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Düsseldorfer Verwaltung benutzt nicht die Einfache Sprache

pixabay
Düsseldorf, 23. September 2019

In der letzten Ratsversammlung fragte die Ratsfraktion Tierschutz FREIE WÄHLER die Verwaltung zum Thema einfache oder leichte Sprache, aus welchen Gründen sich die Verwaltung der Landeshauptstadt Düsseldorf für die leichte und nicht für die einfache Sprache entschieden hat, was konkret bis wann getan wird, um sowohl die Internetseiten, als auch Flyer, Druckerzeugnisse, Beschluß- und Verwaltungsvorlagen in leichter oder einfacher Sprache zur Verfügung zu stellen und, wenn für die Umsetzung Personal bzw. zusätzliches Personal notwendig wird, wieviele Vollzeitstellen vorhanden sind, benötigt werden oder zusätzlich geschaffen werden müssten und ob diese im Haushalt 2020 ff berücksichtigt sind.

Es wurde mitgeteilt, dass die Agentur Barrierefrei NRW Empfehlungen für Träger öffentlicher Belange zum strategischen Umgang mit Leichter Sprache gegeben habe und das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen diese als PDF zum Download zur Verfügung stellt.
Gerade weil es für die Leichte Sprache Qualitätsstandards und Regeln gibt und die Anwendung dieser Normen gewährleiste, dass Texte in Leichter Sprache ihren wesentlichen Zweck erfüllen, käme die Einfache Sprache nicht in Betracht.

Der Beigeordnete Prof. Dr. Meyer-Falcke führte weiter aus, dass „Texte in Leichter Sprache den Nachteil haben, dass sie für Menschen ohne Leseeinschränkungen wenig geeignet sind. Verständlichkeit und Zusammenhänge gehen verloren und es werden oft viele Informationen aneinandergereiht. Darüber hinaus sind Texte in Leichter Sprache oft nicht justiziabel und eignen sich nicht für die Übersetzung von Fachbeiträgen und entsprechenden Publikationen.
Die Verwaltung setzt daher auf einen möglichst passgenauen Einsatz der Leichten Sprache. Ein entsprechendes Umsetzungskonzept wird derzeit vorbereitet. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf den Auftrag des Rates vom 07.03.2019 zur Internationalisierung der Website unter Einbeziehung von Angeboten in Leichter Sprache. Das darin geforderte Konzept zu Umsetzung wird die Verwaltung in einer der nächsten Sitzungen vorlegen.“

Zusätzliche Stellen müßten nicht geschaffen oder/und zusätzliches Personal müßte nicht eingestellt werden, da die Frage, ob Informationen in Leichter Sprache veröffentlicht werden, zu den Aufgaben der Fachbereiche, die die entsprechenden Personengruppen betreuen, gehöre.

Ratsherr Dr. Ulrich Wlecke, Ratsfraktion Tierschutz FREIE WÄHLER: „Die Antwort der Verwaltung widerspricht genau der Argumentation der Aktion Mensch. Sie empfiehlt die Einfache Sprache, weil 95 Prozent der Bevölkerung diese lesen und verstehen können.

Gerade weil die Leichte Sprache ein festes Regelwerk hat, habe sich die Stadtverwaltung für diese entschieden. Aber geht es nicht um die Menschen? Geht es nicht um die rund 160.000 Menschen in Düsseldorf, die funktionale Analphabeten sind, Menschen mit einer schweren Lese- und Rechtschreibschwäche, Menschen mit einer geistigen Behinderung und Menschen, die Deutsch als Fremdsprache sprechen?

Unsere Fraktion wird an diesem Thema dran bleiben und dafür arbeiten, dass die Verwaltung zur Einfachen Sprache wechselt.“
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