Der Beruf des Pfarrers

Die Katastrophe von Duisburg brachte einen Berufsstand ins Rampenlicht, der ansonsten leicht diskreditiert wird: den Pfarrer. Angebliche oder tatsächliche Mißbrauchsfälle an Kindern und (bei den Katholiken) eine zweifelhafte Sexualmoral (Keuschheit und Zölibat / Ehelosigkeit der Priester) werden oft als Kritikpunkte genannt. Grund genug, sich mal mit dem Beruf des (hier evangelischen) Pfarrers zu beschäftigen.

Die meisten evangelischen Theologen gehen in den Pfarrdienst. Als Pfarrer tätig zu sein, bedeutet nicht nur, seelsorgerliche Aufgaben zu erfüllen wie Verkündigung, Feier des Abendmahls oder Taufen von Kindern. Es bedeutet auch, Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und -phasen persönlich und spirituell zu begleiten, ehrenamtliche Mitarbeiter zu gewinnen oder sich für die Ökumene vor Ort zu engagieren. Theologen unterrichten auch Religion an Schulen und lehren Theologie an Hochschulen. Manche leisten auch Missionsdienste. Aufgabe aller Theologen ist es, die christliche Botschaft für die gegenwärtige Zeit und Gesellschaft transparent zu vermitteln und den Menschen christliche Glaubensinhalte so nahe zu bringen, daß sie ihr Leben aus dem Glauben gestalten und nach christlichen Grundsätzen handeln.

Theologen können nach dem Studium der evangelischen Theologie als Pfarrer arbeiten. Neben den seelsorgerlichen Aufgaben im engeren Sinn übernehmen sie Aufgaben der religiösen Erziehung und Bildung. Das kann innerhalb der Kirchengemeinde, in einer kirchlichen Institution oder in einer Schule sein. Sie lehren und forschen aber auch an Hochschulen. Als Pfarrer leiten die Theologen innerhalb einer Gemeinde eine Pfarrei. In den Gottesdiensten predigen sie und feiern mit den Gläubigen das Abendmahl, in Erinnerung an Jesu letztes Abendmahl mit seinen Jüngern und um Sündenvergebung zu erfahren. Evangelische Pfarrer spenden auch das Sakrament der Taufe. Sie sind zuständig für Trauerfeiern und Beerdigungen. Sie führen Glaubens- und Seelsorgegespräche und begleiten Menschen persönlich und spirituell in unterschiedlichen Lebenssituationen und -phasen. Dabei sind sie in einer Gesellschaft des Leistungs- und Konkurrenzdenkens besonders gefordert, sich für die Solidarität mit den Schwachen und Ausgegrenzten einzusetzen und sich zu Wertschätzung, Nächstenliebe und sozialer Gerechtigkeit zu bekennen. Außerdem regen sie Gemeindemitglieder zum ehrenamtlichen Krankenbesuchsdienst oder zur ehrenamtlichen Unterstützung ausländischer Mitbürger an. Und sie beteiligen sich oft selbst daran. Sie engagieren sich auch in der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit. Dazu gehören Bibelkreise, aber auch Freizeiten und Feriengemeinschaften - während der es nicht nur Bibelstunden gibt, sondern auch Fahrradtouren, Ausflüge ans Meer oder Grillabende.

Leitungskompetenz und pädagogisches Geschick sind hier neben theologischer Standfestigkeit wichtige Voraussetzungen. Evangelische
Pfarrer erteilen auch Konfirmandenunterricht und beraten Jugendliche zu für sie relevanten Lebensfragen, etwa zur
Kriegsdienstverweigerung. Natürlich sind sie auch in der Seniorenarbeit tätig. Oberstes Ziel ist in jedem Fall, die Beteiligten für das Evangelium als Quelle der Sinnorientierung und Lebenshilfe zu begeistern und christlichen Beistand in schwierigen Lebenssituationen zu leisten. Daneben haben Pfarrer immer auch viele organisatorische und verwaltende Aufgaben zu erledigen. Als Religionslehrer vermitteln Theologen nicht nur Fakten- und Fachwissen des evangelischen Glaubens auf der Grundlage des jeweils
geltenden Lehrplans. Ihr besonderes Ziel ist, dass die Schüler selbstverantwortlich lernen und handeln und sich dabei soziale
und ethische Werthaltungen aneignen. Hier sollen Religionslehrer eine Vorbildfunktion ausüben. Überdies beobachten sie das
Lernverhalten, die allgemeine Entwicklung und sozialen Kontakte der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen. Nur so können sie bei
Leistungs- oder Entwicklungsschwierigkeiten intensiv auf die einzelnen Schüler eingehen. Auch hängt Schule immer mit
Leistungsbewertung zusammen: Der richtigen Erstellung von Prüfungsaufgaben und deren gerechte Benotung sowie der allgemeinen Beurteilung von Lernverhalten und -leistung kommt ein besonderes Gewicht zu. Lehrer haben hier grundsätzlich einen
entscheidenden Einfluss auf den Lebensweg der Schüler. Sie tragen damit eine große Verantwortung.

