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Freudenschere für Elina Louisa

Burgwedel: Bockwindmühle Wettmar |

Alter Müllerbrauch in Wettmar

Am 14. September kam ein kleines Mädchen zur Welt. Dieses besondere Ereignis hatte viele Dimensionen: Es freuten sich nicht nur die jungen, frischgebackenen Eltern und die Großeltern, auch viele andere teilten natürlich dieses Gefühl. Dazu gehörten auch die Müller der Bockwindmühle in Wettmar, denn eine Müllerin aus ihrem Kreis, Jutta Rockahr-Brakhage, war zum ersten Mal Oma geworden.
Nachdem die Müllerkollegen digital per WhatsApp davon erfahren hatten und auf diesem heutigen Info-Kanal gratuliert hatten, war gleichzeitig klar, dass mit ihrer Mühle der angemessene traditionelle Weg zur Information der kleinen dörflichen Mühlenwelt wieder beschritten werden sollte.
Dieser Weg ist nicht digital, sondern analog, es ist die Sprache der Mühlenflügel. Denn im Laufe der Jahrhunderte hatte es sich eingebürgert, dass die Windmüller durch die Stellung der Flügel die umliegenden Bauern informierten, ob die Mühle eine längere Arbeitspause eingelegt hatte, nicht in Betrieb war oder ob sie nur eine kurze Arbeitspause evtl. wegen einer Reparatur einhielt. Damit konnten sich die Bauern vergebliche Wege mit ihren Fuhrwerken ersparen. Lag ein Trauerfall z.B. in der Müllerfamilie vor, dann stellte man die „Trauerschere“ ein* oder bei einem freudigen Ereignis wurde die sogenannte „Freudenschere“ ** gezeigt.
Wie die historische Mühle in Wettmar 2010 restauriert aus der Vergangenheit „zurückkehrte“, kehrte hier auch das traditionelle Brauchtum der Müllerei zurück.
Schon mehrmals hatte die Bockwindmühle mit der Freudenschere auf die Hochzeit eines jungen Paares hingewiesen oder auf die Geburt eines Kindes. Und so geschah es auch wieder in diesem Falle. Das freudige Ereignis der Geburt von Elina Louisa wurde bei einem kleinen Umtrunk gefeiert. Die Flügel wurden von alten Müllerkollegen und der „neuen Großmutter“ in Stellung gebracht.
In der gemütlichen Feier wurde die Müllertradition belebt und es wurde vor allem in diesen unruhigen Zeiten durch ein deutliches Freudenzeichen auf den Lebens-Optimismus verwiesen, der in dem kleinen, unschuldigen Menschen sichtbar wird! Wie passend ist dazu der Müllergruß: Glück zu!


* Ein Flügel zeigt dann in Richtung einer Uhrzeigerstellung 11 Uhr.
** Ein Flügel zeigt in Uhrzeigerstellung auf 13 Uhr. Da die Mühle linksherum dreht, ist es aus Müllersicht „5 vor 12“ = Freude.
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 25.09.2018 | 19:09  
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