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757. Newsletter Südharzstrecke - Thüringen - Geld für Streckenreaktivierungen, aber nicht für den Geisterzug im Südharz - Initiative erhält Einladung

  Hallo liebe Eisenbahn-, ÖPNV- und SPNV-Interessierte!

Stück für Stück bricht die Argumentationskette des Thüringischen Infrastrukturministeriums zum „Geisterzug im Südharz“ in sich zusammen. Wenn jetzt immer noch dem Zug zwischen Nordhausen und Walkenried die Zustimmung verweigert wird, muss man dies, ob man es gut findet oder nicht, unter „wir könnten schon, aber wir wollen nicht“ oder aber „keine Lust an Nordthüringen“ zusammenfassen.

Gefahrener Zug ist eine Erfindung

Das Argument, dass der Zug ja einige Jahre lang gefahren sei und 2014 dann mangels Bedarf abbestellt worden ist, haben wir mehrfach als schlicht erfunden enttarnt – was allerdings das Ministerium nicht daran hindert, es wieder und wieder vorzubringen. Wahrer wird es deswegen freilich nicht. In der von uns geforderten und fahrplantechnisch völlig problemlos möglichen Form ist der Zug nie gefahren. Also kann man angebliche Nutzerzahlen von damals nicht einer Ablehnung zugrunde legen – es hat sie ja nie gegeben, diese Nutzer. Weil es den Zug stets nur zwischen Nordhausen und Ellrich gab, und wer will da um 4.30 Uhr schon hin, oder aber – ein Jahr lang – umlaufbedingt nur am Montag. Und welcher Pendler nutzt einen Zug, der Montag fährt, Dienstag bis Freitag hingegen nicht? 

Geld für andere Strecken ist da – warum nicht für den Südharz?

Spätestens mit der Bekanntgabe des Entwurfs für den Koalitionsvertrag in Thüringen bricht auch das zweite Argument in sich zusammen. Man müsse sparen und sich jeden Zug genau überlegen, weil die „Regionalisierungsmittel“ des Bundes so knapp seien, wurde nachgeschoben. Das stimmte schon vorher nicht, und nun, man reibt sich die Augen, liest man, dass unter anderem die Strecken Straußfurt – Großheringen und Ilmenau – Rennsteig – Schleusingen – Themar wieder in Betrieb genommen werden sollen.

Nanu? Es ist doch angeblich kein Geld da? Und nun langt es sogar für zwei veritable (und natürlich auch begrüßenswerte) Reaktivierungen? Die kosten ein Vielfaches von dem, was für den „Geisterzug“ aufzubringen wäre. Und das Geld ist da?

Spätestens an dieser Stelle muss man in Landesnorden doch wohl wach werden. Hat denn unsere Region überhaupt keine Fürsprecher in Erfurt mehr? Den verhandelnden Personen in Erfurt war und ist die Thematik des Geisterzuges sehr wohl bekannt. Gleichwohl wird nicht über das wenige Geld für ihn, sondern über das viele Geld für Reaktivierungen gesprochen und dies auch fixiert. In der Mitte und im Süden läuft’s, im Norden eben nicht. Damit könnte man sich abfinden, muss es aber nicht. Wir tun es nicht.


Die Nordhäuser Umgebung bleibt abgehängt – Kultur ist nicht

Denn es geht ja nicht nur um den Geisterzug. Der ist nur die Spitze des Eisbergs der Vernachlässigung des ÖPNV in unserer Ecke.

Kultur in Nordhausen und dann mit der Bahn zurück, das geht nicht. In fast keine Richtung.

• Letzter Zug nach Leinefelde um 21.23 Uhr
• letzter Zug nach Erfurt um 21.37 Uhr
• letzter Zug nach Northeim um 21.39 Uhr
• nur in Richtung Sangerhausen kommt man später noch weg
• auch umgekehrt geht es nicht wirklich: Der letzte Zug aus Göttingen kommt um 22.15 Uhr in Nordhausen an, was einer Abfahrt in Göttingen um 20.48 Uhr entspricht. Um 21.49 und 22.49 fahren auch noch Züge, aber die verenden wegen – na, warum wohl? Fehlender Zahlungsbereitschaft aus Erfurt! – schon in Herzberg, weil die niedersächsischen Kommunen Bad Lauterberg, Bad Sachsa und Walkenried für Thüringen gleich mit in Haftung genommen werden. Also ist ein sinnvoller Veranstaltungsbesuch auch in der Universitätsstadt nicht drin.

Wie war das doch gleich? „Wir wollen ländliche Räume fördern!“. Oder: „Wir wollen den demografischen Wandel und das Ausbluten des flachen Landes stoppen!“. Ganz offenbar alles hohles Gerede, denn wenn es zur Sache geht und für einige wenige Zugleistungen Geld benötigt wird, geht man in Erfurt auf Tauchstation. Wohlgemerkt: Wenn es um Nordthüringen geht. Anderswo ist man deutlich großzügiger.

Ab August 2020 wird ferngesteuert – spätestens dann muss es gehen

Ein weiteres Argument, in diesem Fall für die Spätzüge sogar zutreffend (nicht aber für den Geisterzug – der fährt ja!), fällt ab August dieses Jahres weg.

Die Strecke Nordhausen – Ellrich wird dann ferngesteuert werden, es ist nicht mehr erforderlich, die Schichten von 6 Mitarbeitern auf den Stellwerken zu verlängern, und das zentrale Stellwerk ist eh besetzt. Die Strecke kann dann ohne Mehraufwand rund um die Uhr befahren werden.

Spätestens dann muss der Ball in Sachen Spätverbindungen ins Rollen kommen. Für den Geisterzug kann das schon vorher passieren, denn schon heute sind für ihn die Stellwerke bereits besetzt, obwohl niemand einsteigen darf.

Einladung aus Erfurt

Michael Reinboth hat nun eine Einladung aus Erfurt erhalten. Nicht vom Ministerium, welches weiter bar jeder Sachkenntnis und abgehoben argumentiert, wohl aber vom Landesamt für Straßenbau, wo seit geraumer Zeit das Thema „Schienenverkehr“ angesiedelt ist. Er wird hinfahren. Es bleibt zu hoffen, dass bei einem offenen und unvoreingenommenen Austausch von Argumenten wenigstens der Geisterzug in einen regulären Zug umgewandelt werden kann. Über das Ergebnis werden wir an dieser Stelle berichten.

Michael Reinboth

Viele Grüße

Burkhard Breme
Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz"  
37431 Bad Lauterberg

E-Mail: burkhard.breme@suedharzstrecke.de
Internet: http://www.suedharzstrecke.de
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