Akzente-Theateraufführungen

"Abgesoffen" heißt ein Stück von Carlos Eugenio Lopez. Das Schauspiel Frankfurt führt es unter der Regie von Antu Romero Nunes während des Akzente-Theatertreffens in Duisburg auf.

"Zwei Männer, die mit ihrem Wagen nachts durch die Weite der spanischen Mancha eilen. Immer auf das Meer zu. Philosophen sind sie, die die großen Fragen noch mal ganz von vor aufrollen. Hin und wieder kommen esie ein wenig aus der Spur, durch Überlegungen wie: Welche Augenfarbe hatte eigentlich der Mann, der jetzt im Kofferraum des Wagens liegt? `Abgesoffen´ ist ein vollständig als Dialog geschriebener tief schwarzer Roman des spanischen Autors Carlos Eugenio Lopez. Ätzende Gesellschaftskritik paart er mit Grundfragen des Seins," berichtet das Programmheft.

Eine nennenswerte Bühnendokumentation gibt es nicht. Die Stühlreihen für die Besucher belegen fast den ganzen Raum des Foyer III. Die Aufführung ist gut besucht.

2 Typen, 2 Mörder stehen auf der Bühne, sinnieren über Gott und die Welt und machen Seelenstriptease. So sieht spärliches und neues, vielleicht auch gewöhnungsbedürftiges Theater aus, das zum Nachdenken anregen möchte.

"An der Reling Geschichten, Gedichte und Lieder rund um die Seefahrt, das Wasser, den Wind und die Sterne" heißt ein Stück, das das Theater Duisburg in Kooperation mit dem Kleinkunsttheater "Die Säule" auf die Bühne bringt. Tatort ist das Opernfoyer.

"Eine ganz besondere `theatrale Hafen-Rundfahrt´ im Opernfoyer. An Bord: Siegfried Rauch und Horst Naumann, `Kapitän´ und `Schiffsarzt´ der MS-Deutschland, die als ZDF-Traumschiff Fernsehgeschichte schreibt. Wer wäre besser geeignet, Geschichten, Gedichte und Lieder zum Thema `Wasser´ auf die Bühne zu bringen? Begleitet werden die beiden Schauspieler vom Pianisten und Kabarettisten Frank Golischewski.

Zu dritt laden sie zu einer literarisch-musikalischen Reise mit Anekdoten über die Reisenden auf einem Kreuzfahrtschiff, Geschichten über ganz besondere Erlebnisse auf See, mit Gedichten und Prosa von Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Fontane und vielen anderen. Erich Kästner fehlt genauso wenig wie Kabarettistisches von Joachim Ringelnatz. Musikalisch bietet das Programm alles von bekannten Volksweisen über Hans-Albers-Titeln bis zum berühmten `La mer´," berichtet die Einladung.

Überwiegend weiblich, überwiegend lebensälter - so läßt sich das Publikum beschreiben. Es versammelt isch in dem Raum, der direkt über dem Eingangsbereich des Stadttheaters liegt. Ein Hauch von historisch-nostalgischem Charme weht durch den Raum.

Er ist mit Marmorboden ausgelegt. An der Stirnseite hängt ein Gobelin. Die Raumaufteilung ähnelt der von Kirchen - es gibt ein Mittelschiff und ein Seitenschiff an jeder Seite. An jeder Seite gibt es 6 Säulen, deren 4 mittlere golden verkleidet sind. Sie tragen die Emporen. Schaut man auf die Stirnseite, liegen links die Eingänge; schaut man durch die 5 Fenster auf der rechten Seite, schaut man auf den König-Heinrich-Platz. Von dem die Frauenbüste im Opernfoyer ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Sehr dekorativ ist auch die Deckenbeleuchtung: Fast schon wie Fangarme stehen die Lampen von den roten Halbkugeln ab. Es gibt drei solcher Deckenbeleuchtungen.

Der Saal ist gut gefüllt - die Veranstaltung ist ausverkauft. Das Publikum erlebt einen angenehmen Nachmittag. Das Trio auf der Bühne bietet humorvolle Unterhaltung, die dem Publikum gefällt.