Als Pfarrer arbeiten evangelische Theologen selbstständig und eigenverantwortlich, mit erheblichen Freiräumen in der
inhaltlichen Gestaltung der Arbeit, aber unter Beachtung der kirchlichen Normen. Da sie mitten im Leben der Kirchengemeinde stehen und das persönliche Gespräch in diesem Beruf eine wichtige Rolle spielt, haben sie mehr oder weniger engen Kontakt zu Mitgliedern der Gemeinde: zu Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, zu Armen und Reichen, Gesunden und Kranken. In der gemeindlichen Arbeit und im sozialen Bereich gewinnt zunehmend die Zusammenarbeit mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern an Bedeutung. So koordiniert man z.B. im Team den Ablauf von Kirchenfesten. Zudem treffen Pfarrer häufig auf Kranke und Sterbende und Menschen in anderen Ausnahmesituationen und
müssen sich in deren Lage einfühlen; psychisch sind solche Kontakte nicht immer leicht zu verkraften. Andere Kontakte bestehen etwa zu
Mitgliedern der Kirchenverwaltung, zu Mitarbeitern von Wohlfahrtsverbänden, Krankenhäusern, Altenheimen und Justizvollzugsanstalten und zu Vertretern anderer Kirchen. Termine mit Gemeindemitgliedern sind nicht immer einplanbar. Neben den Gottesdiensten fallen am Wochenende manchmal Ausflüge mit der Gemeinde an. Häufig sind abends - auch sonntags - Gottesdienste abzuhalten oder Hausbesuche abzustatten, oder die Konfirmanden warten auf den Unterricht. Der Arbeitsrhythmus wird vornehmlich vom Ablauf des Kirchenjahres bestimmt, besondere Ereignisse sind z.B. Adventszeit, Weihnachten und Ostern. Als Pfarrer leistet man körperlich leichte, geistig aber anspruchsvolle Arbeit.

Da sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch erziehen, beobachten sie zum Beispiel als Religionslehrer bzw. Pfarrer beim
Religions- und Konfirmationsunterricht auch das Lernverhalten, die allgemeine Entwicklung und sozialen Kontakte der ihnen anvertrauten
Kinder und Jugendlichen. Sie motivieren sie, korrigieren Fehlverhalten und beraten Erziehungsberechtigte. Neben der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts beanspruchen Konferenzen und Weiterbildungsveranstaltungen, die auch in den Abendstunden stattfinden können, viel Zeit.

Religionslehrer richten sich nach den Dienstvorschriften und sind wie Pfarrer selbstständig und eigenverantwortlich tätig.

An der Hochschule erforschen Theologen die christliche Glaubenslehre. Dabei initiieren sie auch interdisziplinäre
Forschungsprojekte, an denen etwa Historiker, Literaturwissenschaftler oder Informatiker teilnehmen können. Übrigens gestaltet sich die Forschung häufig international. Wissenschaftler recherchieren weltweit und arbeiten über Erdteile hinweg an einem Projekt zusammen. So nehmen Theologen auch an vielerlei internationalen Tagungen und Konferenzen teil. Als Dozenten geben sie Wissen an Studierende weiter. Hochschullehrer müssen eine bestimmte Anzahl von Semesterwochenstunden für die Lehre verwenden. Darüber hinaus verlangt die Forschung einen hohen Zeitaufwand, was häufig auch Abend- und Nachtarbeit oder Arbeit an Sonn- und Feiertagen bedeutet. Häufig herrscht Termindruck, etwa wenn man Examensarbeiten rechtzeitig zu korrigieren hat.

Der Zugang zur Tätigkeit erfolgt durch ein abgeschlossenes Studium der evangelischen Theologie. Für eine Tätigkeit als Pfarrer ist außerdem ein entsprechender kirchlicher Vorbereitungsdienst erforderlich.

