbaus des heutigen Haus Katz wurde als Rittersitz genutzt und befand sich wahrscheinlich im östlichen Bereich des heutigen Herrenhauses. Ein Turm (etwa dort wo heute der Südostturm steht) dürfte die heutigen Gebäude um einiges überragt haben und war wohl in der Art eines mittelalterlichen Burgfrieds errichtet. Ein kleinerer Turm befand sich auf der Nordostseite des Gebäudes. Der Haupteingang der alten Anlage dürfte wohl auf der Nordwestseite gelegen haben. Eine Vorburg lag vermutlich westlich dieses Herrenhauses, eine weitere in etwa im Bereich der heutigen (mit Nordostflügel). Das Herrenhaus und die südliche Vorburg waren durch Wassergräben geschützt, die von dem Bach gespeist wurden, der heute unter Straße durch Kanalrohre läuft. Vermutlich wurde die Burg im 16. Jahrhundert erbaut und im 17. Jahrhundert erweitert.

Auf den Ruinen dieses alten Rittersitzes (letzter Besitzer war Ritter Klutt) errichtete der Amtmann des Herzoges von Jülich des Amtes Kaster, Paulus Katz, zu Beginn des 18. Jahrhunderts (ca. 17.06) einen Gerichtssitz in Form einer barocken Burganlage. Die Anlage hatte ursprünglich zwei Vorburgen und ein von Wassergräben umgebenes Herrenhaus, das noch erhalten ist, genau wie zwei Flügel der südlichen Vorburg. Bis 1767 wurde die Anlage noch mehrmals aus- und umgebaut. Nach dem Tod von Johann Theodor Katz (ohne männliche Erben) wechselte die Anlage mehrfach den Besitzer.

Am 29. Januar 1973 erwarb die Gemeinde Jüchen das Haus Katz für 105.000 DM (ca, 55.000 Euro), um einen Umbau zur Fabrik durch die Gebrüder Onofrietti vorzubeugen. Seither wird das Barockgebäude als "gute Stube" der Gemeinde genutzt.

Schloß Dyck ist eines der bedeutendsten Wasserschlösser des Rheinlandes. Die Anlage besteht aus einer Hochburg und zwei Vorburgen, die von einem Wassergraben umgeben sind. Das Schloß verfügt über ein dreifaches Grabensystem. Über dieses und eine äußere sowie eine innere Vorburg gelangt man zum Herrenhaus aus den Jahren 1636 bis 1663. Das vierflügelige, von Ecktürmen begrenzte Schloss umgibt einen fast quadratischen Innenhof. Das Schloß war mit altem, erlesenem Mobiliar ausgestattet und verfügte über eine ansehnliche Jagdwaffensammlung (versteigert). Die Gebäude gehen im Wesentlichen auf den Stand nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg zurück. Überregionale Bekanntheit erlangte es als eine Kulisse für die Fernsehserie Verbotene Liebe.

Aus dem Jahre 1094 findet man erste urkundliche Hinweise auf diese Befestigungsanlage. „Hermannus de Dicco“ war danach Besitzer der Burg. 1383 belagerten verbündete Truppen der Städte Köln und Aachen, von Friedrich III. von Saarwerden und Herzog Wilhelm von Jülich und Geldern die Burg. Sie warfen Gerhard von Dyck Raubrittertum vor. Die Burg wurde eingenommen und Gerhard von Dyck gezwungen, die damalige Hochburg zu zerstören. Zehn Jahre später war sie wieder errichtet.

Nach dem Tode Gerhard von Dycks im Jahre 1394 endete die männliche Linie derer von Dyck und Johann V. von Reifferscheidt (dann Reifferscheidt-Dyck) erbte die Burg. Nachdem Johann VI. die Ländereien durch den Zukauf von Alt- und Niedersalm erweiterte und das mit dem Besitz von Schloß Alfter verbundene Hofamt eines Erbmarschalls von Kurköln erhielt, begründete er die Linie Salm-Reifferscheidt-Dyck. Seine Nachkommen wurden 1804 in den Reichsfürstenstand und 1816 – das Schloss ist mittlerweile Teil der preußischen Rheinlande – in den preußischen Fürstenstand erhoben.