"Die Möwe" heißt ein Theaterstück von Anton Tschechow. Regie führt Jürgen Gosch. Es ist ein Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin in Koproduktion mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.

`"Am Ufer eines Sees lebt ein junges Mädchen. Es liebt den See wie eine Möwe. Es ist frei und glücklich. Doch da kommt ein Mann und stürzt das Mädchen aus LAngeweile ins Verderben.´ Stoff für eine kleine erzählung, sagt der Schriftsteller Trigorin. Dabei ist er selbst der Mann, der das Mädchen ins Verderben stürzt...

Jürgen Goschs umjubelte Inszenierung wurde 2009 zum Berliner Theatertreffen eingeladen und in der Kritikerumfrage von `Theater heute´ zur Inszenierung des Jahres gewählt, Kathleen Morgeneyer für ihre Darstellung der Nina zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres. Für ihre Darstellung der Mascha wurde Meike Droste mit dem Deutschen Theaterpreis `Faust´ ausgezeichnet," berichtet die Einladung.
Die Vorstellung ist komplett ausverkauft. Zu Beginn besteht die Bühnendekoration aus einer schwarzen Wand (incl. Sitzbank). Die Schauspieler kommen durch den Zuschauerraum auf die Bühne. Eine Leinwand und ein Stein sind weitere größere Requisiten, die im Laufe des Stückes zur Anwendung kommen. Das Publikum bekommt groeßs und großartiges Theater, das auch Humor aufweist, geboten. Den Schauspielern gelingt es, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Stehende Ovationen sind der Lohn dafür. Bei der eindringlichen und dichten Spielweise wundert es mich nicht, daß die Produktion mehrfach ausgezeichnet wurde. Es ist eher eine angenehme Überraschung, daß es dem Duisburger Theater gelungen ist, diese Produktion zu uns nach Duisburg zu holen.

"Wasser" heißt ein Hörspielt von Guy Helminger, das im Rahmen der AKzente 2010 im Radiomuseum Duisburg zu hören ist.

Der 22. März eines jeden Jahres wurde im Dezember 1992 von den Vereinten Nationen zum `Tag des Wassers´ erklärt. Grund dafür war, die Bevölkerung auf die BEdeutung von Wasser als wichtigstem Lebensmittel hinzuweisen. Genau zehn Jahre später wird Peter Druss am Tag des Wassers mit Atembeschwerden in die Klinik eingeliefert. Zur gleichen Zeit steht sein Sohn Severin nach einer Kaisorreise in einem anderen Krankenhaus unter Quarantäne. Solche Unglücksfälle führen die Familie wieder zusammen. Aber was hat sie auseinandergetrieben? Die Tochter Clara sagt: "Es war das Wsser, das uns vor zehn Jahren reingelegt hat." Seitdem sind alle auf der Flucht, auf der Flucht voreinander und vor sich selbst. Und auc hjetzt schein tes das Wasser zu sein, das seinen Tribut fordert. Was aber ist damals wirklich geschehen, an diesem ersten `Tag des Wassers´?
Jörg Schlüter führte bei der Produktion aus dem JAhre 2002 Regie. Therese Dürrenberger, Christa Strobel-Mertins, Paul Faßnacht, Hansjoachim Krietsch, und Thomas Dannemann sind einige der Sprecher, die hier zu hören sind. Guy Helminger wurde 1963 in Esch-sur-Alzette (Luxemburg) geboren. Er lebt aber seit 1985 als freier Autor in Köln Er veröffentlichte bereits mehrere Gedichtbände und schreibt Prosa, Theaterstücke und Hörspiele. Viel zu berichten gibt es hier nicht. Die Geschichte wird eher episodenhaft erzählt. Der Hörer muß also schon genau zuhören, um den tieferen Sinn der Geschichhte zu erfassen. Die Massen lockt man mit solchen Produktionen nicht.