Die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche ist unabdingbar. Für die Tätigkeit als Vikar bzw. evangelischer Pfarrer muss im Anschluss an das Studium der evangelischen Theologie ein Vorbereitungsdienst erfolgreich absolviert werden. Ebenso ist ein Vorbereitungsdienst (Referendariat) für den Schuldienst erforderlich. Für die Tätigkeit als evangelischer Religionslehrer ist zu beachten, dass die pädagogische Arbeit nicht nur im Auftrag der Schule, sondern auch der Kirche vollzogen wird. Daher sollen evangelische Religionslehrer bereit sein, die Sache des Evangeliums zu ihrer eigenen zu machen und sie glaubwürdig zu bezeugen. Der eigene Standpunkt
soll Offenheit und kritische Solidarität gegenüber Andersdenkenden nicht verhindern, seien es Lehrerkollegen, Schüler oder deren Eltern. Für eine Festanstellung im wissenschaftlichen Bereich ist häufig eine Promotion erforderlich. Die Mitwirkung an Forschungsprojekten und wissenschaftlichen Publikationen erhöht die Beschäftigungschancen.

Evangelische Theologen sind Fachleute für systematische und biblische Theologie, Religionspädagogik und Kirchengeschichte. Innerhalb der theologischen Teilgebiete beschäftigen sie sich z.B. mit Fundamentaltheologie, Sakramentenlehre, Dogmatik, Bibelkunde oder biblischer Exegese. Sie arbeiten vor allem im Pfarrdienst, aber auch in Aufgabenbereichen wie Religionsunterricht, Sozialbetreuung, Missionsdienst oder Verwaltungsleitung. Darüber hinaus sind sie auch in Forschung und Lehre, im Journalismus, in der
Erwachsenenbildung, im Fundraising oder in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Die Vorliebe für geisteswissenschaftliche Gegenstandsbereiche (z.B. Beschäftigung mit grundsätzlichen theologischen und philosophischen Fragestellungen), der Wunsch nach religiöser Orientierung der beruflichen Tätigkeit, die Neigung zu sprachbezogener Tätigkeit (z.B. Vermittlung von theologischen Lehrinhalten, Dialog mit Gemeindemitgliedern, Schülern oder Studenten), das nteresse an Pädagogik und Psychologie (religiöse Bildung; Erziehung zu selbstständigem Lernen und Denken), die Neigung zur sinndeutenden Beschäftigung mit der Wirklichkeit, zur Auseinandersetzung mit den allgemeinen und grundsätzlichen Fragen des Lebens (Auftrag und Selbstverständnis der Kirche und der Theologie im allgemeinen), die Freude am Vermitteln von Wissen (z.B. Weitergabe des Evangeliums als Quelle der Sinnorientierung, der Lebenshilfe, aber auch als Herausforderung), die Neigung zu helfendem und beratendem Umgang mit Menschen (bei einer Tätigkeit als Seelsorger) und die Neigung zu prüfender, kontrollierender, bewertender Tätigkeit (z.B. als Religionspädagoge: Bewertung von Schülerleistungen und Kontrolle ihres Verhaltens) sind Eigenschaften, die in dem Beruf von Vorteil sind.

Einfühlungsvermögen, Geduld (z.B. Fähigkeit zum Zuhören; Herstellen einer Vertrauensbeziehung zu Gemeindemitgliedern), Kontaktfähigkeit (z.B. persönliche und spirituelle Begleitung von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und -phasen), eine planvolle, systematische Arbeitsweise (z.B. Konzipieren von Lehrmaterial und Lerneinheiten in lehrender Position, Auswerten
historischer Quellen bei einer Forschungstätigkeit), Selbstsicherheit (Mut zum Beurteilen und Entscheiden) (bei der Einschätzung und moralischen Bewertung menschlichen Verhaltens), Verantwortungsbewusstsein (z.B. gegenüber der Kirche und ihrer Lehre, aber auch gegenüber Gemeindemitgliedern und ihren Anliegen; besondere Vertrauensstellung als Religionslehrer innerhalb der Schulgemeinschaft), Verschwiegenheit (z.B. Bewahren von Informationen über Personen und Geschehnisse, die man aufgrund der Vertrauensstellung erlangt hat), Umstellfähigkeit (auf unterschiedliche Personen mit verschiedenen Anliegen, z.B. Trauerfeier, Taufe), Vertrauen erweckendes Auftreten (Bereitschaft, die Sache des Evangeliums zur eigenen zu machen und sie glaubwürdig zu bezeugen; Vorbildfunktion) sowie neurovegetative Belastbarkeit und psychische Stabilität (z.B. Umgang mit Menschen in Not- und Konfliktsituationen, Begleiten von Sterbenden und deren Angehörigen) sind in dem Beruf förderlich, wenn nicht gar unabdingbar.