Ernst Salentin von Salm-Reifferscheidt-Dyck, kurkölnischer Oberst ab 1645, veranlaßte den schloßartigen Ausbau (Pläne von 1658). Im 18. Jahrhundert folgten barocke Ausbauten und Erweiterungen. Der Südflügel wurde 1945 durch eine Bombe erheblich beschädigt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Anlage insbesondere im Jahre 1961 restauriert. Bei dieser Gelegenheit wurde in einem der Räume eine chinesische Seidentapete aufgebracht, die aus dem 18. Jahrhundert stammt und Alltagsszenen chinesischer Handwerker und Bauern zeigt.

Die Parkanlage wurde ab 1794 unter Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1773-1861) im Stile eines englischen Landschaftsgartens gestaltet (Gartenarchitekten: vornehmlich Thomas Blaikie, aber auch Maximilian Friedrich Weyhe und Peter Joseph Lenné); der Barockgarten aus dem 18. Jahrhundert wurde damit aufgegeben. Der Fürst selbst war Privatgelehrter und Verfasser botanischer Werke, insbesondere des „Hortus Dyckensis", einer Dokumentation aller im Park und in den Gärten der Anlage gezogenen Pflanzen. Auch die Schloßbibliothek Dyck, die vor allem Werke der Botanik enthält, wurde von ihm gegründet. Seit 1999 wird das Schloss von einer Stiftung verwaltet. Von 1995 bis 2000 diente es als Außenkulisse der ARD-Soap Verbotene Liebe, in der es das Schloss Friedenau, Stammsitz der Familie von Anstetten, darstellte.

Schloß Dyck (incl. seines Schloßparkes) ist durchaus einen Besuch wert. Wer sich für „die Natur“ interessiert und auch gerne spazieren geht, wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen. Es gibt eine Englische Parkanlage, eine Orangerie, aber auch spezielle Themengärten zu sehen. Man sollte schon ein wenig Zeit und Muße mitbringen – dann kann man als Besucher nicht nur die örtliche Gartenlandschaft und Botanik kennenlernen, sondern auch das Leben bei schönem Wetter genießen.

Eine Sache fällt allerdings über auf: Schloß Dyck ist faktisch nicht an den ÖPNV angeschlossen. Schloß Dyck wird insbesondere am Wochenende fast gar nicht von Bus und Bahn angesteuert, so daß derjenige potentielle Besucher, der nicht mit dem eigenen PKW kommen kann, seine Anreise schon sehr genau planen muß. Man möchte ja nicht vor Ort in Jüchen übernachten, nur weil man den letzten Bus verpaßt hat, nicht wahr?

Das Museum bietet in einigen Räumlichkeiten historisches Interieur und geschichtliche Informationen. Räume für Wechselausstellungen kommen hinzu. Die Stiftung, die Schloß und Schloßpark betreibt, vertut hier eine gute Gelegenheit, die Geschichte des Schlosses in ansprechender Form vorzustellen.

Auffällig ist auch, daß das Museum keinen klassischen Museumsladen vorweisen kann. Es gibt zwar Gastronomie, einen Obst- und einen Blumenladen; Standesamt und einen Läden für Öle usw. kommt hinzu. Eine eigene Örtlichkeit, in der Literatur, Souvenirs, Andenken u. ä. vertrieben werden, ist vor Ort aber nicht vorzufinden. Das Konzept scheint zwar aufzugehen, ist aber bemerkenswert.

Jüchen ist als Ort nur schwer greifbar; ein historischer Ortskern ist hier nicht ersichtlich. Die Gemeindeteile liegen doch teilweise weitflächig auseinander, so daß sich manchmal schon ein ländlicher Eindruck aufdrängt.

Nennenswerte Ausflugsziele gibt es hier nicht, vom Schloß Dyck einmal abgesehen. Kein Museum (gibt es eins, das die Ortsgeschichte zeigt?), keine Kirche, kein Industriedenkmal locken die besuchswilligen Touristen. Unter touristischen Gesichtspunkten ist Jüchen also uninteressant.
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