"Michael Vogt: Duisburg - Hafen der Kulturhauptstadt Ölbilder, Acryl / Pigment auf Karton, Sepia-Tuschzeichnungen" heißt eine Ausstellung im Rahmen der Akzente 2010 in der Kunsthandlung Kugel. "Michael Vogt, 1957 in Willich geboren, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf bei Peter Kleemann und Gerhard Richter und war Meisterschüler bei Prof. Erwin Heerich. Nach dem Studium folgten langjährige Aufenthalte in Italien und Brasilien. Seine Arbeiten waren seit 1983 in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, Brasilien, Italien, Frankreich und Belgien zu sehen. Für diese Ausstellung malte Michael Vogt vor Ort, also im Duisburger Hafen an Rhein und Ruhr, um den unverwechselbaren Charakter der Schiffahrt dieser Stadt einzufangen," stellt die Galerie den niederrheinischen Künstler vor.
Vogt zeigt hier Motive aus Ruhrort und seinem Hafen, die es schon lange nicht mehr gibt. Die Bilder zeigen also eine Rhein-Romantik aus längst vergangenen Tagen.
Die Akzente gehen hier eine Mischung aus Kunst und Kommerz ein. 1.200 Euro kosten die billigsten Bildefr von Vogt. "Es sind schließlich keine Drucke, sondern Einzelanfertigungen," erfahre ich bei meinem Besuch. So hübsch die Bilder aus sein mögen, so teuer erscheint mir doch der Preis. Selbst wenn ich es hätte: Ich wüßte nicht, ob ich bereit wäre, so viel Geld für ein Bild auszugeben.

"Das rote Licht des MondesLiteraTour durch Ruhrort nach dem gleichnamigen Roman von Silvia Kaffke" (Konzept und Textfassung: Silvia Kaffke, Produktion und Inszenierung: Olaf Reifegerste) heißt eine Veranstaltung der diesjährigen Akzente.
"Ruhrort Mitte des 19. Jahrhunderts - eine neue Zeit bricht an. Doch der Fortschritt hat auch seine dunkle Seite: Während Lina Kaufmeister, Tochter aus gutem Hause, davon träumt, sich als Schneiderin selbständig zu machen, erschüttert der Fund zweier grausam zugerichteter Leichen das Leben in Ruhrort. Ein Werk des Teufels? Zwei Mädchen wurden die Herzen aus dem Leib geschnitten, em älteren sogar ein Kind. Weitere Morde folgen. WÄhrend der Bürgermeister glaubt, nur ein Durchreisender könne diese Morde begehen, vermutet Lina den Schuldigen in der angesehenen Bürgerschaft. Zusammen mit Commissar Robert Borghoff kommt Lina einer Verschwörung auf die Spur. Doch die Schuldigen sind schwer zu fassen. Mit diesem historischen Kriminalroman. im Gepäck unternimmt der Zuschauer eine theatralische LiteraTour durch Ruhrort, an originalgeteue Schauplötze und Orte dieses heutigen Duisburger Hafenstadtteils," berichtet die Einladung.
Freilufttheater? An verschiedenen Orten? Ein Krimi? Bei uns in Duisburg? Als Krimifan werde ich neugierig und mache mich an Fronleichnam auf den Weg zum Ruhrorter Friedhof; dort ist der Treffpunkt und Startort.
Man kann den Akzenten nur zu dieser Produktion beglückwünschen. Die Besucher lernen Ruhrort kennen. Es muß bestimmt viel Aufwand bedeutet haben, die verschiedenen Orte zu finden und die Originalgeschichte so umzuschreiben, daß sie auf die "Bühne" gebracht werden kann. Bei dem sonnigen und warmen Wetter macht es richtig Spaß, der Produktion zu folgen. Sie hätte zwar an einigen Stellen problemlos gekürzt werden können, ohne daß der Inhalt gelitten hätte, dem positiven Gesamteindruck tut dies aber keinen Einbruch.

Bürgerreporter:in:

Andreas Rüdig aus Duisburg

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