Mit Luthers berühmten Satz "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" vor dem Wormser Reichstag war die Kirchenspaltung besiegelt. Hier liegt die Geburtsstunde des evangelischen Bekenntnisses. Luther berief sich auf die Bibel, denn es schien ihm die oberste Pflicht eines jeden Christen zu sein, dieses Wort Gottes zu verkünden. Für die evangelischen Theologen ist diese Pflicht zum Beruf geworden. Bald
danach hat sich die Theologie mit den komplexer werdenden Verhältnissen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik beschäftigt. Es entstand eine eigenständige Wissenschaft mit eigenen wissenschaftlichen Methoden. Seitdem erfordert die Ausbildung evangelischer Theologen in der Regel ein akademisch-wissenschaftliches Studium an einer staatlichen Universität oder einer Kirchlichen Hochschule. Die unterschiedlichen Aufgaben, die sich den Theologen heute stellen können, verstärken die Hinwendung zu einer Spezialisierung, zum Beispiel auf Jugendarbeit, Krankenhaus, Altenarbeit oder Diakonie.

Sie merken es bestimmt, liebe Leser: Dieser Text ist nicht auf meinem eigenen geistigen Mist gewachsen. Er stammt aus BerufeNet, der berufskundlichen Informationsplattform der Arbeitsverwaltung im Internet und gibt dort die weesntlichsten Textstellen wieder. Die Autoren bemühen sich sicherlich um eine möglichst objektive Beschreibung nach einem standardisierten Verfahren. Das ist auch richtig und gut so; schließlich soll dem Leser eine möglichst genaue und wertfreie Beschreibung des Berufes an die Hand gegeben werden.

Bei angehenden Theologen sollte aber auch der subjektive Aspekt bedacht werden. Wofür eigne ich mich? Erzähle ich gerne von mir, wenn ich predige, oder bin ich auch in der Lage, zu verallgemeinern? Mag ich es überhaupt, ständig im Mittelpunkt zu stehen und mich beobachten, wenn nicht gar anstarren zu lassen? Oder bin ich eher der Schreibtischtäter, der lieber das geschliffene Wort zu Papier bringt?

So manche junge Dame hat sich in einen Studenten verliebt und einen Pfarrer geehelicht. Unregelmäßige Arbeitszeiten können für selbständig denkende Geister von Vorteil sein; dem Familienleben - vor allem dann, wenn es geregelt sein soll - sind sie nicht unbedingt zuträglich. "Wenn wir möchten, kann ich mit meiner Frau morgends irgendwo frühstücken gehen," erzählte mir mal ein Gemeindepfarrer. "Dafür haben wir abends oft die Wahl. Entweder sitzt sie alleine vor dem Fernseher. Oder es gibt Gemindeveranstaltungen bei uns in der Pfarrwohnung." Es soll Ehen geben, die genau daran gescheitert sind.

Die soziale Komponente kommt hinzu. Seitens der Gemeindeglieder, Pfarrkollegen, Verwaltungsmitarbeitern und anderen Leuten gibt es natürlich den Wunsch, der Pfarrer solle es jedem Recht machen. Die ansprechende Predigt gehört genauso dazu wie ein ausgeglichenes Wesen, ständige Dienstbereitschaft und prefekte Kenntnisse im Verwaltungswesen. Der Pfarrer tritt als Mensch natürlich leicht in den Hintergrund. Ist Karrieredenken erlaubt? Wie geht ein Pfarrer mit Konflikten in der Gemeinde und mit dem Arbeitgeber um?

Vor allem aber: Galt der "Herr Pfarrer" früher noch als geachtete Respektsperson und Autorität, so hat sich dieses Bild doch grundlegend gewandelt. Der Pfarrer ist ein Beruf wie jeder andere auch. Der Blickwinkel hat sich dahingehend verschoben, daß Pfarrer und ihre Arbeit kritisch beäugt werden. Ist sein Lebenswandel einwandfrei? Vergreift er sich an Kindern? Läßt er sich scheiden? Oder ist er gar homosexuell? Kriterien, die bei anderen Berufen keine Rolle spielen, gewinnen hier eine Bedeutung, die in anderen Berufen keine Rolle spielen. Daß niemand anderen Menschen Schaden zufügen darf, ist wohl unbestritten. Inwieweit aber das Privatleben zum Beurteilungskriterium und Maßstab aller Dinge werden darf, das sollte jeder Leser schon selbst überlegen.

