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Sonderkurs „Meeresbiologie“ in Tamariu, Costa Brava, Spanien

Die Teilnehmer lauschen den interessanten Vorträgen der Dozenten (Foto: Martin Stümpfig)
von Tilo Kircher:

Orange-violett gezeichnete Nacktschnecken, so klein dass man sie nur unter dem Binokular sieht. Photosynthese betreibende Lebewesen, die fest mit dem Untergrund verwachsen sind und aussehen wie Pflanzen, aber trotzdem als Tiere klassifiziert werden. Und Meeresbewohner, die mit ihren Kiemen gleichzeitig ihre Nahung verdauen. Diese Einsichten in eine Meeresfauna, die Alltagsvorstellungen der Kategorien Pflanzen, Tiere oder Pilze sprengte, vermittelten die Biologen Ralf Jacob (Organisator), Anne Holz, Jan Sauer und Tauchlehrer Martin Stümpfig dreizehn verblüfften Tauchern im Sonderkurs „Meeresbiologie“ in Tamariu an der katalanischen Costa Brava, 100 km nördlich von Barcelona.

Nach kühlen (Wasser 10-12 Grad) aber immer abwechslungsreichen Tauchgängen trafen sich die Teilnehmer im dampfig-warmen Esszimmer eines Ferienappartements, das dank Beamer, Aquarien, Binokular, Petrischalen, improvisiertem Mini-Labor und kleiner Meeresbibliothek einem Universitätskurs glich. Professionell versiert wurden Fakten vermittelt zu Meeresströmungen, Salzgehalt, Ökosystemen, Umweltverschmutzung, Meerestieren, speziell Weich- und gefährlichen Tieren. In zwei Kurstauchgängen sammelten die Hobby-Biologen Tier-, Pflanzen- und Wasserproben, fotografierten und zählten Seeigel. Die anschließenden Berechungen zur Seeigeldichte beunruhigten, so wurde doch die Wahrscheinlichkeit auf einen zu treten bei jedem Schritt auf 4 % berechnet. Wieder zurück im „Kursraum“ bestimmten die Taucher unter Anleitung von erfahrenen Meeresbiologen die aufgenommenen Tiere und Pflanzen. Die in den Tauchgängen selbst aufgenommenen Fotos wurden an die Wand projiziert und gemeinsam anhand von Bestimmungsbüchern klassifiziert. Wasserproben wurden chemisch analysiert. Es zeigte sich, dass das Trinkwasser aus dem Wasserhahn stärker als das Meerwasser mit Düngemittelrückständen belastet ist. Unter dem Binokular, das winzige Lebewesen sichtbar machte, fanden sich mikroskopisch kleine bunt gefärbte Schnecken, Garnelen und Moostierchen, die wie winzige Anemonen aussehen. Diese waren in Kolonien auf Seegrasblättern angesiedelt, die der naive Betrachter mit bloßem Auge für weißen Schmutz hält. Ein promovierter Schneckenforscher half bei der schwierigen Einordnung der tausenden, zum Teil noch gar nicht klassifizierten, Molluskenarten im Mittelmeer.

Beim Abendessen im Fischrestaurant an der kleinen Uferpromenade erhielten die Teilnehmer ihre Brevets, die einige gleich stolz in ihre Taucherpässe einkleben konnten.

Mir hat die Teilnahme an dem Meeresbiologie Kurs in Tamariu eine völlig neue Sichtweise auf die Vielfältigkeit in Arten und Größenverhältnissen der Tier- und Pflanzenwelt gezeigt, die ich bei meinen Tauchgängen im Meer vorfinde.


Tilo Kircher
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