Kolumne: Süßwarentechnologe

Süßigkeiten und Knabbergebäck sind immer gefragt. Kaum eine Feier kommt ohne Salzstangen, Schokolade oder Bonbons aus und zu Weihnachten gehören für viele Menschen Lebkuchen, Dominosteine und Spekulatius. Süßwarentechnologen und -technologinnen stellen solche herzhaften oder süßen Knabbereien industriell her. Dabei ist Hygiene oberstes Gebot, deshalb tragen sie Arbeitskleidung und Kopfbedeckung. Insbesondere in der Oster- und Weihnachtszeit werden viele dieser Spezialitäten verkauft. Dann haben Süßwarentechnologen  besonders viel zu tun.

In allen Bereichen der Süßwarenherstellung laufen die Produktionsprozesse von der Rohstoffannahme bis zur Verpackung der fertigen Ware größtenteils mechanisiert bzw. automatisiert ab. Süßwarentechnologen  steuern und überwachen deshalb in erster Linie die Produktionsanlagen, die sie auch reinigen und warten. Da es in der Fabrikhalle in der Nähe der Maschinen sehr laut werden kann, tragen sie hier Gehörschutz. Sicherheitsbestimmungen halten die Fachkräfte ebenso wie die Hygienevorschriften genau ein. Tritt an einer Stelle der Produktionskette eine Unregelmäßigkeit auf, ist sofort ein Süßwarentechnologe zur Stelle, ortet die Fehlerquelle, behebt den Fehler oder informiert die zuständigen Meister und Techniker.

Damit nur einwandfreie Zutaten in die Produktion eingehen, müssen Süßwarentechnologen zunächst die Rohstoffe beurteilen. Das sind z.B. Mehl, Ei- und Milchprodukte, Fett und Zucker, Gewürze, Kräuter und Aromen, Nüsse, Kakao oder Schokolade, Mandeln, Sesam oder Korinthen. Maschinell waschen, schälen und zerkleinern sie Zutaten wie Nüsse oder Kakaobohnen und steuern die Anlagen, sodass die Rohstoffe je nach Rezeptur in den richtigen Mengenverhältnissen zusammengegeben werden. An weiteren Stationen wird z.B. der Teig gemischt, gerührt und ggf. gewalzt. Allergisch gegen die Zutaten darf man nicht sein. Süßwarentechnologen richten Öfen ein oder überwachen Gieß- und Formautomaten, Tafel- und Tablieranlagen sowie Hohlkörperanlagen zur Schokoladeverarbeitung. In der Nähe von Backautomaten oder Frittieranlagen kann es ziemlich heiß werden. Während der Produktion überprüfen die Fachkräfte laufend, ob der Teig die richtige Farbe und Konsistenz hat, und entnehmen Proben, damit sie in den Produktionsprozess eingreifen können, falls etwas nicht stimmt. Hier muss auch gekostet werden, da durch die Laboruntersuchung allein nicht festgestellt werden kann, ob das Produkt auch so schmeckt, wie es schmecken soll.

Der Süßwarentechnologe ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf bei uns in Deutschland. Wer nähere Informationen dazu haben möchte, sei an BerufeNet, die elektronische Datenbank der Bundesagentur für Arbeit im Weltnetz, verwiesen. Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten werden in KurzNet, Arbeitsplätze in der Jobbörse nachgewiesen.

Der obige Text stammt aus BerufeNet.

Doch nun zur beruflich-betrieblichen Praxis. Wie sieht die aus?

Schauenm wir in eine Schauwerbeveranstaltung, die die Firma Kakaoido im Berufsinformationszentrum dert Agentur für Arbeit Großhügelheim durchführt.

Dort ist ein wohlbeleibter Herr - nennen wir ihn Olivíér Möbelbus-Labertasch, an einen "Marterpfahl" gebunden. Vor ihm steht ein "Showmaster" genannter Herr, der offensichtlich der Ausbildungsleiter des Kakaoprodukteherstellers ist.

"Ja, liebe Schüler und Schüler, die ihr gekommen seid," fährt er in seinem Vortrag fort, "ich halte Olivíér jetzt diverse Köstlichkeiten der Konfiserieproduktion vor die Nase. Je lauter sein Magen knurrt, deso besser sind die Artikel. Fangen wir mit den Pralinen an."

Der Showmaster beginnt mit Weinbrandbohnen und fährt mit Dominosteinen, gefülltem Lebkuchen, Nußkrokant, Marzipankartoffeln, Trüffelprodukten, Mozartkugeln u. v. m. fort. Die Konfiserieprodukte liegen auf einem silbernen Tablett; der Showmaster-Ausbildungsleiter hält sie Olivíér unter die Nase. Das Knurren  aus Olivíérs Magen wird von Produkt zu Produkt lauter. 

"Ja, liebe Schüler und Schüler, das könnte ihr bei euch zu Hause auch erreichen. Kommt zu uns, Kakaoido und werdet Süßwarentechnologen."

Diese Veranstaltung hat zu einem handfesten Skandal geführt. Nicht nur, daß ihr Nutzen angezweifelt wurde. Es stellte sich auch heraus, daß das angeblich Knurren nicht echt war - es wurde vom Tonband abgespielt!

"Wir werden jetzt nach Duisburg gehen," erbost sich Yamato Kakaoido, der japanischstämmige Firmeninhaber. "Dort sind Unternehmen wie meines stets willkommen. Dort gibt es in der Königsgalerie viele freie Verkaufsflächen. Und im CityPalais viele Veranstaltungsmöglichkeiten,  berufskundlich wie produktmäßig. Wir werden die Ruhrgebietsstadt zu einem bedeutenden Standort der Süßwarentechnologie machen!"

Bürgerreporter:in:

Andreas Rüdig aus Duisburg

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