Die Gemeindeleitungsorgane spielen hier eine zentrale Rolle. Sie wählen den Pfarrer und stellen das gemeindliche Personal ein. Im Idealfall leiten sie das kirchliche Personal an. Die tägliche Praxis dürfte dem nicht entsprechen. Die Ältesten in der Gemeinde kommen aus den verschiedensten Berufen; der Akademiker ist genauso vertreten wie die Hausfrau. Personalführung ist hier unter Umständen unbekannt, weil nicht eingeübt. Kommt es zu KOnflikten, treten menschliche Konflikte sehr leicht auf.

Gibt es eine Stellenbeschreibung, in der festgelegt wird, welche Aufgaben ein Pfarrer erledigen soll? Wird eine solche Stellenbeschreibung an veränderte Gegebenheiten angepaßt? Wird mit dem Pfarrer über seine Arbeit gesprochen? Gibt es regelmäßige Beurteilungen und welche Maßstäbe werden dabei angelegt? Wie verfährt man, wenn der Wunsch nach einer Trennung besteht? Der Pfarrer ist hier kein normaler Beruf. Das kirchliche Recht gesteht dem Pfarrer den Beamtenstatus zu, zumindest in den Landeskirchen. Dinge wie Abmahnungen oder Kündigungen sind daher kein Thema. Ein PFarrer muß sich schon tiefgreifender Verfehlungen zu Schulden kommen lassen, damit er aus dem Dienst entfernt werden kann.

Ob sich in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen Änderungen ergeben werden, wird sich noch zeigen müsen. Die Refinanzierung von Stellen und der Abbau von Stellen wird auch in Zukunft ein Thema sein. Kirche hat ein Dilemma selbst verschuldet. In Zeiten voller Kassen konnten Arbeitsgebiete ausgeweitet und Angebote kostenlos unterbreitet werden. Dies führte zu einer Versorgungsmentalität. Ich bin Kirchenmitglied, also steht mir das auch zu. So könnte man das Wunschdenken vieler Gemeindemitglieder beschreiben. Da kirche aus dem Vollen schöpfen konnte, wurde die wirtschaftliche Seite lange Zeit vernachlässigt.
Das Umdenken hat auch Folgen für den Pfarrer. Er muß sich heute oft um eine Mindestanzahl von Gemeindemitgliedern kümmern, um Anspruch auf eine volle Pfarrstelle zu haben. Die Frage nach einer inneren Mission kommt erst langsam wieder auf. Wer ist wesen Existenzberechtigung? Gibt es eine Gemeinde, weil es irgendwo den Pfarrer gibt? Oder bieten möglichst viele Gemeindeglieder dem Pfarrer eine berufliche Existenz? Hinzu kommt: Es gibt viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Kirche ist nur eine davon. Das Aufgabenfeld der Pfarrer wird sich in Zukunft verlagern müssen. Eine aktivierende Rolle wird hinzukommen. Bisherige Karteileichen werden in die Gemeindeaktivitäten einbezogen werden müssen. Gleichzeitig wird die Mission wieder an Bedeutung gewinnen. Christlichen Zuwanderern muß ein Raum in der Kirche gegeben werden. Bei nichtchristlichen Zuwanderern muß der Frage nachgeganen werden, wie sie an den christlichen Glauben herangeführt werden können. Wie kann erreicht werden, daß wieder mehr Kinder getauft werden? Wie kann ich (gut) verdienende Menschen dazu bewegen, wieder Kirchenmitglied zu werden? Gerade in Gegenden, die kirchenentwöhnt sind, stellt sich die Frage, wie Kirche wieder zum alltäglichen Erscheinungsbild gehören kann. Da Pfarrer die Verhältnisse vor Ort am besten kennen, sollten sie an dieser Bewegung mitwirken.

Betrachtet man den Pfarrer als weltlichen Beruf und Broterwerb und nicht nur als Berufung, die ehrenamtlich ausgeübt wird, muß auch das System Kirche als weltliche Einrichtung und damit auch unter personalwirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen werden. Ihre Produkte heißen dann beispielsweise "Seelsorge", "Kirchlicher Unterricht", "Beerdigung" und "Freizeit". Kirche wäre damit Bildungsträger, Freizeitunternehmen und der Pfarrer ein religiös vorgebildeter Psychologe. All´ diese angebote müssen finanziert werden. Christliche Nächstenliebe darf dabei nicht als eindimensionale Angelegenheit mißverstanden werden. Das Gebot "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" kann und muß dann auch auf den Kunden der Kirche angewendet werden. Nächstenliebe ist dann nicht einseitig. Sie vermeidet so den Hauch von Schmarotzertum und vermittelt auch den ideelen Wert von Arbeit, wenn man sie bezahlt.

Bürgerreporter:in:

Andreas Rüdig aus Duisburg

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