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Weihnachtsgefühle

  • Die kleine Mooskrippe
  • Foto: Pfarrer R.Müller-Schiemann
  • hochgeladen von Claudia Cloos

Ein ganz besonderer „Heiliger Abend“: der 24.12.2011

Weihnachten feiern in der Reha-Klinik

Dieses 1. Weihnachtsfest nach meiner Herztransplantation am 17.November 2011 feierten mein Mann und ich nicht zuhause mit der Familie sondern in der Rehaklinik „Küppelsmühle“ in Bad Orb - ein seltsames Gefühl. Auch verzichteten wir in diesem Jahr auf Geschenke: wir hatten uns beide, das war uns wichtig!
Die Therapien wurden bis mittags 13 Uhr durchgeführt. Nach dem Mittagessen war Feierabend für die Therapeuten, aber es gab noch viele gute Geister in den Häusern, die geheimnisvolle Vorbereitungen für uns Patienten und deren Gäste trafen.

Weihnachtsgottesdienst, Zeit für unser Dankeschön

In der kleinen Kapelle St. Anna wurde am Nachmittag um 15 Uhr ein ökomenischer Gottesdienst angeboten, zu dem wir uns mit dem Rollstuhl auf den Weg machten. Es war eine schöne, feierliche Stimmung in diesem kleinen Gotteshaus. Der Altar war sehr schlicht geschmückt, die kleinen Krippenfiguren auf einem Moosbettchen zwischen den ersten Bankreihen auf einem kleinen Tisch platziert. So konnten alle, vor allem aber die kleinen Kinder, das Jesuskind, Maria, Josef, die Hirten mit den Schafen und nicht zuletzt, viele kleine Engel gut anschauen. Wie wir später entdeckten, waren es kleine Fingerpuppen.
Die Plätze in den vorderen Bankreihen waren alle besetzt. Wir fanden im hinteren Teil, gleich neben der Orgel und, günstig für mich, an der Heizung, noch zwei freie Stühle. Wenn wir auch hintereinander saßen, so genossen Reinhard und ich diesen Gottesdienst sehr. Ich glaube, noch nie in unserem Leben haben wir die Geschichte von Jesu‘ Geburt so genau angehört, ja gefühlt. Wir waren glücklich und dankbar, dass wir diesen Tag gemeinsam erleben durften, dass Gott uns in den letzten Monaten nicht verlassen hatte und in dieser Stunde zusagte, auch weiterhin bei und mit uns zu sein. Ganz intensiv konnte und durfte ich hier beten und meinen Tränen der Dankbarkeit ihren Lauf lassen. Es war ein sehr harmonischer Gottesdienst, untermalt mit Orgel,- Flöten-, Geigen- und Gitarrenmusik, die von der Pfarrfamilie vorgetragen wurde. Die Predigt gestalteten der Pfarrer und seine Frau mit den Fingerpuppen Maria und Josef in einer Art Zwiegespräch. Alle Gottesdienstbesucher hörten gespannt zu und waren wie wir, total begeistert, wie wir später in Gesprächen erfuhren. Danke an dieser Stelle an Pfarrer Müller-Schiemann und seiner Familie für den schönen Gottesdienst und den Gottesdiensttext.

Eine frohe Weihnachtsfeier

Nach dem Gottesdienst begaben wir uns in den Gymnastiksaal, wo für uns die Weihnachtsfeier begann. Die große Fensterwand war mit Vorhängen geschlossen, in der linken Ecke stand ein riesiger geschmückter Weihnachtsbaum. Vor Kopf stand der große schwarze Flügel auf einem Podest, lange Tische waren aufgestellt. Kerzen, Tannenzweige, Weihnachtsgebäck und Kuchen, Kaffee, Tee, kalte Getränke hübsch darauf platziert und dekoriert.
Herr Horst brachte mir einen Teller mit Weihnachtsgebäck, welches ich essen durfte. Als immunsupprimierte Person darf ich kein Gebäck mit Nüssen, Mandeln, Pistazien, Rosinen essen.
Es begann der offizielle Teil der Weihnachtfeier. Der junge Herr Freund begrüßte uns alle, stellte seinen Geschäftspartner und Pianisten vor, der für uns schöne Weihnachtslieder zum Mitsingen spielte. Es wurden Geschichten und Gedichte vorgetragen während wir den Stollen und Gewürzkuchen zu Kaffee und Tee verspeisten. Zum Schluss gab es noch eine Überraschung für alle: Jeder bekam ein Tütchen mit Gebäck, eine kleine Flasche Rotwein und eine Weihnachtstasse gefüllt mit Pralinen.

"Unser Christkind"

An unserem Tisch saß auch der kleine Felix mit seinen Eltern. Sein Vater weilte hier zur orthopädischen AHB. Felix war ein munteres Kerlchen, schaute interessiert den Tisch hinauf und hinunter, welche Kekse er am liebsten mochte. Vanillekipferl waren seine Favoriten. Reinhard und ich suchten von unseren Tellern alle Kipferl heraus und schenkten sie dem kleinen Mann. Damit eroberten wir sofort das Herz des Kleinen. Man hatte uns für kurze Zeit ein eigenes „Christkind“ geschenkt. Nun war es wirklich "Heiliger Abend"!

Weihnachtsabend

Zum Abendbrot gab es ein kalt-warmes Buffet, das keine Wünsche offen ließ. Für mich hatte die Küche ein Extramenü mit Suppe, gekochtem Fleisch, Geflügel und Gemüse, Hering in Tomatensoße, gekochten Eiern und ausgesuchten Nachspeisen, wie gekochter Pudding und Kompott, sowie Bananen kreiert. Natürlich hätte ich gerne von der tollen Eisbombe gegessen, aber das war Tabu!
Gemütlich ging es dann ab 21 Uhr in der Bayernstube zu , wo der Pianist schöne Weihnachts- und Unterhaltungsmusik spielte. Dazu gab es Kinderpunsch (für mich), Sekt, Salzstangen und Gebäck. Wir lernten einige Mitpatienten an unserem Tisch kennen und erhielten so manchen Tipp für unsere Freizeitgestaltung.
Herr Horst, der Servicechef und Organisator dieses Abends, ging von Tisch zu Tisch und gab lustige Geschichten zum Besten. Da viele der Gäste jedes Jahr über die Feiertage wiederkommen, spürte man eine gemütliche, familiäre Stimmung, in die auch wir einbezogen wurden.
Wir genossen diesen Abend beide sehr und waren uns einige: es war das schönste Weihnachten, was wir bisher erlebt hatten!

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4 Kommentare

Eine rührende Geschichte, von einem ganz besonderen Weihnachtsfest, liebe Claudia!
Ich wünsche Dir noch ganz, ganz viele solcher besonderen Weihnachtsfeste!

LG Elke

Und denk dran: Auf die Dauer hilft nur Power (z.B. im Neuen Jahr).

  • Gelöschter Nutzer am 09.01.2015 um 14:08
Gelöschter Kommentar
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